Vor oder nach dem endgültigen Nichtbestehen: die Weiche
Stand: 18. Oktober 2026
Ob Du vor dem letzten Versuch noch die Uni wechseln kannst, hängt davon ab, ob das endgültige Nichtbestehen schon festgestellt ist. Vorher stehen Dir ein Hochschulwechsel, der Rücktritt und je nach Hochschule Zusatzversuche offen. Mit dem Bescheid beginnt eine Frist, in der Regel ein Monat, und die Hochschulgesetze der Länder schränken ein, wo Du danach neu anfangen kannst.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Zeitpunkt trennt die Wege: Solange kein Bescheid über das endgültige Nichtbestehen vorliegt, sind Hochschulwechsel, Rücktritt und Zusatzversuche möglich.
- Ein Hochschulwechsel setzt Fehlversuche nicht automatisch zurück. 76 von 182 Hochschulen der Versuchsregeln-Datenbank rechnen externe Fehlversuche ausdrücklich an (Stand: Oktober 2026).
- Nach dem Bescheid läuft in 14 Ländern die Widerspruchsfrist von einem Monat, in Berlin die Klagefrist von einem Monat, in Bayern hast Du die Wahl.
Die Zeitachse
| Phase | Was jetzt offen ist | Was nicht mehr geht |
|---|---|---|
| Vor dem letzten Versuch | Hochschulwechsel mit Blick auf die Prüfungsordnung der Zielhochschule; Rücktritt bei Prüfungsunfähigkeit; in Berlin der Zusatzversuch nach Studienfachberatung; in Medizin der Studienplatztausch und der Zweithörerweg; Hochschulen ohne Versuchszählung | Ein bereits gezählter Fehlversuch lässt sich nur noch anfechten |
| Nicht angetreten | Versäumnis und Exmatrikulation vor dem Drittversuch | Ob ein Nichtantritt als Fehlversuch zählt, regelt die Prüfungsordnung |
| Geschrieben, Ergebnis offen | Mythos Exmatrikulation vor der Notenbekanntgabe | Die Prüfung lässt sich durch Exmatrikulation nicht ungeschehen machen |
| Bescheid ist da | Blanko-Widerspruch zur Fristwahrung (in Berlin Klage, in Bayern Wahl); Akteneinsicht; Prüfungsanfechtung; Härtefallantrag; mündliche Ergänzungsprüfung, wo die Prüfungsordnung sie vorsieht | Die Frist verlängert sich nicht durch Gespräche mit dem Prüfungsamt |
| Rechtsmittel erledigt, Exmatrikulation | FH-Wechsel, Privathochschulen, verwandter Studiengang, FernUni Hagen, Studium im Ausland, Ausbildung | Die Einschreibung in denselben Studiengang wird versagt, je nach Land auch in verwandten |
Die Tabelle gilt für Hochschulprüfungen. Medizin, Zahnmedizin, Pharmazie und Jura folgen mit ihren Staatsprüfungen eigenen Ordnungen. Ein Ortswechsel setzt dort nichts zurück:
| Prüfung | Norm | Wiederholung | Nach erneutem Studium |
|---|---|---|---|
| Medizin | § 20 Abs. 1 ÄApprO | Teile des Ersten Abschnitts sowie Zweiter und Dritter Abschnitt jeweils zweimal | weitere Wiederholung nicht zulässig |
| Zahnmedizin | §§ 38, 54, 78 ZApprO | mündliche und mündlich-praktische Prüfungen je Fach oder Fächergruppe zweimal, ebenso der schriftliche Teil des Dritten Abschnitts | weitere Wiederholung nicht zulässig |
| Pharmazie | § 15 Abs. 3 und 4 AAppO | jede Fachprüfung zweimal; ist ein Abschnitt endgültig nicht bestanden, gilt die Pharmazeutische Prüfung insgesamt als endgültig nicht bestanden | Wiederholung nicht zulässig |
| Jura in Bayern | § 36 Abs. 1 und 5 BayJAPO (gültig ab 01.05.2026) | Erste Juristische Staatsprüfung einmal; aus einem anderen Land nur bei unzumutbarer Härte und mit Zustimmung der dortigen Prüfungsbehörde | weitere Wiederholung nicht möglich |
Für die übrigen Länder regeln das die Juristenausbildungsgesetze und -ordnungen der Länder selbst. Die Regeln der Fächer stehen in Was „endgültig nicht bestanden“ rechtlich bedeutet.
Wann das Nichtbestehen endgültig ist
Endgültig nicht bestanden ist eine Prüfung, wenn die Prüfungsordnung keine Wiederholung mehr zulässt. Die Mainzer Zwei-Fächer-Ordnung sagt es so: Kann eine Prüfungsleistung nicht mehr erbracht oder wiederholt werden, ist die Bachelorprüfung endgültig nicht bestanden, und das Studium im selben Studiengang ist nicht mehr möglich (§ 18 Abs. 6). Der Prüfungsausschuss erteilt darüber einen schriftlichen Bescheid mit Rechtsbehelfsbelehrung (§ 18 Abs. 7). An der FH Dortmund folgt daraus die Exmatrikulation (§ 10 Abs. 6 RPO), in Nordrhein-Westfalen schreibt das Gesetz sie zwingend vor (§ 51 Abs. 1 Nr. 3 HG NRW). Die Weiche liegt also vor diesem Bescheid. Wie viele Versuche Du hast, bestimmt die Ordnung Deines Studiengangs: Mainz erlaubt je Pflichtmodul höchstens zwei Wiederholungen (§ 18 Abs. 2), die FH Dortmund gewährt zusätzlich auf Antrag einen vierten Versuch (§ 10 Abs. 3 RPO). Frag das Prüfungsamt, bevor Du antrittst, wie viele Versuche Dir in jedem Modul noch bleiben.
Vor dem Bescheid: Wechsel und Zusatzversuche
Solange Dein Prüfungsanspruch besteht, bist Du noch nicht gesperrt. Ein Hochschulwechsel ist in dieser Phase möglich – aber er löscht Deine Fehlversuche nicht. Unsere Versuchsregeln-Datenbank unterscheidet bei den 182 Hochschulen zwei Gruppen: 76 rechnen Fehlversuche von anderen Hochschulen ausdrücklich an, die übrigen 106 haben die Anrechnung nicht geregelt, nur hochschulintern geregelt oder nicht belegt (Stand: Oktober 2026). Ob Deine Zielhochschule dazugehört, steht in ihrer Prüfungsordnung. Die Beispiele mit Fundstelle stehen in Uni-Wechsel vor dem Drittversuch.
Drei weitere Wege gibt es nur an bestimmten Hochschulen. Berlin schreibt einen Zusatzversuch nach Studienfachberatung ins Gesetz (§ 30 Abs. 4 S. 1 Hs. 2 BerlHG). Manche Hochschulen prüfen den Studienfortschritt nach Fristen statt nach Versuchen. Und wo die Prüfungsordnung eine mündliche Ergänzungsprüfung oder einen Härtefallantrag kennt, hängt beides oft an kurzen Antragsfristen. Lies deshalb die Ordnung Deines Studiengangs – und zwar, bevor Du zum letzten Versuch antrittst.
Nach dem Bescheid: Fristen und Wege
Nach dem Bescheid zählt zuerst die Frist, und den Rechtsbehelf bestimmt das Land, in dem Deine Hochschule liegt. Berlin schließt den Widerspruch in Hochschulangelegenheiten aus (§ 42 Abs. 2 LOG Berlin) und gibt ab Bekanntgabe die einmonatige Klagefrist vor (§ 74 Abs. 1 S. 2 VwGO). Bayern lässt die Wahl zwischen Widerspruch und Klage (Art. 12 Abs. 1 S. 1 Nr. 6 AGVwGO). In den übrigen 14 Ländern führt der Weg über den Widerspruch, ebenfalls innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe (§ 70 Abs. 1 S. 1 VwGO). Maßgeblich ist die Rechtsbehelfsbelehrung, die Normen Deines Landes nennt die Seite Deines Bundeslands.
Ein per Post versandter Bescheid gilt in den meisten Ländern am vierten Tag nach der Aufgabe zur Post als bekanntgegeben, in Hessen am dritten Tag (§ 41 Abs. 2 des jeweiligen Landes-Verwaltungsverfahrensgesetzes). Unser Fristenrechner rechnet mit dem Wert Deines Landes. Fehlt die Rechtsbehelfsbelehrung oder ist sie falsch, hast Du ein Jahr (§ 58 Abs. 2 VwGO). Die Schritte stehen in der Anleitung zum Widerspruch.
Parallel zur rechtlichen Prüfung kannst Du den nächsten Studienweg klären. Wie weit die Sperre reicht, hängt vom Land ab. Auf verwandte Studiengänge erstreckt sie sich entweder direkt kraft Gesetz, nur wenn die Prüfungsordnung es bestimmt, oder gar nicht (Tabelle in Prüfungsanspruch verloren). Was nach der Exmatrikulation mit BAföG und Krankenversicherung passiert, steht in Nach der Exmatrikulation.
Welche Seite für Deine Lage passt
- Der nächste Versuch steht an, ein Bescheid fehlt: Uni-Wechsel vor dem Drittversuch und Rücktritt.
- Du studierst in Berlin: Der vierte Versuch in Berlin.
- Der Bescheid ist da und die Frist läuft: Fristenrechner, dann Blanko-Widerspruch.
- Die Rechtsmittel sind ausgeschöpft: Drittversuch nicht bestanden: Deine 7 Optionen.
- Du weißt nicht, in welcher Zeile Du stehst: der Wegweiser fragt Deine Lage ab, der Überblick Endgültig nicht bestanden: was jetzt? sortiert die Schritte.
Angabepflicht in jeder Phase
Bei jeder neuen Einschreibung musst Du frühere endgültig nicht bestandene Prüfungen angeben, soweit die Hochschule danach fragt, oft über eine Unbedenklichkeitsbescheinigung der bisherigen Hochschule. Wer ein endgültiges Nichtbestehen verschweigt, riskiert die Rücknahme der Immatrikulation nach dem Landes-Verwaltungsverfahrensgesetz (§ 48; in Bayern Art. 48 BayVwVfG) – bei arglistiger Täuschung sogar ohne Jahresfrist. Die Folgen stehen in Fehlversuche verschweigen.
Häufige Fragen
Kann ich nach dem endgültigen Nichtbestehen an einer anderen Uni im selben Fach neu anfangen?
In der Regel nicht. Die Hochschulgesetze der Länder knüpfen die Versagung der Einschreibung an den Studiengang, gleich an welcher Hochschule der Prüfungsanspruch verloren ging. Ob auch verwandte Studiengänge gesperrt sind, entscheidet das Land der Zielhochschule, siehe Verwandter Studiengang.
Ab wann gilt eine Prüfung als endgültig nicht bestanden?
Wenn sie nach der Prüfungsordnung nicht mehr wiederholt werden kann, etwa nach der zweiten erfolglosen Wiederholung. Darüber erhältst Du einen schriftlichen Bescheid; in Mainz ist er ausdrücklich mit einer Rechtsbehelfsbelehrung zu versehen (§ 18 Abs. 7 der Zwei-Fächer-Ordnung).
Soll ich vor dem Drittversuch die Hochschule wechseln?
Das hängt davon ab, ob die Zielhochschule Deine Fehlversuche anrechnet, wie gut Deine Chancen im Versuch sind und was der Wechsel an Zeit kostet. Prüfe zuerst die Prüfungsordnung der Zielhochschule, mehr in Uni-Wechsel vor dem Drittversuch.
Wie lange habe ich nach dem Bescheid Zeit?
In der Regel einen Monat ab Bekanntgabe (§ 70 Abs. 1 VwGO für den Widerspruch, § 74 Abs. 1 VwGO für die Klage). Ein Bescheid per Post gilt meist am vierten Tag nach der Aufgabe zur Post als bekanntgegeben. Fehlt die Rechtsbehelfsbelehrung oder ist sie falsch, beträgt die Frist ein Jahr (§ 58 Abs. 2 VwGO).
Gilt in Berlin auch ein Widerspruch?
Nein. In Berlin gibt es in Hochschulangelegenheiten keinen Widerspruch (§ 42 Abs. 2 LOG Berlin), Du erhebst direkt Klage beim Verwaltungsgericht.
Gilt der Wechsel-Trick auch für Staatsexamen?
Nein. Für Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie gilt Bundesrecht mit höchstens zwei Wiederholungen. Jura-Staatsprüfungen regeln die Länder selbst. Ein Wechsel des Studienorts setzt nichts zurück, mehr in Prüfungsanspruch verloren.
Quellen
- § 70 VwGO, Form und Frist des Widerspruchs: Widerspruch binnen eines Monats nach Bekanntgabe
- § 74 VwGO, Klagefrist: Klage binnen eines Monats nach Bekanntgabe, wenn kein Widerspruchsbescheid erforderlich ist
- § 58 VwGO, Belehrung über den Rechtsbehelf: Jahresfrist bei fehlender oder unrichtiger Belehrung
- § 41 VwVfG, Bekanntgabe des Verwaltungsaktes: Bekanntgabe am vierten Tag nach Aufgabe zur Post
- § 42 LOG Berlin: kein Widerspruch in Hochschulangelegenheiten
- Art. 12 AGVwGO Bayern, Widerspruchsverfahren: Wahlrecht zwischen Widerspruch und Klage bei Prüfungsentscheidungen
- § 30 BerlHG: weiterer Prüfungsversuch nach Studienfachberatung
- § 20 ÄApprO, Wiederholung von Prüfungen: zwei Wiederholungen, keine weitere nach erneutem Medizinstudium
- § 38 ZApprO, Wiederholung: zwei Wiederholungen, keine weitere nach erneutem Zahnmedizinstudium; §§ 54 und 78 sind für den Zweiten und Dritten Abschnitt gleich gefasst
- § 15 AAppO, Bestehen und Wiederholung: zwei Wiederholungen je Fach, Pharmazeutische Prüfung insgesamt endgültig nicht bestanden
- § 36 BayJAPO, Wiederholung der Prüfung: eine Wiederholung der Ersten Juristischen Staatsprüfung, Wechsel aus anderen Ländern
- Universität Mainz, Ordnung Zwei-Fächer-Bachelor: § 18 Abs. 2, 6 und 7, Wiederholung, endgültiges Nichtbestehen, Bescheid
- Rahmenprüfungsordnung FH Dortmund, Lesefassung 18.12.2024: § 10 Abs. 3 und 6, vierter Versuch auf Antrag, Exmatrikulation
- HG NRW, Fassung vom 07.05.2025: § 51 Abs. 1 Nr. 3, Exmatrikulation bei endgültig nicht bestandener Prüfung