Härtefallantrag: der 4. Versuch auf Antrag
Stand: 18. Oktober 2026
Ein Härtefallantrag bittet den Prüfungsausschuss um einen weiteren Versuch nach dem letzten regulären. Meist entscheidet der Ausschuss nach Ermessen, an einigen Hochschulen besteht ein Anspruch. Die Frist steht in der Prüfungsordnung und ist oft kurz: In den Beispielen unserer Datenbank liegt sie zwischen zehn Tagen und drei Monaten nach der Bekanntgabe des letzten Ergebnisses. Eine Erfolgsstatistik gibt es nicht.
So regeln Hochschulen den Zusatzversuch
Die Beispiele stammen aus unserer Versuchsregeln-Datenbank. Sie zeigen, wie verschieden Rechtsnatur und Frist ausfallen. Für Deinen Studiengang gilt die aktuelle Prüfungsordnung.
| Hochschule | Regelung | Rechtsnatur | Frist | Ordnung | Stand |
|---|---|---|---|---|---|
| Universität Kiel | dritte Wiederholung für bis zu zwei Prüfungen im Studium, ersetzt die Härtefallprüfung | Anspruch auf Antrag | ein Monat nach Ablauf des Überprüfungszeitraums | PVO § 11 Abs. 2 bis 4 | Juli 2026 |
| Universität Osnabrück | einmaliger „Joker“ im Studiengang, auch zur Notenverbesserung | Anspruch | bis Ende des folgenden Semesters | APO § 14 Abs. 3 | Juli 2026 |
| TU Dortmund (Fakultät Maschinenbau) | zusätzliche Wiederholung einer einzigen Prüfungsleistung | Anspruch | drei Monate nach der Bewertung der zweiten Wiederholung | BPO § 11 Abs. 5 | Juli 2026 |
| Ruhr-Universität Bochum | weiterer Versuch bei signifikant abweichendem Ergebnis und Bestehensaussicht | Ermessen | drei Monate nach der zweiten Wiederholung | GemPO § 13 Abs. 2 | Juli 2026 |
| Universität Duisburg-Essen | weiterer Versuch bei außergewöhnlicher, atypischer Sonderlage | Ermessen | zehn Tage nach der zweiten Wiederholung | Rahmen-PO § 20 Abs. 2 | Juli 2026 |
| TU Ilmenau | dritte Wiederholung ab 80 % der Abschlussleistungen (Übergangsrecht bis 30.09.2028) | Anspruch auf Antrag | siehe unten | PStO-AB (alte Fassung), § 19 Abs. 1 | Oktober 2026 |
| OTH Regensburg | dritte Wiederholung für ein Modul außerhalb des ersten Studienabschnitts | Regelung der Ordnung | in der Regel 12 Monate | APO § 26 Abs. 5 | August 2026 |
| Euro-FH | Härtefall-Viertversuch | Ermessen | ein Monat nach Bekanntwerden des endgültigen Nichtbestehens | StuPro-Mantel Bachelor § 22 | Juli 2026 |
An der TU Dortmund gilt das nur für die Fakultät Maschinenbau. In der Bachelorprüfung Wirtschaftswissenschaften kann eine einzige Prüfungsleistung auf Antrag ein drittes Mal wiederholt werden, dort entscheidet der Vorsitz des Prüfungsausschusses (§ 16 Abs. 1 S. 2). Die Universität Duisburg-Essen berücksichtigt keine Gründe, die Du über Rücktritt, Nachteilsausgleich oder Prüfungsanfechtung hättest geltend machen müssen. Das spricht dafür, solche Gründe früh zu nutzen – etwa mit dem Rücktritt vom Versuch.
Was die Ordnungen im Einzelnen verlangen
Hinter der Rechtsnatur steckt in jeder Ordnung ein anderer Prüfmaßstab:
- Kiel: Der Antrag geht schriftlich oder elektronisch an den Vorsitz des Prüfungsausschusses und gilt für bis zu zwei Prüfungen. Härtegründe verlangt die Ordnung nicht, die Regelung ersetzt die Härtefallprüfung (§ 11 Abs. 2 bis 4 PVO).
- Osnabrück: Der Joker gilt einmal im Studiengang, nicht für die Abschlussarbeit und nicht nach einer Täuschung. Ohne vorherige Zustimmung des Prüfungsausschusses ist die Wiederholung nicht zulässig, danach musst Du innerhalb von zwei Semestern einen Termin wahrnehmen (§ 14 Abs. 3).
- TU Dortmund (Maschinenbau): Nur eine einzige Prüfungsleistung, nur einmal. Ohne Antrag innerhalb der drei Monate ist die Bachelorprüfung endgültig nicht bestanden (§ 11 Abs. 5).
- Ruhr-Universität Bochum: Ein Härtefall liegt unter anderem vor, wenn sich die zweite Wiederholungsprüfung deutlich von den übrigen Leistungen des Studiums unterscheidet und hinreichende Aussicht besteht, dass Du in einer weiteren Wiederholung bestehst (§ 13 Abs. 2).
- Universität Duisburg-Essen: Du musst glaubhaft machen, dass Dich eine außergewöhnliche, atypische Sonderlage an der erfolgreichen zweiten Wiederholung gehindert hat. Der Ausschuss bezieht bisherige Leistungen ein, aus denen sich ergibt, dass das Studium erfolgreich enden kann (§ 20 Abs. 2).
TU Ilmenau: neue Ordnung seit 01.10.2026
Die TU Ilmenau hat ihre Prüfungs- und Studienordnung neu gefasst. Die PStO-AB 2026 ist am 01.10.2026 in Kraft getreten (Verkündungsblatt 281/2026, § 41 Abs. 1). Jede nicht bestandene Prüfungsleistung kann zweimal wiederholt werden, das sind drei Versuche für alle (§ 20 Abs. 1). Die Wiederholung muss innerhalb der folgenden zwei Semester stattfinden, sonst gilt sie als abgelegt und nicht bestanden (§ 20 Abs. 2). Zeiten von Mutterschutz, Elternzeit, Pflege naher Angehöriger, besonderen familiären Verpflichtungen und einer länger beeinträchtigenden Erkrankung zählen bei dieser Frist nicht mit (§ 20 Abs. 3).
Wer bis einschließlich Sommersemester 2026 immatrikuliert wurde, behält bis zum 30.09.2028 die alten Regeln zur dritten Wiederholung und zu den Freiversuchen (§ 41 Abs. 2 Buchst. b). Nach § 19 Abs. 1 der alten PStO-AB räumt der Prüfungsausschuss auf Antrag einmalig im Studiengang einen dritten Wiederholungsversuch ein, wenn 80 Prozent aller erforderlichen Abschlussleistungen erbracht sind. Ab dem 01.10.2028 gilt § 20 der neuen Ordnung für alle – auch für die, die heute noch unter altem Recht studieren.
Berlin und private Hochschulen
In Berlin ist ein Zusatzversuch nach Studienfachberatung gesetzlich vorgesehen (§ 30 Abs. 4 S. 1 Hs. 2 BerlHG). Er ist kein Härtefall – Nachweise besonderer Umstände sind nicht nötig. Die Umsetzung je Hochschule beschreibt Der vierte Versuch in Berlin. Bei privaten Hochschulen lohnt der Blick in die eigene Ordnung; die Euro-FH sieht in § 22 einen Härtefall-Viertversuch vor (Stand: Juli 2026), weitere Beispiele stehen in Private Hochschulen nach dem Drittversuch.
Realistische Erwartungen
Ein Härtefallantrag ersetzt keinen Widerspruch bei erkennbaren Verfahrens- oder Bewertungsfehlern, er kommt hinzu, wenn Umstände Deine Leistung beeinträchtigt haben. Der Ausschuss prüft den Einzelfall, und die Ordnungen nennen ähnliche Maßstäbe: eine atypische Sonderlage, ein Ergebnis, das von Deinen übrigen Leistungen deutlich abweicht, und eine Aussicht, den Versuch zu bestehen. Bei komplexen Fällen kann ein Anwalt helfen, die Aussichten einzuschätzen.
Härtefallantrag und Widerspruch
Der Bescheid über das endgültige Nichtbestehen läuft unabhängig vom Antrag weiter. Ein Härtefallantrag hemmt die Widerspruchs- und die Klagefrist nicht. Wie Du Dich gegen den Bescheid wehrst, hängt vom Land ab: In 14 Ländern ist es der Widerspruch, in Bayern kannst Du zwischen Widerspruch und Klage wählen, und in Berlin gibt es in Hochschulangelegenheiten keinen Widerspruch (§ 42 Abs. 2 LOG Berlin), sodass dort ab Bekanntgabe nur die einmonatige Klagefrist läuft. Die Rechtsbehelfsbelehrung im Bescheid und die Seite Deines Bundeslands zeigen, welcher Fall bei Dir vorliegt. Wenn die Frist knapp wird, sichert der Blanko-Widerspruch sie, der Widerspruch-Generator erstellt den Text. Lehnt die Hochschule den Härtefallantrag ab, gilt für die Ablehnung der Rechtsbehelf Deines Landes mit der Frist der neuen Belehrung.
So baust Du den Antrag auf
- Sachverhalt mit Zeitraum. „Von [Datum] bis [Datum] war ich wegen [Ereignis] in [Behandlung/Betreuung/Ausnahmelage].“
- Zusammenhang zu den Fehlversuchen. „Die Beeinträchtigung bestand zu den Prüfungsterminen am [Datum] und [Datum]. Meine übrigen Leistungen im Studiengang liegen im Schnitt bei [Note].“
- Belege aus dem Prüfungszeitraum. Atteste, Bescheinigungen und Schriftverkehr mit Datum, die zu den Prüfungsterminen passen. Die Ordnungen verlangen einen Bezug zu den Versuchen, in Duisburg-Essen etwa die Hinderung bei der zweiten Wiederholungsprüfung – eine allgemeine Krankschreibung ohne Datumsbezug trägt das nicht.
- Der konkrete Antrag. „Ich beantrage, mir nach § [Paragraph] der [Prüfungsordnung] einen weiteren Prüfungsversuch im Modul [Modul] zu gewähren.“
- Frist und Adressat. Der Antrag geht an den Prüfungsausschuss, innerhalb der Frist der Prüfungsordnung. Lass Dir den Eingang bestätigen.
Der Kern der Begründung folgt dem Ordnungstyp. Wo ein Anspruch besteht (Kiel, Osnabrück, TU Dortmund Maschinenbau), genügt der Antrag mit Verweis auf die Norm: „Ich beantrage nach § [Paragraph] einen weiteren Wiederholungsversuch für [Prüfung].“ Wo der Ausschuss Ermessen hat, übernimmst Du den Maßstab der Ordnung, in Duisburg-Essen etwa: „Ich mache glaubhaft, dass mich [Sonderlage] gehindert hat, die zweite Wiederholungsprüfung erfolgreich abzulegen (Anlagen 1 bis 3).“
Häufige Fragen
Wie hoch sind die Chancen auf einen Härtefallantrag?
Eine Erfolgsstatistik gibt es nicht. Es kommt auf die Prüfungsordnung, die Belege und darauf an, ob die Umstände zu den Prüfungsterminen passen. Wo ein Anspruch besteht, etwa in der Fakultät Maschinenbau der TU Dortmund, hängt der Erfolg am Antrag innerhalb der Frist.
Wie schnell muss ich den Antrag stellen?
Das regelt die Prüfungsordnung. In den Beispielen reichen die Fristen von zehn Tagen (Universität Duisburg-Essen) über einen Monat (Universität Kiel, Euro-FH) bis zu drei Monaten (Ruhr-Universität Bochum, TU Dortmund Maschinenbau), jeweils ab dem letzten Ergebnis oder dem Bescheid.
Kann ich einen Härtefallantrag stellen, wenn ich in Berlin studiere?
Prüfe zuerst den gesetzlichen Zusatzversuch nach Studienfachberatung (§ 30 Abs. 4 S. 1 Hs. 2 BerlHG). Er braucht keinen Härtefall, sondern die Beratung und deren Nachweis in der Frist Deiner Hochschule.
Was passiert, wenn mein Härtefallantrag abgelehnt wird?
Die Ablehnung ist ein Bescheid mit eigener Rechtsbehelfsbelehrung, und deren Wortlaut gibt den Weg vor: Widerspruch in 14 Ländern, Klage in Berlin, in Bayern wahlweise beides. Die Frist findest Du mit dem Fristenrechner.
Schließt der Härtefallantrag einen Widerspruch gegen den Bescheid aus?
Nein. Beides lässt sich parallel verfolgen, aber nur der Widerspruch oder die Klage wahren die Frist gegen den Bescheid.
Muss ich meine Gründe belegen?
Das hängt vom Ordnungstyp ab. Wo ein Anspruch besteht (Kiel, Osnabrück, Maschinenbau der TU Dortmund), verlangt die Ordnung keine Härtegründe. In Duisburg-Essen und Bochum begründest Du den Härtefall, und dort tragen Atteste und Bescheinigungen, die zu den Prüfungsterminen passen.
Brauche ich für den Härtefallantrag einen Anwalt?
Nein, den Antrag stellst Du selbst beim Prüfungsausschuss. Nach einer Ablehnung oder bei einem verwickelten Sachverhalt kann ein Anwalt die Aussichten einschätzen. Wie Du einen Anwalt für Prüfungsrecht findest, steht in Anwalt für Prüfungsrecht finden.
Quellen
- Universität Kiel, Prüfungsverfahrensordnung Bachelor und Master 2019: § 11 Abs. 2 bis 4, dritter Wiederholungsversuch auf Antrag, Antragsfrist
- Universität Osnabrück, Allgemeine Prüfungsordnung Bachelor und Master: § 14 Abs. 3, einmalige Wiederholung („Joker“) und Antragsfrist
- TU Dortmund, Prüfungsordnung Maschinenbau, Logistik und Wirtschaftsingenieurwesen, Neubekanntmachung 04.02.2025: § 11 Abs. 5, zusätzliche Wiederholung auf Antrag binnen drei Monaten
- Ruhr-Universität Bochum, Gemeinsame Prüfungsordnung Zwei-Fächer-Bachelor: § 13 Abs. 2, Härtefall und Drei-Monats-Frist
- Universität Duisburg-Essen, Rahmenprüfungsordnung Bachelor: § 20 Abs. 2, Härtefall und Antragsfrist von zehn Tagen
- TU Ilmenau, Verkündungsblatt 281/2026, PStO-AB: § 20 Wiederholung, § 41 Inkrafttreten und Übergang bis 30.09.2028
- TU Ilmenau, PStO-AB 2021 (Lesefassung): § 19 Abs. 1, dritte Wiederholung ab 80 Prozent der Abschlussleistungen
- Euro-FH, Studien- und Prüfungsordnung Bachelor: § 22 Härtefallklausel, vierter Versuch auf Antrag binnen eines Monats