Unbedenklichkeitsbescheinigung Studium: Wer stellt sie aus?
Stand: 18. Oktober 2026
Die Unbedenklichkeitsbescheinigung ist ein Nachweis Deiner bisherigen Hochschule darüber, ob Du im Studiengang eine erforderliche Prüfung endgültig nicht bestanden oder den Prüfungsanspruch verloren hast. Die Hochschule, an der Du Dich neu einschreiben willst, kann sie mit den Einschreibeunterlagen verlangen und entscheidet danach über die Einschreibung. Ausstellen und Entscheiden liegen also bei zwei Hochschulen. Ein Rechtsbehelf ist die Bescheinigung nicht, sie ist ein Beleg für die neue Bewerbung.
Wer was entscheidet
Die bisherige Hochschule bescheinigt Tatsachen. Das Muster der Universität des Saarlandes (Prüfungsamt Psychologie, Hochschulwechsel) sieht drei Aussagen zur Auswahl vor: Eine Prüfung oder Studienleistung wurde endgültig nicht bestanden. Oder es wurde keine erforderliche Prüfung endgültig nicht bestanden und der Prüfungsanspruch nicht verloren. Oder der Prüfungsanspruch im Fach ist wegen Überschreitung einer Frist verloren. Die FAU Erlangen-Nürnberg bittet außerdem um einen Vermerk, wenn ein endgültiges Nichtbestehen noch nicht ausgeschlossen ist, etwa weil eine erbrachte Leistung noch nicht bewertet wurde. Beide Formulare lässt die bisherige Hochschule mit Unterschrift und Stempel bestätigen.
Die Zielhochschule entscheidet dagegen über die Einschreibung. Dafür gilt das Hochschulgesetz ihres Landes. Es versagt die Einschreibung im gewählten Studiengang nach einem endgültigen Nichtbestehen, in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel zwingend (§ 50 Abs. 1 Nr. 2 HG NRW: „ist zu versagen“). Bei verwandten Studiengängen gibt es drei Modelle: Fünf Länder erstrecken die Sperre direkt im Gesetz, vier nur per Satzung oder Prüfungsordnung, sieben gar nicht (Tabelle in Prüfungsanspruch verloren). Was „verwandt“ bedeutet, steht in Verwandter Studiengang: Was gilt als „gleich“?.
Was auf den Formularen steht
Drei Muster zeigen, wie unterschiedlich die Aussage lauten kann:
| Hochschule | Bestätigte Aussage | Besonderheit |
|---|---|---|
| FAU Erlangen-Nürnberg | keine nach der Prüfungsordnung erforderliche Prüfung im Studiengang endgültig nicht bestanden | Vermerk, wenn eine erbrachte Leistung noch nicht bewertet ist; Ort, Datum, Unterschrift und Stempel |
| Universität des Saarlandes, Prüfungsamt Psychologie | drei Varianten zum Ankreuzen: endgültig nicht bestanden, nichts endgültig nicht bestanden und Prüfungsanspruch nicht verloren, Anspruch wegen Fristüberschreitung verloren | Die Bestätigung gilt „am Ende des“ eingetragenen Fachsemesters |
| Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Philologie | Prüfungsanspruch im Studiengang und Fach nicht endgültig verloren | Geburtsort wird eingetragen; Stempel und Unterschrift |
Gemeinsam ist allen: Name, Geburtsdatum, Studiengang und die Bestätigung des Prüfungsamts. Halte diese Angaben und Deine Matrikelnummer bereit, wenn Du die Bescheinigung beantragst. Die Aussage ist immer eine Tatsachenbestätigung: Das Prüfungsamt bewertet nicht, ob Du in den neuen Studiengang passt.
Wann sie verlangt wird
Das legt jede Hochschule selbst fest, in ihren Einschreibeunterlagen. Die FAU verlangt sie, wenn Du den Studiengang, für den Du Dich einschreibst, schon an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule in Deutschland studiert hast. Ihre Begründung: Die Einschreibung sei zu versagen, wenn Du in diesem oder einem verwandten Studiengang eine Prüfung endgültig nicht bestanden hast (Formular, abgerufen am 15.10.2026). Das Muster der Universität des Saarlandes ist ausdrücklich für den Hochschulwechsel gedacht. Eine vollständige Liste der Hochschulen, die das Dokument verlangen, gibt es nicht – ob Deine Zielhochschule dazugehört, siehst Du in ihren Einschreibeunterlagen oder erfährst Du beim Studierendensekretariat.
So bekommst Du sie
- Klär mit der Zielhochschule, ob sie die Bescheinigung verlangt und ob es ein eigenes Formular gibt.
- Beantrage sie bei der bisherigen Hochschule, beim Prüfungsamt oder im Studierendensekretariat. Nimm das Formular der Zielhochschule mit, falls es eines gibt.
- Plane Bearbeitungszeit ein. Eine feste Dauer gibt es nicht, frag bei der Beantragung nach.
- Reiche sie mit den Einschreibeunterlagen fristgerecht bei der Zielhochschule ein.
- Bei einer Ablehnung der Einschreibung bekommst Du einen Bescheid mit Rechtsbehelfsbelehrung. Sie nennt Deinen Weg: Widerspruch in 14 Ländern, Klage innerhalb eines Monats in Berlin, in Bayern beides zur Wahl (Näheres in der Anleitung zum Widerspruch).
Für Schritt 2 genügt ein kurzer Antrag:
Sehr geehrte Damen und Herren, ich beantrage eine Unbedenklichkeitsbescheinigung für meine Einschreibung an der [Zielhochschule] im Studiengang [Zielstudiengang]. Ich war von [Semester] bis [Semester] im Studiengang [bisheriger Studiengang] eingeschrieben (Matrikelnummer [Nummer]). Bitte bestätigen Sie auf dem beigefügten Formular, ob ich eine nach der Prüfungsordnung erforderliche Prüfung endgültig nicht bestanden oder den Prüfungsanspruch verloren habe. Ich benötige die Bescheinigung bis zum [Datum]. Mit freundlichen Grüßen
Was auf dem Formular steht, bestätigt die Hochschule – Du musst nichts erklären, was Du nicht weißt. In den Einschreibeunterlagen der Zielhochschule beantwortest Du jede Frage wahrheitsgemäß.
Medizin und Zahnmedizin
Für einen Wechsel zwischen Zahnmedizin und Humanmedizin enthalten ZApprO und ÄApprO keine Regel. Die Zielhochschule entscheidet im Zulassungsverfahren im Einzelfall, und die Bescheinigung ist dabei ein Nachweis in der Bewerbung. Die Grenze zieht das Bundesrecht: Eine weitere Wiederholung ist auch nach erneutem Medizinstudium nicht zulässig (§ 20 Abs. 1 ÄApprO), Einzelheiten stehen im Artikel zum Physikum und zur Zahnmedizin.
Was drinsteht, wenn Du endgültig nicht bestanden hast
Die bisherige Hochschule vermerkt es, die Muster sehen diese Aussage ausdrücklich vor. Ob Dich die Zielhochschule trotzdem einschreibt, hängt vom Studiengang ab: Im selben Studiengang wird die Einschreibung versagt, bei verwandten Studiengängen gilt das Modell des Ziellandes, bei einem fachlich anderen Studiengang greift die Sperre aus diesem Grund nicht.
Wenn eine Bewertung aussteht oder eine Frist verpasst ist
Hast Du eine Leistung erbracht, die noch nicht bewertet ist, lässt sich ein endgültiges Nichtbestehen nicht ausschließen. Das FAU-Formular sieht dafür einen Vermerk vor. Erkundige Dich beim Studierendensekretariat der Zielhochschule, wie sie mit einem solchen Vermerk umgeht, bevor die Einschreibefrist abläuft.
Auch ohne durchgefallene Prüfung kann der Prüfungsanspruch erlöschen, etwa wenn eine Frist für Studienleistungen verstrichen ist. Das Muster aus dem Saarland weist diese Variante gesondert aus. Prüfe deshalb im Studienverlauf, ob bei Dir Fristen für einzelne Leistungen offen sind, und lass Dir das im Prüfungsamt bestätigen.
Falschangaben
Wer eine Bescheinigung mit falschen Angaben erwirkt oder ein endgültiges Nichtbestehen bei der Einschreibung verschweigt, riskiert die Rücknahme der Immatrikulation. Rechtsgrundlage ist § 48 des Landes-Verwaltungsverfahrensgesetzes (in Bayern Art. 48 BayVwVfG). Bei arglistiger Täuschung gilt die Jahresfrist für die Rücknahme nicht (§ 48 Abs. 4 S. 2 VwVfG, inhaltsgleich im Landesrecht). Strafrechtlich kommt § 156 StGB in Betracht, wenn Du eine von der Hochschule verlangte Versicherung an Eides statt falsch abgibst. Einzelheiten in Fehlversuche verschweigen: die Folgen.
Häufige Fragen
Brauche ich für jeden Fachwechsel eine Unbedenklichkeitsbescheinigung?
Nein. Ob sie verlangt wird, bestimmt die Zielhochschule in ihren Einschreibeunterlagen. Welche Nachweise sie braucht, kannst Du vor der Bewerbung bei ihr erfragen.
Was steht auf einer Unbedenklichkeitsbescheinigung?
Name, Geburtsdatum und Studiengang, dazu die Bestätigung des Prüfungsamts, dass keine erforderliche Prüfung endgültig nicht bestanden wurde oder der Prüfungsanspruch nicht verloren ist. Unterschrift und Stempel der Hochschule gehören dazu (Muster der FAU Erlangen-Nürnberg und der Ruhr-Universität Bochum).
Wer stellt die Unbedenklichkeitsbescheinigung aus?
Deine bisherige Hochschule, in der Regel das Prüfungsamt des früheren Studiengangs. Die Hochschule, an der Du Dich neu einschreibst, entscheidet dagegen über die Einschreibung.
Bekomme ich die Bescheinigung auch, wenn ich endgültig nicht bestanden habe?
Du bekommst eine Bescheinigung, die das endgültige Nichtbestehen oder den Verlust des Prüfungsanspruchs ausweist. Ob die Zielhochschule Dich einschreibt, hängt vom Studiengang und vom Land ab (selber Studiengang: Versagung; verwandt: Modell des Ziellandes, siehe Verwandter Studiengang).
Was passiert, wenn ich Angaben verschweige?
Die Hochschule kann die Immatrikulation nach § 48 des Landes-Verwaltungsverfahrensgesetzes zurücknehmen, bei arglistiger Täuschung ohne Jahresfrist. Mehr dazu in Fehlversuche verschweigen: die Folgen.
Quellen
- Unbedenklichkeitsbescheinigung der FAU Erlangen-Nürnberg: Muster, Bestätigung durch die bisherige Hochschule, Begründung der Einschreibungsversagung, Vermerk bei offener Bewertung (abgerufen 15.10.2026)
- Bestätigung/Unbedenklichkeitsbescheinigung der Universität des Saarlandes, Prüfungsamt Psychologie: Muster für den Hochschulwechsel mit drei Aussagen (abgerufen 15.10.2026)
- Unbedenklichkeitsbescheinigung der Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Philologie: Muster mit der Aussage, dass der Prüfungsanspruch nicht endgültig verloren ist (abgerufen 17.10.2026)
- HG NRW, Fassung vom 07.05.2025: § 50 Abs. 1 Nr. 2, zwingende Versagung, Erstreckung nach Prüfungsordnung
- § 60 LHG Baden-Württemberg, Immatrikulationsversagung: Versagung im gleichen Studiengang, verwandte Studiengänge per Satzung
- § 48 VwVfG, Rücknahme eines rechtswidrigen Verwaltungsaktes: Rücknahme, Jahresfrist, Ausnahme bei arglistiger Täuschung
- § 20 ÄApprO, Wiederholung von Prüfungen: keine weitere Wiederholung nach erneutem Medizinstudium
- § 156 StGB, Falsche Versicherung an Eides Statt: Strafbarkeit der falschen Versicherung vor der zuständigen Behörde