Von der Uni an die FH nach der Zwangsexmatrikulation
Stand: 18. Oktober 2026
Der Wechsel von der Universität an eine Fachhochschule hebt die Sperre nicht auf. Die meisten Hochschulgesetze der Länder knüpfen an den Studiengang an, nicht an die Hochschulart – Nordrhein-Westfalen etwa versagt die Einschreibung, wenn Du im gewählten Studiengang „an einer Hochschule im Geltungsbereich des Grundgesetzes“ eine erforderliche Prüfung endgültig nicht bestanden hast (§ 50 Abs. 1 Nr. 2 HG NRW). Eine FH zählt dazu. Schleswig-Holstein nennt die Hochschulart ausdrücklich: Die Versagung gilt dort im jeweiligen Studiengang der jeweiligen Hochschulart (§ 40 Abs. 1 Nr. 3 HSG SH).
Was die Länder zur Hochschulart sagen
| Land | Norm | Regel |
|---|---|---|
| Nordrhein-Westfalen | § 50 Abs. 1 Nr. 2 HG NRW | Versagung im gewählten Studiengang, Hochschule im Geltungsbereich des Grundgesetzes; Erstreckung auf Studiengänge mit „erheblicher inhaltlicher Nähe“ nur, wenn die Prüfungsordnung es bestimmt |
| Schleswig-Holstein | § 40 Abs. 1 Nr. 3 HSG SH | Versagung nur im jeweiligen Studiengang der jeweiligen Hochschulart, keine Erstreckung auf verwandte Studiengänge |
| Hamburg | § 44 i. V. m. § 41 Abs. 1 Nr. 4 HmbHG | Maßstab sind die Prüfungsgegenstände: gesperrt ist auch ein anderer Studiengang, in dem sie ebenfalls verbindlich sind (Wahlpflichtbereich ausgenommen) |
Die übrigen Länder und das Modell je Land stehen in Prüfungsanspruch verloren und auf den Bundesland-Seiten. In Baden-Württemberg kann die Hochschule die Erstreckung auf verwandte Studiengänge per eigener Satzung bestimmen (§ 60 Abs. 2 Nr. 2 LHG). Dann entscheidet die Satzung der Fachhochschule. Wie Schleswig-Holsteins Formulierung in der Praxis angewandt wird, steht in der Immatrikulationsordnung der Zielhochschule, frag dort nach.
Nordrhein-Westfalen zeigt, wie streng die Norm gefasst ist. Die Einschreibung „ist zu versagen“, es gibt also kein Ermessen der FH. Auf der anderen Seite ist die Exmatrikulation an der bisherigen Hochschule zwingend, wenn Du eine erforderliche Prüfung endgültig nicht bestanden hast (§ 51 Abs. 1 Nr. 3 HG NRW, Fassung vom 07.05.2025). Welche Prüfungen „erforderlich“ sind, legt die Prüfungsordnung des bisherigen Studiengangs fest. An der FH Dortmund lässt sich ein endgültig nicht bestandenes Wahlpflichtmodul durch das Bestehen eines anderen Moduls kompensieren (§ 10 Abs. 5 RPO). Prüfe deshalb, ob Dein letzter Fehlversuch ein Pflicht- oder ein Wahlpflichtmodul betraf.
Studiengang, Abschlussgrad und Zulassung
FH-Studiengänge tragen oft andere Namen oder Abschlussgrade als das Uni-Fach, etwa B.A. statt B.Sc. in BWL. Die Wortlaute aus der Tabelle knüpfen an Studiengang, inhaltliche Nähe oder Prüfungsgegenstände an, der Abschlussgrad kommt als Kriterium nicht vor. Vergleiche deshalb das Modulhandbuch der FH mit dem Modul, an dem Du gescheitert bist, und frag, ob es dort Pflicht ist. Der Maßstab steht in Verwandter Studiengang: Was gilt als „gleich“?. Ob der FH-Studiengang zulassungsbeschränkt ist, entscheidet über die Bewerbung, nicht über die Sperre.
Bei der Anrechnung gilt: Der Wechsel setzt die Fehlversuche nicht automatisch zurück. In unserer Versuchsregeln-Datenbank mit 182 Hochschulen (Stand: Oktober 2026) rechnen 76 Fehlversuche von anderen Hochschulen ausdrücklich an. Bei den übrigen 106 ist die Anrechnung nicht geregelt, nur hochschulintern geregelt oder nicht belegt. Ob die FH dazugehört, steht in ihrer Prüfungsordnung. Für die 87 Fachhochschulen und Hochschulen für angewandte Wissenschaften der Datenbank sieht die Verteilung so aus: 44 rechnen externe Fehlversuche ausdrücklich an, 4 nicht, bei 39 ist es ungeregelt oder nicht belegt (Einträge von Juli bis Oktober 2026). Wer an eine FH wechselt, kann also nicht damit rechnen, dass die Zählung bei null beginnt. Der Wortlaut mehrerer Ordnungen steht in Studiengangwechsel: die Anrechnungsfallen.
Vor der Bewerbung bei einer FH lohnt sich diese Reihenfolge:
- Lies die Allgemeine oder Rahmenprüfungsordnung der FH und die Ordnung Deines Studiengangs. Suche nach „Fehlversuche“, „Anrechnung“ und „Anerkennung“.
- Vergleiche das Modulhandbuch mit dem Modul, an dem Du gescheitert bist.
- Bitte das Prüfungsamt um eine schriftliche Auskunft (eine Muster-Mail steht in Verwandter Studiengang).
- Beantrage die Unbedenklichkeitsbescheinigung, falls die FH sie verlangt – plane die Bearbeitungszeit der bisherigen Hochschule ein.
Sperre und Fehlversuche in FH-Ordnungen
Die Einzelheiten stehen in der Rahmenprüfungsordnung der FH. Vier Beispiele im Wortlaut der Ordnung:
| Hochschule | Fundstelle und Fassung | Regel |
|---|---|---|
| FH Dortmund | RPO § 21 Abs. 5 lit. b (Lesefassung, 5. Änderungsordnung vom 18.12.2024) | Die Zulassung ist zu versagen, wenn Du in Deutschland eine gleiche oder vergleichbare Prüfung im Studiengang endgültig nicht bestanden hast. Die Studiengangsordnung kann das auf Studiengänge mit erheblicher inhaltlicher Nähe erweitern; die liegt vor, wenn mindestens 60 % der Studieninhalte und der Prüfungsinhalte mit denen der FH Dortmund deckungsgleich sind |
| Hochschule Darmstadt | ABPO § 17 Abs. 3 und § 19 Abs. 1 (Änderung vom 02.07.2019) | Fehlversuche aus anerkannten Leistungsnachweisen werden übernommen; anerkannt wird auf Antrag, wenn kein wesentlicher Unterschied besteht |
| Hochschule Trier | APO § 14 Abs. 1 (Lesefassung, 2. Änderung vom 06.05.2026) | Nicht bestandene Prüfungen im gewählten Studiengang an einer anderen staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule zählen als Fehlversuche; für andere Studiengänge muss die Fachprüfungsordnung die Anrechnung regeln |
| TH Ulm | StuPO Bachelor § 13 Abs. 1 (Version 21.0, gültig ab 01.09.2024) | Fehlversuche gleichartiger Prüfungsleistungen in anderen Studiengängen der THU oder an anderen Hochschulen in der Bundesrepublik werden angerechnet |
Zur Versuchszahl: In der Datenbank haben 71 der 87 FH-Einträge drei Versuche je Modulprüfung, sechs zwei und einer vier (TH OWL). Bei neun hängt die Zahl vom Fachbereich oder Studiengang ab (Stand der Einträge: Juli bis Oktober 2026). Bachelorarbeit und Kolloquium dürfen an der FH Dortmund und der Hochschule Darmstadt nur einmal wiederholt werden. An der FH Dortmund gibt es auf Antrag zweimal im Studiengang einen vierten Versuch, den Du innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe des letzten Ergebnisses beantragst (§ 10 Abs. 3 und 4 RPO).
Bestandene Leistungen anerkennen lassen
Bestandene Module kannst Du an der FH anerkennen lassen. In Nordrhein-Westfalen gilt: Anerkennung auf Antrag, sofern kein wesentlicher Unterschied in den erworbenen Kompetenzen besteht. Die Beweislast dafür, dass die Voraussetzungen fehlen, trägt die Hochschule. Die Informationen über die Leistung musst Du selbst beibringen (§ 63a Abs. 1 und 2 HG NRW). Anhand der anerkannten Leistungspunkte kann Dich die FH in ein höheres Fachsemester einstufen (§ 63a Abs. 4), auf Antrag muss sie es sogar. Wird die Anerkennung versagt, kannst Du das Rektorat um Überprüfung bitten, außer bei Studiengängen mit staatlicher oder kirchlicher Prüfung (§ 63a Abs. 5). In anderen Ländern gelten eigene Anerkennungsnormen. Die Hochschule Darmstadt nutzt denselben Maßstab (§ 19 Abs. 1 ABPO).
Private Fachhochschulen
Staatlich anerkannte private Hochschulen unterliegen den Anerkennungsvorschriften des Landes (in Nordrhein-Westfalen Teil 9 HG NRW), ihre Prüfungsordnungen sind eigene Satzungen. Privat heißt nicht automatisch kulanter: In der Versuchsregeln-Datenbank haben AKAD, die EBS Universität, die Bucerius Law School und die Zeppelin Universität (Master) nur zwei Versuche (Stand der Einträge: Juli bis Oktober 2026). Die Übersicht steht in Private Hochschulen nach dem Drittversuch.
Angabepflicht
Auch an der FH gibst Du frühere endgültig nicht bestandene Prüfungen wahrheitsgemäß an. Die Hochschule kann dafür eine Unbedenklichkeitsbescheinigung der bisherigen Hochschule verlangen. Verschwiegene Fehlversuche können zur Rücknahme der Immatrikulation führen, bei arglistiger Täuschung ohne Jahresfrist (Fehlversuche verschweigen: die Folgen). Dein Exmatrikulationsbescheid hat eine eigene Rechtsbehelfsfrist, wie sie läuft, steht in Zwangsexmatrikulation nach Drittversuch.
Häufige Fragen
Hebt der Wechsel von der Uni an eine FH die Sperre auf?
Nein. Gesperrt ist der Studiengang, auch wenn Du an einer anderen Hochschulart studieren willst. Nordrhein-Westfalen erfasst jede Hochschule im Geltungsbereich des Grundgesetzes, Schleswig-Holstein nennt die Hochschulart ausdrücklich (§ 40 Abs. 1 Nr. 3 HSG SH).
Gilt dasselbe für den Wechsel von der FH an die Uni?
Dieselben Landesnormen gelten in beide Richtungen. Wo das Gesetz die Hochschulart nennt wie in Schleswig-Holstein, richtet sich die Wirkung nach dem Wortlaut der Norm und der Praxis der Zielhochschule.
Gelten an privaten Fachhochschulen andere Versuchsregeln?
Das hängt von der einzelnen Hochschule ab, eine Regel „privat ist leichter“ gibt es nicht. Von den privaten Hochschulen der Datenbank erlauben AKAD, EBS, Bucerius Law School und die Zeppelin Universität (Master) nur zwei Versuche (Stand: Juli bis Oktober 2026). Lies die Prüfungsordnung der Hochschule, bevor Du einen Vertrag unterschreibst.
Muss ich bei der FH angeben, dass ich endgültig nicht bestanden habe?
Beantworte jede Frage im Einschreibeformular wahrheitsgemäß. Die Hochschule kann eine Unbedenklichkeitsbescheinigung verlangen. Falsche Angaben können zur Rücknahme der Immatrikulation führen (§ 48 des Landes-Verwaltungsverfahrensgesetzes).
Werden meine bestandenen Leistungen an der FH anerkannt?
Auf Antrag und ohne wesentlichen Unterschied in den Kompetenzen, in Nordrhein-Westfalen mit Beweislast bei der Hochschule (§ 63a Abs. 1 und 2 HG NRW).
Werden meine Fehlversuche an der FH angerechnet?
Das regelt die Prüfungsordnung der FH, und die Lage ist uneinheitlich. Nach dem Stand von Oktober 2026 rechnen 76 der 182 Hochschulen in der Datenbank Fehlversuche von anderen Hochschulen ausdrücklich an; bei den übrigen 106 ist die Anrechnung nicht geregelt, nur hochschulintern geregelt oder nicht belegt.
Quellen
- HG NRW, Fassung vom 07.05.2025: § 50 Abs. 1 Nr. 2 Einschreibungshindernisse, § 51 Abs. 1 Nr. 3 Exmatrikulation, § 63a Anerkennung, Teil 9 staatlich anerkannte Hochschulen
- HSG Schleswig-Holstein, Rahmen: § 40 Abs. 1 Nr. 3, Versagung im jeweiligen Studiengang der jeweiligen Hochschulart
- HmbHG, Rahmen: §§ 41 und 44, Sperre über die Prüfungsgegenstände
- § 60 LHG Baden-Württemberg, Immatrikulationsversagung: Erstreckung auf verwandte Studiengänge durch Satzung der Hochschule
- § 48 VwVfG, Rücknahme eines rechtswidrigen Verwaltungsaktes: Rücknahme, Jahresfrist, Ausnahme bei arglistiger Täuschung
- Rahmenprüfungsordnung der FH Dortmund, Lesefassung 5. Änderungsordnung 18.12.2024: § 10 Wiederholung, § 21 Abs. 5 Zulassungsversagung
- ABPO der Hochschule Darmstadt, Änderung vom 02.07.2019: § 17 Abs. 3 Übernahme von Fehlversuchen, § 19 Abs. 1 Anerkennung
- APO der Hochschule Trier, Lesefassung 2. Änderung 06.05.2026: § 14 Abs. 1 Anrechnung nicht bestandener Prüfungen
- StuPO Bachelorstudiengänge der TH Ulm, Version 21.0: § 13 Abs. 1 Anrechnung von Fehlversuchen