Mythos: Schnell exmatrikulieren, bevor die Note kommt
Stand: 17. Oktober 2026
Eine geschriebene und abgegebene Prüfung wird bewertet, auch wenn Du Dich vorher exmatrikulierst. Die Exmatrikulation beendet das Prüfungsverfahren nicht, und das Ergebnis wird Dir als Bescheid bekannt gegeben. Die TU Ilmenau regelt es ausdrücklich: Das Prüfungsrechtsverhältnis endet mit Bestehen oder endgültigem Nichtbestehen, „nicht im Fall einer Exmatrikulation oder Beurlaubung“ (§ 17 Abs. 5 PStO-AB). Berlin lässt den Prüfungsanspruch nach der Exmatrikulation grundsätzlich bestehen (§ 30 Abs. 6 BerlHG). Eine Lücke im System ist die Idee deshalb nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Mit dem Antritt läuft das Prüfungsverfahren. Wer nach Beginn ohne triftigen Grund zurücktritt, bekommt in Köln und Paderborn eine 5,0 (§ 16 Abs. 2 Gemeinsame PO Köln, § 26 Abs. 2 Paderborn).
- Das Ergebnis wird Dir auch nach der Exmatrikulation bekannt gegeben. Ab Bekanntgabe läuft eine Frist von einem Monat (§ 70 Abs. 1 VwGO), in Berlin als Klagefrist.
- Wer gar nicht antritt, ist in einer anderen Lage. Dort gilt die Versäumnisklausel Deiner Ordnung, siehe Exmatrikulation vor dem Drittversuch.
Was die Prüfungsordnungen sagen
Drei Ordnungen zeigen, wie ein begonnenes Prüfungsverfahren geregelt ist.
| Ordnung | Rücktritt oder Abbruch nach Beginn | Bewertung und Bekanntgabe | Exmatrikulation |
|---|---|---|---|
| Universität zu Köln, Gemeinsame Prüfungsordnung Bachelor/Lehramt (Lesefassung, Änderungsstand 28.05.2026) | ohne triftigen Grund: „mangelhaft (5,0)“ oder „nicht bestanden“ (§ 16 Abs. 2 S. 1) | in der Regel binnen acht Wochen im Campus-Management-System (§ 19 Abs. 1 S. 1); Bescheid über endgültiges Nichtbestehen förmlich zugestellt oder elektronisch zugesandt (§ 19 Abs. 2) | in §§ 16 und 19 nicht geregelt |
| Universität Paderborn, Allgemeine Bestimmungen Master Lehramt HRSGe (31.05.2022) | ohne triftige Gründe: „mangelhaft“ (5,0) (§ 26 Abs. 2) | Bescheid über endgültiges Nichtbestehen schriftlich mit Rechtsbehelfsbelehrung (§ 27 Abs. 3) | in §§ 25 bis 27 nicht geregelt |
| TU Ilmenau, PStO-AB (in Kraft seit 01.10.2026) | abgebrochene Prüfung gilt als abgelegt und nicht bestanden, es sei denn, der Prüfungsausschuss erkennt den Grund an (§ 24 Abs. 1 S. 1) | Bewertung bis zwei Wochen nach Beginn des folgenden Semesters, Noten unverzüglich im Portal (§ 19 Abs. 2); nach Bekanntgabe kein Rücktritt mehr, außer bei unerkannter Prüfungsunfähigkeit (§ 24 Abs. 3) | Prüfungsrechtsverhältnis endet nicht (§ 17 Abs. 5 S. 6) |
Die Ordnungen kennen keinen Weg aus einer begonnenen Prüfung, der das Ergebnis löscht. Wer in der Prüfung abbricht, hat nicht bestanden, solange kein triftiger Grund anerkannt wird. Wer die Prüfung abgegeben hat, wartet auf die Bewertung. Und nach der Bekanntgabe ist der Rücktritt in Ilmenau ausgeschlossen. Eine Regel, nach der die Exmatrikulation zwischen Abgabe und Bekanntgabe die Bewertung aufhebt, enthalten die gelesenen Paragraphen nicht.
Warum die Exmatrikulation nichts ändert
Die Note und das endgültige Nichtbestehen sind Entscheidungen der Hochschule, die sie Dir als Verwaltungsakt bekannt gibt. Ein Verwaltungsakt ist demjenigen bekannt zu geben, für den er bestimmt ist (§ 41 Abs. 1 VwVfG, inhaltsgleich in den Verwaltungsverfahrensgesetzen der Länder), und wird mit der Bekanntgabe wirksam (§ 43 Abs. 1 VwVfG). Ob Du in diesem Moment eingeschrieben bist, steht dort nicht. Die Ordnungen knüpfen die Bewertung an die erbrachte Leistung.
Hinzu kommt das Landesrecht. In Berlin bleibt der Prüfungsanspruch grundsätzlich nach der Exmatrikulation bestehen (§ 30 Abs. 6 BerlHG). Ob das Prüfungsverfahren in Deinem Land ebenso weiterläuft, sagt die Prüfungsordnung Deiner Hochschule. Frag das Prüfungsamt schriftlich, bevor Du Dich exmatrikulierst.
Woran die Idee anknüpft
Zwei Regeln existieren tatsächlich, beide gelten aber vor der Prüfung. Die erste ist die Abmeldung: Köln lässt sie in der Regel bis zwei Wochen vor dem Termin ohne Angabe von Gründen zu (§ 16 Abs. 1 S. 2), Paderborn bis eine Woche (§ 26 Abs. 1), Ilmenau bis vier Tage (§ 17 Abs. 6 S. 1). Die zweite ist die Zulassungsvoraussetzung: In Baden-Württemberg wird nur zur Prüfung zugelassen, wer eingeschrieben ist und den Prüfungsanspruch nicht verloren hat (§ 32 Abs. 1 S. 2 LHG). Beide Regeln greifen vorher – ist die Prüfung geschrieben, helfen sie nicht mehr.
Was nach der Exmatrikulation mit dem Bescheid passiert
Der Bescheid erreicht Dich an der Adresse, die die Hochschule gespeichert hat. Köln stellt den Bescheid über das endgültige Nichtbestehen an die im Campus-Management-System hinterlegte Postadresse zu oder sendet ihn elektronisch (§ 19 Abs. 2). Halte die Adresse nach dem Umzug aktuell – die Frist läuft auch, wenn Du den Brief nicht liest.
Ein per Post versandter Bescheid gilt in den meisten Ländern am vierten Tag nach der Aufgabe zur Post als bekannt gegeben, in Hessen am dritten (§ 41 Abs. 2 S. 1 des jeweiligen Landes-Verwaltungsverfahrensgesetzes). Dies gilt nicht, wenn der Bescheid nicht oder später zugegangen ist; im Zweifel muss die Hochschule den Zugang beweisen (§ 41 Abs. 2 S. 3 VwVfG). Ein Bescheid, den Du im Portal abrufst, gilt mit Einwilligung am Tag nach dem Abruf als bekannt gegeben (§ 41 Abs. 2a VwVfG).
Beispiel: Die Hochschule gibt den Bescheid am Montag, 02.11.2026, zur Post. Er gilt am Freitag, 06.11.2026, als bekannt gegeben. Die Monatsfrist endet mit Ablauf des 06.12.2026, einem Sonntag, und verschiebt sich auf Montag, den 07.12.2026 (§ 188 Abs. 2 BGB, § 57 Abs. 2 VwGO i. V. m. § 222 Abs. 2 ZPO). In Hessen gälte der Bescheid am Donnerstag, 05.11.2026, als bekannt gegeben. Das Fristende, Samstag der 05.12.2026, verschiebt sich ebenfalls auf Montag, den 07.12.2026. Dein Datum berechnet der Fristenrechner.
Was Du gegen die Note tun kannst
Gegen den Bescheid legst Du in 14 Ländern Widerspruch ein. In Berlin gibt es keinen Widerspruch in Hochschulangelegenheiten (§ 42 Abs. 2 LOG Berlin), dort läuft ab Bekanntgabe die einmonatige Klagefrist (§ 74 Abs. 1 S. 2 VwGO). In Bayern kannst Du zwischen Widerspruch und Klage wählen (Art. 12 Abs. 1 S. 1 Nr. 6 AGVwGO). Was für Dich gilt, steht in der Rechtsbehelfsbelehrung und auf der Seite Deines Bundeslands. Die Schritte beschreibt die Anleitung zum Widerspruch. Vor der Begründung hilft die Akteneinsicht, die die Frist nicht hemmt.
Ob die Bewertung falsch war, ist eine andere Frage als der Zeitpunkt der Exmatrikulation. Bewertungsfehler und Verfahrensfehler erklären Bewertungsfehler und Antwortspielraum und Verfahrensfehler rügen. Wer die Prüfung aus Krankheit nicht fortführen konnte, findet die Regeln in Rücktritt von der Prüfung.
Abgrenzung zum Nichtantritt
Wer zum Termin gar nicht erscheint, hat eine andere Lage – dort gilt die Versäumnisklausel. Ohne triftigen Grund gilt die Prüfung in den oben gelesenen Ordnungen als nicht bestanden. Die Exmatrikulation davor ändert das nicht von selbst. Die Fälle behandelt Exmatrikulation vor dem Drittversuch, den größeren Zusammenhang die Weiche vor oder nach dem endgültigen Nichtbestehen.
Häufige Fragen
Kann ich mich exmatrikulieren, bevor die Note kommt?
Du kannst Dich exmatrikulieren – die Prüfung wird trotzdem bewertet. Bedenke die Folgen für BAföG und Krankenversicherung, die Nach der Exmatrikulation beschreibt.
Zählt eine geschriebene Prüfung trotz Exmatrikulation?
Ja. Die gelesenen Ordnungen behandeln sie als abgelegte Prüfung, die bewertet wird. In Ilmenau endet das Prüfungsrechtsverhältnis nicht durch Exmatrikulation (§ 17 Abs. 5 PStO-AB), in Berlin bleibt der Prüfungsanspruch grundsätzlich bestehen (§ 30 Abs. 6 BerlHG).
Was passiert mit dem Bescheid nach der Exmatrikulation?
Er wird Dir bekannt gegeben, an die gespeicherte Adresse oder im Portal. Ein per Post versandter Bescheid gilt in den meisten Ländern am vierten Tag nach der Aufgabe zur Post als bekannt gegeben, in Hessen am dritten. Ab dann läuft die Monatsfrist.
Kann ich das Ergebnis noch ändern?
Ja, wenn die Bewertung fehlerhaft ist. In 14 Ländern per Widerspruch, in Berlin per Klage, in Bayern nach Wahl (Art. 12 Abs. 1 S. 1 Nr. 6 AGVwGO), jeweils binnen eines Monats nach Bekanntgabe. Die Anleitung zum Widerspruch und die Seite Deines Bundeslands zeigen den Weg.
Was gilt, wenn ich die Prüfung abbreche?
Ohne triftigen Grund zählt der Abbruch als nicht bestanden. In Köln lautet die Note „mangelhaft (5,0)“ (§ 16 Abs. 2), in Ilmenau gilt die Prüfung als abgelegt und nicht bestanden, wenn der Prüfungsausschuss den Grund nicht anerkennt (§ 24 Abs. 1). Die Gründe musst Du unverzüglich anzeigen.
Quellen
- TU Ilmenau, Verkündungsblatt 281/2026, PStO-AB: § 17 Abs. 5 und 6, § 19 Abs. 2, § 24 Abs. 1 und 3 (Prüfungsrechtsverhältnis, Bekanntgabe, Rücktritt)
- Gemeinsame Prüfungsordnung Universität zu Köln, Bachelor/Lehramt (Lesefassung): § 16 (Abmeldung, Säumnis, Rücktritt), § 19 (Bekanntgabe, Zustellung)
- Allgemeine Bestimmungen Master Lehramt HRSGe, Universität Paderborn (Verkündungsblatt 131.22): § 26 Abs. 1 und 2, § 27 Abs. 3
- § 30 BerlHG, Prüfungen: Absatz 6, Prüfungsanspruch bleibt grundsätzlich nach der Exmatrikulation bestehen
- § 32 LHG Baden-Württemberg, Prüfungen: Absatz 1 Satz 2, Zulassung nur für Eingeschriebene
- § 41 VwVfG, Bekanntgabe des Verwaltungsaktes: Bekanntgabe an den Betroffenen, Vier-Tage-Fiktion, Abruf im Portal
- § 70 VwGO, Form und Frist des Widerspruchs: Widerspruchsfrist von einem Monat nach Bekanntgabe
- § 74 VwGO, Klagefrist: Klage ohne Vorverfahren binnen eines Monats nach Bekanntgabe
- § 42 LOG Berlin, Zulässigkeit des Widerspruchs: kein Widerspruch in Hochschulangelegenheiten
- Art. 12 AGVwGO Bayern, Widerspruchsverfahren: Wahlrecht bei personenbezogenen Prüfungsentscheidungen