Unis ohne Drittversuch: TU München & Co.
Stand: 19. Juli 2026
“Gibt es Unis ohne Drittversuch?” ist eine der meistgestellten Fragen in Foren, wenn es um Wege nach dem Scheitern geht. Die Antwort ist differenzierter, als der Titel vermuten lässt: Es gibt Hochschulen mit einem grundlegend anderen System – aber dieses System hilft Dir vor allem bei der Wahl eines neuen Studienorts, nicht rückwirkend bei einem bereits endgültig nicht bestandenen Modul woanders.
Das Wichtigste in Kürze
- Die TU München verzichtet auf einen klassischen Drittversuch: Module sind grundsätzlich beliebig oft wiederholbar, solange eine Studienfortschrittskontrolle mit Credit-Hürden erfüllt wird.
- Grundlagen- und Orientierungsprüfungs-Module (GOP) sind Ausnahme: hier gelten 2 Versuche plus ein “Rettungsversuch” mit Note 4,0.
- Berlin kennt über § 30 Abs. 4 BerlHG einen gesetzlichen zusätzlichen (4.) Versuch nach Pflicht-Studienfachberatung.
- Diese Modelle sind vor allem für die Wahl einer neuen Hochschule vor einem Neustart relevant – sie retten kein bereits endgültig verlorenes Modul an einer anderen Uni.
- Einordnung: ✅ Funktioniert unter Bedingungen, aber nur als Zukunftsstrategie, nicht als rückwirkende Rettung.
Das TUM-Modell: Studienfortschrittskontrolle statt Drittversuch
Die TU München ist der am besten belegte Fall in der Recherche für ein Hochschulmodell ohne klassische Drittversuchs-Grenze. Statt eine feste Anzahl von Wiederholungen pro Modul vorzuschreiben, arbeitet die TUM mit einer Studienfortschrittskontrolle: Du musst innerhalb bestimmter Fristen eine Mindestzahl an ECTS-Punkten erreichen – zum Beispiel 30 ECTS bis zum Ende des 3. Fachsemesters. Solange Du diese Hürde nimmst, kannst Du einzelne nicht bestandene Module grundsätzlich beliebig oft wiederholen.
Die Ausnahme bilden die sogenannten GOP-Module (Grundlagen- und Orientierungsprüfung): Hier sind es 2 reguläre Versuche plus ein “Rettungsversuch”, bei dem als Ergebnis nur noch die Note 4,0 möglich ist – ein letzter Puffer, kein regulärer dritter Vollversuch.
Quellen: die Allgemeine Prüfungs- und Studienordnung (APSO) der TUM sowie, als konkretes Beispiel für den Studiengang Physik, die Prüfungsseite der Fakultät.
Berlin: der gesetzliche vierte Versuch
Für alle staatlichen Hochschulen in Berlin gilt § 30 Abs. 4 BerlHG: Er sieht einen gesetzlichen zusätzlichen (vierten) Prüfungsversuch vor, allerdings gebunden an eine vorherige Studienfachberatung. An der TU Berlin muss der Nachweis dieser Beratung binnen 3 Werktagen erbracht werden.
Dieser gesetzliche vierte Versuch ist ein wichtiger Unterschied zu vielen anderen Bundesländern und kann in einer akuten Situation – solange Du noch an einer Berliner Hochschule eingeschrieben bist – der entscheidende zusätzliche Anlauf sein.
Die mündliche Ergänzungsprüfung als verwandtes Werkzeug
Neben Hochschulen mit grundsätzlich anderem Versuchsmodell gibt es an einzelnen Hochschulen die Möglichkeit einer mündlichen Ergänzungsprüfung, umgangssprachlich auch “Jokerversuch” genannt – etwa an der RWTH Aachen (nach dem 3. Versuch, Ergebnis maximal Note 4,0, Antrag sofort nach Bekanntgabe des Ergebnisses) oder an der TU Darmstadt (§ 32 APB, einmalig pro Prüfungsordnung, Antrag binnen 4 Wochen), sowie an der Uni Kassel und der Jade Hochschule. Diese Möglichkeit ist allerdings an Deiner aktuellen Hochschule zu prüfen – sie gehört nicht zwingend zu den “Unis ohne Drittversuch”, sondern ist ein eigenständiges Instrument. Ausführlich beschrieben im Artikel Mündliche Ergänzungsprüfung.
Warum Credit-Hürden nicht automatisch “einfacher” bedeuten
Ein Missverständnis, das in Foren häufig mitschwingt: “Kein Drittversuch” werde oft mit “leichter zu bestehen” gleichgesetzt. Das ist nicht dasselbe. Bei der Studienfortschrittskontrolle der TUM verschiebt sich der Druck lediglich von der einzelnen Prüfung auf den Gesamtfortschritt: Wer zwar einzelne Module mehrfach wiederholen darf, aber die Credit-Hürde am Semesterende insgesamt nicht erreicht, kann trotzdem den Prüfungsanspruch verlieren – nur eben über einen anderen Mechanismus als über eine feste Drittversuchs-Grenze pro Modul. Für Deine Abwägung heißt das: Informiere Dich nicht nur über die Zahl der erlaubten Versuche pro Modul, sondern auch über die konkreten Fristen und Mindestpunktzahlen der Studienfortschrittskontrolle, bevor Du ein solches Modell als “sicherer” einstufst.
Für wen ist das relevant – und für wen nicht?
Das ist der wichtigste Punkt dieses Artikels: Modelle wie das der TUM helfen Dir bei der Wahl einer neuen Hochschule, wenn Du ohnehin vor einem Neustart stehst – etwa nach einem Uni-Wechsel vor dem Drittversuch (siehe Uni-Wechsel vor dem Drittversuch) oder wenn Du Dich nach einem endgültigen Nichtbestehen in einem ganz neuen, verwandten Studiengang bewirbst (siehe Verwandter Studiengang).
Was diese Modelle nicht können: ein bereits an einer anderen Hochschule endgültig nicht bestandenes Modul rückwirkend retten. Die Studienfortschrittskontrolle der TUM gilt für Module, die Du dort neu belegst – sie hat keinen Einfluss auf Prüfungsergebnisse, die anderswo bereits endgültig festgestellt wurden. Auch hier greift wieder die zentrale Zeitachse des gesamten Portals: Was jetzt noch geht, hängt davon ab, ob Du Deinen Prüfungsanspruch schon verloren hast. Der Grundsatzartikel Vor oder nach dem endgültigen Nichtbestehen ordnet das ausführlich ein.
Einordnung
✅ Funktioniert unter Bedingungen – als Strategie für die Wahl eines neuen Studienorts, nicht als rückwirkende Rettung. Wer sich bewusst für eine Hochschule mit Studienfortschrittskontrolle statt starrer Drittversuchs-Grenze entscheidet, reduziert das Risiko eines erneuten endgültigen Scheiterns – ersetzt damit aber keine solide Prüfungsvorbereitung.
Häufige Fragen
Kann ich mit dem TUM-Modell mein bereits verlorenes Modul an einer anderen Uni retten? Nein. Das Modell gilt nur für Module, die Du an der TUM selbst neu belegst.
Gibt es das TUM-Modell auch in anderen Fächern als Physik? Die Studienfortschrittskontrolle ist ein grundsätzliches Prinzip der TUM-Prüfungsordnung (APSO); die konkrete Ausgestaltung kann je nach Fakultät variieren – prüfe die Prüfungsordnung Deines Zielstudiengangs direkt.
Was bedeutet der “Rettungsversuch” bei GOP-Modulen konkret? Nach 2 nicht bestandenen Versuchen gibt es einen letzten, dritten Anlauf, bei dem als Bestehensergebnis nur die Note 4,0 möglich ist – ein Sicherheitsnetz, kein regulärer dritter Versuch mit freier Notenspanne.
Gilt der gesetzliche vierte Versuch in Berlin für alle Fächer? § 30 Abs. 4 BerlHG gilt für staatliche Hochschulen in Berlin, ist aber an eine vorherige Studienfachberatung gebunden – prüfe die genaue Anwendung bei Deiner Hochschule.
Sollte ich wegen solcher Modelle extra die Hochschule wechseln? Das kann eine sinnvolle Überlegung sein, wenn Du ohnehin vor einem Neustart stehst – als alleiniger Grund für einen Wechsel ist es aber eine sehr persönliche Abwägung.
Bedeutet “beliebig oft wiederholbar” bei der TUM, dass ich theoretisch unendlich lange studieren kann? Nicht ganz. Die Studienfortschrittskontrolle setzt Fristen für einen bestimmten Gesamtfortschritt (zum Beispiel eine ECTS-Mindestzahl bis zu einem bestimmten Fachsemester). Wird diese Hürde nicht erreicht, kann der Prüfungsanspruch trotzdem enden – auch ohne klassischen Drittversuch in einem einzelnen Modul.
Gibt es ähnliche Modelle auch an anderen Hochschulen außer der TUM? Ja. Inzwischen sind mehrere weitere Fristenmodelle verifiziert: Die LMU München, die Universität Würzburg und die Universität Augsburg verzichten ebenfalls auf eine klassische Drittversuchs-Zählung und arbeiten stattdessen mit Fristen (etwa einer ECTS-Mindestzahl bis zu einem bestimmten Fachsemester als Grundlagen- bzw. Orientierungsprüfung). Die Universität Bielefeld kennt außerhalb der Medizin sogar gar keine Versuchsgrenze – hier zählt die beste erzielte Note. Und die Universität Bremen verzichtet im Rahmen eines Fristenmodells über fünf Semester ausdrücklich auf eine Zählung der Versuche. Die vollständige, laufend gepflegte Übersicht findest Du im Versuchsregeln-Tool.
Hilft mir das TUM-Modell auch, wenn ich schon einmal an einer anderen Hochschule endgültig durchgefallen bin? Nur mittelbar: Es kann relevant werden, wenn Du nach einem endgültigen Nichtbestehen an anderer Stelle einen Neustart in einem verwandten Fach an der TUM prüfst. Ob das Fach dort überhaupt zugänglich ist, hängt aber zusätzlich von der Frage ab, ob es als “verwandt” im Sinne des jeweiligen Landeshochschulrechts gilt – dazu mehr im Artikel Verwandter Studiengang.
Nächste Schritte
- Lies den Grundsatzartikel Vor oder nach dem endgültigen Nichtbestehen für die gesamte Zeitachse.
- Informiere Dich über die mündliche Ergänzungsprüfung an anderen Hochschulen.
- Prüfe, ob ein Uni-Wechsel vor dem Drittversuch für Dich noch infrage kommt.
- Nutze den Wegweiser für eine Einschätzung Deiner Gesamtsituation.