Klausureinsicht und Akteneinsicht: Antrag, Muster, Frist

Stand: 17. Oktober 2026

Du hast Anspruch darauf, die Unterlagen zu Deiner Prüfung einzusehen: Klausur, Gutachten der Prüfer, Protokoll einer mündlichen Prüfung. Rechtsgrundlage ist § 29 des Verwaltungsverfahrensgesetzes Deines Landes (Bayern: Art. 29 BayVwVfG), ergänzt durch die Einsichtsregel Deiner Prüfungsordnung. Die Einsicht hemmt die Widerspruchsfrist nicht. Lege den Widerspruch also ein – bevor der Einsichtstermin stattfindet.

Rechtsgrundlage

Nach § 29 Abs. 1 VwVfG hat die Behörde den Beteiligten Einsicht in die Akten zu gestatten, soweit deren Kenntnis zur Geltendmachung oder Verteidigung ihrer rechtlichen Interessen erforderlich ist. Hochschulen vollziehen Landesrecht. Die Landesgesetze nehmen Prüfungsverfahren teilweise vom Anwendungsbereich aus; nach dem Muster in § 2 Abs. 3 Nr. 2 VwVfG gelten bei Prüfungen aber unter anderem die §§ 29 bis 38 weiter. Das ist für Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und das Saarland am Gesetzestext geprüft (Stand: Juli 2026). Bayern wendet das Gesetz auf Prüfungen an, „soweit nicht die Besonderheiten des Prüfungsverfahrens entgegenstehen“ (Art. 2 Abs. 3 Nr. 2 BayVwVfG); Art. 29 gilt damit grundsätzlich. In den übrigen Ländern liest Du die Vorschrift im Verwaltungsverfahrensgesetz Deines Landes nach oder fragst das Prüfungsamt.

Die Behörde darf die Einsicht nur in den Fällen des § 29 Abs. 2 VwVfG verweigern, etwa wenn die ordnungsgemäße Erfüllung ihrer Aufgaben beeinträchtigt würde. Die Einsicht erfolgt bei der Behörde, die die Akten führt (§ 29 Abs. 3 S. 1 VwVfG). Ob Du Kopien oder Fotos bekommst, regelt die Prüfungsordnung oder entscheidet das Prüfungsamt; frag vorab.

Was Du anfordern kannst

Nenne im Antrag die einzelnen Unterlagen, statt nur „Akteneinsicht“ zu beantragen:

  • Deine Klausur oder schriftliche Prüfungsleistung, im Original oder als Kopie
  • die Gutachten oder Korrekturbögen der Prüfer
  • das Protokoll, wenn die Prüfung mündlich war
  • Musterlösung oder Bewertungsraster, soweit vorhanden
  • Angaben zur Punkteverteilung und zur Bestehensgrenze

Geh die Unterlagen Frage für Frage durch – wo wurden Punkte abgezogen, und welche Begründung steht im Gutachten? Stimmt die Punktesumme mit der Note überein? Wurden alle Aufgabenteile bewertet? Solche Unstimmigkeiten liefern oft den ersten Ansatz für die Begründung.

Einsichtsfristen in Prüfungsordnungen

Wie lange Du Zeit hast, den Antrag zu stellen, regelt die Prüfungsordnung. Drei Beispiele:

HochschuleRegelFundstelle
CAU KielAkteneinsicht auf Antrag binnen eines Jahres nach Abschluss der Prüfung; Auszüge und Abschriften auf eigene Kosten, eigene Abschriften (etwa per Smartphone) kostenfrei§ 26 Prüfungsverfahrensordnung Bachelor/Master 2019, Lesefassung Stand 15.07.2026
FH DortmundEinsicht in Arbeit, Gutachten und Protokolle; der Antrag soll binnen eines Monats nach Aushändigung des Zeugnisses oder des Bescheids über die nicht bestandene Prüfung gestellt werden; Kopie der Prüfungsarbeit auf Antrag§ 13 Rahmenprüfungsordnung, Lesefassung der 5. Änderungsordnung vom 18.12.2024
Hochschule Darmstadtformloser Antrag beim Prüfer binnen eines Jahres nach Bekanntgabe der Noten; Vertretung durch eine schriftlich bevollmächtigte Vertrauensperson möglich; Einsicht unter Aufsicht§ 31 ABPO in der Fassung vom 02.07.2019

Diese Fristen gelten für den Antrag auf Einsicht, nicht für den Widerspruch. In Dortmund etwa kann die Einsichtsfrist mit der Widerspruchsfrist zusammenfallen. Für Deine Hochschule gilt, was in Deiner Prüfungsordnung steht.

Kopie nach der Datenschutz-Grundverordnung

Der Europäische Gerichtshof hat am 20. Dezember 2017 entschieden (Rechtssache C-434/16), dass die schriftlichen Antworten eines Prüflings in einer berufsbezogenen Prüfung und die Anmerkungen des Prüfers dazu personenbezogene Daten des Prüflings sind. Seit dem 25. Mai 2018 gilt die Datenschutz-Grundverordnung: Nach Art. 15 Abs. 3 DSGVO stellt der Verantwortliche eine Kopie der verarbeiteten personenbezogenen Daten zur Verfügung, nach Art. 12 Abs. 3 DSGVO spätestens innerhalb eines Monats nach Eingang des Antrags. Prüfungsfragen sind keine personenbezogenen Daten des Prüflings, und die Rechte anderer Personen bleiben geschützt (Art. 15 Abs. 4 DSGVO). Wie weit Landesrecht und Prüfungsordnung den Anspruch bei Prüfungsunterlagen einschränken, hängt von Deiner Hochschule ab. Die Widerspruchsfrist läuft auch bei einem solchen Antrag weiter.

Antragstext

Du kannst den Text kopieren und anpassen:

Betreff: Antrag auf Einsicht in die Prüfungsakte, [Name], Matrikelnummer [Nummer], Prüfung [Bezeichnung] vom [Datum]

Sehr geehrte Damen und Herren, ich beantrage Einsicht in die Prüfungsakte zu der oben genannten Prüfung: meine Klausur, die Gutachten der Prüfer einschließlich der Bewertungsbögen, das Bewertungsraster oder die Musterlösung sowie, soweit die Prüfung mündlich war, das Prüfungsprotokoll. Ich bitte um einen Terminvorschlag und um Mitteilung, ob ich Kopien oder Fotos anfertigen darf. Gegen den Bescheid vom [Datum] habe ich am [Datum] Widerspruch eingelegt; die Begründung reiche ich nach der Einsicht nach.

Willst Du zusätzlich Kopien nach der DSGVO verlangen, hängst Du einen Satz an: „Ich beantrage außerdem Auskunft und eine Kopie der mich betreffenden personenbezogenen Daten nach Art. 15 DSGVO, soweit sie diese Prüfung betreffen.“

Den Antrag kannst Du mit dem Widerspruch verbinden; ein Muster steht im Artikel zum Blanko-Widerspruch. Ein Bevollmächtigter kann die Akte einsehen oder sich Kopien schicken lassen; ob die Hochschule Kopien versendet, regelt sie selbst. Dokumentiere Datum und Inhalt der Einsicht für Deine Begründung.

Die Frist läuft weiter

Ein Antrag auf Akteneinsicht hemmt die Widerspruchsfrist nicht. Sie beträgt einen Monat ab Bekanntgabe des Bescheids (§ 70 Abs. 1 S. 1 VwGO), bei fehlender oder falscher Rechtsbehelfsbelehrung ein Jahr (§ 58 Abs. 2 VwGO). Liegt Dein Einsichtstermin erst in drei Wochen, legst Du den Widerspruch trotzdem rechtzeitig ein, notfalls ohne Begründung.

Ein Rechenbeispiel: Angenommen, der Bescheid wird am Montag, 5. Oktober 2026, als einfacher Brief zur Post gegeben. Er gilt dann am vierten Tag, Freitag, 9. Oktober, als bekannt gegeben (§ 41 Abs. 2 VwVfG; Hessen: dritter Tag). Die Monatsfrist endet am Montag, 9. November 2026. Bekommst Du den Einsichtstermin erst für den 12. November, ist die Frist da schon abgelaufen.

In Berlin gibt es keinen Widerspruch (§ 42 Abs. 2 LOG Berlin); dort läuft ab Bekanntgabe die einmonatige Klagefrist. In Bayern kannst Du zwischen Widerspruch und Klage wählen. Was für Dich gilt, steht in der Rechtsbehelfsbelehrung und auf der Seite Deines Bundeslands. Fristbeginn und Rechenbeispiel stehen im Artikel zum Blanko-Widerspruch, den Rest rechnet der Fristenrechner.

Wenn die Einsicht verweigert wird

Setz dem Prüfungsamt schriftlich eine Frist von etwa zwei Wochen und verweise auf § 29 VwVfG bzw. die Vorschrift Deines Landes sowie auf die Einsichtsregel Deiner Prüfungsordnung. Hilft das nicht, wende Dich an den AStA – das Verzeichnis führt die Beratungsangebote nach Hochschule auf. Halte die Verweigerung schriftlich fest und rüge sie in der Widerspruchsbegründung. Ein Anwalt kann helfen, wenn die Hochschule bei ihrer Haltung bleibt.

So nutzt Du den Einsichtstermin

  1. Nimm einen Ausweis mit und frag vorher, ob Du Notizen machen oder fotografieren darfst.
  2. Lies zuerst Aufgabenstellung und Bewertungsgrundlagen (Punkteschema, Bestehensgrenze), dann Deine Antworten und die Randbemerkungen.
  3. Rechne die Punktesumme nach und gleiche sie mit der Note ab. Notiere jede Abweichung mit Seite und Aufgabe.
  4. Markiere Punktabzüge, deren Grund Du nicht nachvollziehen kannst. Sie sind das Material für Deine Begründung.
  5. Sieht Deine Prüfungsordnung zwei Prüfer vor, müssen zwei Bewertungen in der Akte liegen.
  6. Schreib noch am selben Tag ein Gedächtnisprotokoll: Datum, anwesende Personen, vorgelegte Unterlagen, Auffälligkeiten.

Was Du mit der Einsicht anfängst

Findest Du Störungen während der Prüfung, eine falsch bemessene Zeit oder Anzeichen für Befangenheit, geht es um Verfahrensfehler, die Du unverzüglich rügen musst: Verfahrensfehler rügen. Wurde eine vertretbare Antwort als falsch gewertet oder fehlt die Begründung eines Punktabzugs, geht es um einen Bewertungsfehler: Bewertungsfehler und Antwortspielraum. Bei mündlichen Prüfungen ist das Protokoll oft die einzige schriftliche Aufzeichnung. Prüfe, ob die dort festgehaltenen Fragen und Antworten stimmen und ob die Bewertung darauf Bezug nimmt.

Häufige Fragen

Verlängert Akteneinsicht meine Widerspruchsfrist?

Nein. Die Frist von einem Monat (§ 70 Abs. 1 S. 1 VwGO) läuft unabhängig vom Einsichtstermin weiter. Lege den Widerspruch rechtzeitig ein, notfalls ohne Begründung.

Bis wann kann ich Einsicht beantragen?

Das regelt die Prüfungsordnung. In Kiel gilt ein Jahr nach Abschluss der Prüfung (§ 26 PVO), an der FH Dortmund soll der Antrag binnen eines Monats nach Aushändigung des Bescheids über die nicht bestandene Prüfung gestellt werden (§ 13 RPO).

Darf ich die Klausur fotografieren?

Das regelt die Prüfungsordnung. Die Uni Kiel erlaubt es ausdrücklich: Eigene Abschriften, etwa mit dem Smartphone, sind kostenfrei (§ 26 Abs. 2 PVO). Frag in anderen Fällen vorab im Prüfungsamt.

Kostet die Akteneinsicht etwas?

Das richtet sich nach Prüfungsordnung und Gebührenrecht Deines Landes. In Kiel kosten Auszüge und Abschriften des Prüfungsamts etwas, eigene Abschriften nichts. Frag vorab nach.

Kann ich Kopien meiner Klausur verlangen?

Ob die Prüfungsordnung Kopien vorsieht, steht dort (Kiel und Dortmund tun es). Zusätzlich kannst Du eine Kopie Deiner personenbezogenen Daten nach Art. 15 Abs. 3 DSGVO beantragen; die Hochschule muss innerhalb eines Monats antworten (Art. 12 Abs. 3 DSGVO).

Darf ich jemanden mitnehmen oder schicken?

Die Hochschule Darmstadt lässt eine schriftlich bevollmächtigte Vertrauensperson zu (§ 31 ABPO). Ein Bevollmächtigter kann die Akte auch einsehen. Frag im Prüfungsamt, was Deine Hochschule zulässt.

Quellen

Dieses Portal informiert, ersetzt aber keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei einer laufenden Frist oder einer schwierigen Entscheidung hilft eine kurze Rücksprache mit dem AStA oder einem Anwalt für Prüfungsrecht mehr als jeder Artikel.