Verwandter Studiengang: Was gilt als „gleich“?

Stand: 18. Oktober 2026

Ob Du nach dem endgültigen Nichtbestehen in ein ähnliches Fach wechseln kannst, entscheidet die Zielhochschule nach dem Hochschulgesetz ihres Landes. Fünf Länder erstrecken die Sperre direkt im Gesetz auf verwandte Studiengänge (Bremen, Hamburg, Hessen als Kann-Vorschrift, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen). Vier tun es nur, wenn die Hochschule es per Satzung oder Prüfungsordnung bestimmt (Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland). In den übrigen sieben Ländern sperrt das Gesetz nur den gewählten Studiengang. Die vollständige Tabelle steht in Prüfungsanspruch verloren.

Was „verwandt“ in den Ländern mit Erstreckung heißt

Das Gesetz legt den Maßstab fest, die Zielhochschule wendet ihn an. Neun Länder haben einen solchen Maßstab:

LandModellMaßstab im Gesetz
Baden-WürttembergSatzung (§ 60 Abs. 2 Nr. 2 LHG)Studiengänge mit „im Wesentlichen gleichem Inhalt“
Bremendirekt (§ 37 Abs. 1 Nr. 3 BremHG)„fachlich entsprechender“ Studiengang, mit Einschränkung durch den Staatsgerichtshof
Hamburgdirekt (§ 44 i. V. m. § 41 Abs. 1 Nr. 4 HmbHG)Prüfungsgegenstände auch im anderen Studiengang verbindlich, Wahlpflichtprüfungen ausgenommen
Hessendirekt, Kann-Vorschrift (§ 63 Abs. 2 Nr. 6 HessHG)gleicher oder inhaltlich vergleichbarer Studiengang; der Wortlaut nennt keinen Ort des Fehlversuchs
Mecklenburg-Vorpommerndirekt (§ 17 Abs. 5 Nr. 2 LHG M-V)gewählter „oder verwandter“ Studiengang
Nordrhein-WestfalenPrüfungsordnung (§ 50 Abs. 1 Nr. 2 HG NRW)„erhebliche inhaltliche Nähe“
Rheinland-PfalzPrüfungsordnung (§ 68 Abs. 1 Nr. 3 HochSchG)andere Studiengänge „entsprechend § 25 Abs. 3 Satz 5“, soweit die Prüfungsordnung es bestimmt
SaarlandPrüfungsordnung (§ 80 Abs. 1 Nr. 4 SHSG)vergleichbarer Studiengang, wenn die Prüfungsordnung es ausdrücklich bestimmt
Sachsendirekt (§ 19 Abs. 2 Nr. 6 SächsHSG)jede „für den Abschluss des gewählten Studienganges erforderliche Prüfung“

Nach dem Stand von Oktober 2026 sperrt das Gesetz in Bayern, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen nur den gewählten Studiengang. Auch dort können Hochschulordnungen weiter gehen: Die Immatrikulationsordnung der Hochschule Anhalt etwa erstreckt die Versagung auf Studiengänge, die der Prüfungsausschuss „in Bezug auf die Studieninhalte als identisch“ bewertet.

Ein einheitliches Kriterium gibt es nicht. Hamburg und Sachsen fragen nach der Prüfung, nicht nach dem Namen: Ein anders benannter Studiengang ist gesperrt, wenn die Prüfung, an der Du endgültig gescheitert bist, dort ebenfalls verbindlich ist. Diesen Maßstab – Prüfung statt Name – kannst Du auf Dein Modul übertragen. In den Satzungsländern entscheidet dagegen der Wortlaut der Ordnung an der Zielhochschule.

Wer entscheidet

Über die Einschreibung entscheidet die Zielhochschule, nicht die Hochschule, an der Du gescheitert bist. Die bisherige Hochschule bescheinigt nur, ob ein endgültiges Nichtbestehen vorliegt (siehe Unbedenklichkeitsbescheinigung). Lehnt die Zielhochschule ab, bekommst Du einen Bescheid, dessen Rechtsbehelfsbelehrung den Weg nennt. Das ist in 14 Ländern der Widerspruch, in Berlin die Klage innerhalb eines Monats und in Bayern wahlweise beides (Länderübersicht in der Anleitung zum Widerspruch).

Typische Konstellationen

Ob eine Kombination gesperrt ist, hängt an dem Modul, an dem Du gescheitert bist – die Fächergruppe allein sagt wenig. Hast Du etwa Statistik als Pflichtmodul endgültig nicht bestanden, kommt es darauf an, ob der Zielstudiengang genau diese Prüfung verlangt. Ist sie dort nur eine Wahlpflichtprüfung, spricht das in Hamburg ausdrücklich für Dich. In den übrigen Ländern gilt der Maßstab aus der Tabelle, ohne Erfolgsgarantie in die eine oder andere Richtung.

Für die beiden Länder, die an die Prüfung anknüpfen, hilft diese Lesehilfe. Sie ist keine Rechtsauskunft, die Zielhochschule entscheidet im Einzelfall:

Dein gescheitertes Modul im ZielstudiengangHamburg (§ 44 i. V. m. § 41 Abs. 1 Nr. 4 HmbHG)Sachsen (§ 19 Abs. 2 Nr. 6 SächsHSG)
ist PflichtPrüfungsgegenstände verbindlich: Sperre naheliegendPrüfung für den Abschluss erforderlich: Sperre naheliegend
ist dort nur WahlpflichtprüfungWahlpflichtprüfungen ausgenommen: spricht für DichOb die Prüfung „erforderlich“ ist, hängt vom Studiengang ab: vorab schriftlich klären
kommt nicht vorPrüfungsgegenstand nicht verbindlich: spricht für DichPrüfung dort nicht erforderlich: spricht für Dich

In den Satzungsländern gibt dieser Vergleich nur einen Hinweis. Dort kommt es zuerst darauf an, ob die Ordnung der Zielhochschule die Erstreckung überhaupt bestimmt, und dann auf die inhaltliche Nähe der Studiengänge, nicht nur eines Moduls.

In Forenberichten werden aus dem BWL-Studium häufig Wirtschaftsinformatik, VWL und Wirtschaftsingenieurwesen als Ausweichfächer genannt. Der Ausgang hing nach diesen Schilderungen von der Hochschule und dem Modulaufbau ab. Das sind Erfahrungsberichte, keine Regeln. Zur FernUni Hagen gibt es einen eigenen Artikel: FernUni Hagen nach der Zwangsexmatrikulation.

So klärst Du es vorab

  1. Vergleiche das Modulhandbuch des Zielstudiengangs mit dem gescheiterten Modul: Taucht es dort als Pflicht-, Wahlpflicht- oder gar nicht auf?
  2. Lies das Hochschulgesetz Deines Ziellandes (die Länderseiten führen die Normen auf) und die Immatrikulations- und Prüfungsordnung der Zielhochschule. Suche die Klausel zu „verwandten“ oder „vergleichbaren“ Studiengängen.
  3. Erkundige Dich vor der Bewerbung formlos beim Studierendensekretariat oder Prüfungsamt der Zielhochschule. Nenne Studiengang, Modul und das Datum des Bescheids.
  4. Bitte um eine schriftliche Auskunft. Die Zusage, einen bestimmten Verwaltungsakt zu erlassen, etwa Dich einzuschreiben, ist eine Zusicherung und nur schriftlich wirksam (§ 38 Abs. 1 VwVfG bzw. die inhaltsgleiche Vorschrift Deines Landes).
  5. Beantrage die Unbedenklichkeitsbescheinigung, falls die Zielhochschule sie verlangt. Die bisherige Hochschule braucht dafür Bearbeitungszeit.
  6. Prüfe die Versuchsregeln der Zielhochschule in der Versuchsregeln-Datenbank.
  7. Halte die Unterlagen bereit: Leistungsübersicht (Transcript of Records), die Prüfungsordnung des bisherigen Studiengangs und den Bescheid über das endgültige Nichtbestehen.
  8. Behalte die Bewerbungs- und Einschreibefristen der Zielhochschule im Blick und frag so früh an, dass die Antwort vor dem Fristende vorliegt.

Für Schritt 3 und 4 reicht eine kurze Mail, zum Beispiel:

Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte mich für den Studiengang [Zielstudiengang] zum [Semester] bewerben. Im Studiengang [bisheriger Studiengang] an der [bisherige Hochschule] habe ich das Modul [Modulname] endgültig nicht bestanden. Bitte teilen Sie mir schriftlich mit, ob das nach Ihrer Immatrikulations- und Prüfungsordnung einer Einschreibung entgegensteht und welche Unterlagen Sie von mir benötigen. Mit freundlichen Grüßen

Die Antwort ist eine Auskunft, noch keine Zulassung – aber sie zeigt, nach welchem Maßstab die Hochschule prüft.

Häufige Fragen

Gilt die Sperre auch für verwandte Studiengänge?

Das hängt vom Land der Zielhochschule ab. In Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen steht die Erstreckung im Gesetz, in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland nur, wenn Satzung oder Prüfungsordnung sie bestimmen. In den übrigen sieben Ländern sperrt das Gesetz nur den gewählten Studiengang.

Wer entscheidet, ob mein Wunschfach als „verwandt“ gilt?

Die Zielhochschule, bei der Einschreibung, nach dem Hochschulgesetz ihres Landes und ihrer eigenen Ordnung. Die Unbedenklichkeitsbescheinigung stellt die bisherige Hochschule aus. Sie entscheidet nicht darüber, ob Dein neuer Studiengang verwandt ist.

Wie ist das in meinem Bundesland?

Die Normen und der Maßstab je Land stehen in der Tabelle oben und auf den Bundesland-Seiten. Maßgeblich ist das Land der Hochschule, bei der Du Dich neu einschreibst, nicht das Land, in dem Du gescheitert bist.

Reicht ein anderer Studiengangsname?

Nein. In Hamburg und Sachsen zählt, ob die endgültig nicht bestandene Prüfung auch im neuen Studiengang erforderlich ist, in Nordrhein-Westfalen die „erhebliche inhaltliche Nähe“. Der Name allein sagt darüber nichts.

Kann ich mich in ein fachlich ganz anderes Fach einschreiben?

In der Regel ja. Das Gesetz sperrt den gewählten Studiengang, und nur in neun Ländern kann die Sperre auf verwandte Studiengänge reichen. Ein Studiengang ohne inhaltliche Nähe und ohne die gescheiterte Prüfung bleibt offen, die Angabepflicht gilt trotzdem.

Muss ich meinen Studienverlauf offenlegen?

Beantworte jede Frage im Bewerbungs- und Einschreibeformular wahrheitsgemäß. Ob die Hochschule nach früheren Studiengängen fragt, regelt ihre Immatrikulationsordnung. Falsche Angaben können zur Rücknahme der Immatrikulation führen, Einzelheiten stehen in Fehlversuche verschweigen: die Folgen.

Quellen

Dieses Portal informiert, ersetzt aber keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei einer laufenden Frist oder einer schwierigen Entscheidung hilft eine kurze Rücksprache mit dem AStA oder einem Anwalt für Prüfungsrecht mehr als jeder Artikel.