FernUni Hagen nach der Zwangsexmatrikulation: Mythos und Wahrheit

Stand: 19. Juli 2026

In Foren kursiert die FernUni Hagen als eine Art Geheimtipp: zulassungsfrei, angeblich ohne Drittversuchs-Falle, der ideale Neustart nach der Zwangsexmatrikulation. Ein Teil davon stimmt – ein anderer Teil ist überzeichnet. Dieser Artikel trennt beides sauber.

Das Wichtigste in Kürze

  • Auch die FernUni Hagen hat Versuchsbegrenzungen: Rechtswissenschaft (LL.B.) 3 Versuche + Freiversuch bei Erstbelegung (faktisch bis zu 4 möglich); Wirtschaftswissenschaft 3 Versuche.
  • Der Mythos “FernUni Hagen kennt keine Drittversuch-Falle” stimmt so nicht – sie ist zulassungsfrei, aber nicht regellos.
  • Was wirklich hilft: der Freiversuch, das zulassungsfreie Akademiestudium als Auffangweg, und bei Wirtschaftswissenschaft eine Kompensationsregel.
  • Bei der Einschreibung wird ein Bescheid über bereits endgültig nicht bestandene Prüfungen verlangt (FAQ Frage 25); § 50 HG NRW gilt auch hier.
  • Einordnung: teils ✅ echte Vorteile, teils ❌ Mythos.

Der Mythos: “Keine Drittversuch-Falle”

Die Idee, dass die FernUni Hagen als zulassungsfreie Hochschule quasi ohne Versuchsbegrenzung funktioniert, ist in Foren verbreitet – zum Beispiel im Zusammenhang mit der Frage, wie ein Wechsel nach einer Zwangsexmatrikulation dort ablaufen könnte.

Die verifizierte Faktenlage zeigt aber: Die FernUni Hagen hat sehr wohl klar geregelte Versuchsbegrenzungen, nur eben mit ein paar Besonderheiten, die sie von klassischen Präsenzhochschulen unterscheiden.

Die tatsächliche Versuchsregelung

  • Rechtswissenschaft (LL.B.): 3 Versuche pro Modul, dazu ein Freiversuch bei Erstbelegung – dadurch sind faktisch bis zu 4 Versuche möglich. Das Propädeutikum kann beliebig oft wiederholt werden.
  • Wirtschaftswissenschaft: 3 Versuche pro Modul.

Quelle: FernUni Hagen, Fachbereich Rechtswissenschaft – Prüfungen

Damit ist klar: “Unbegrenzt” oder “keine Falle” trifft die Realität nicht. Wer diesen Mythos glaubt und unvorbereitet in die Module startet, kann auch an der FernUni Hagen endgültig nicht bestehen.

Was wirklich hilft

Trotz der Mythos-Korrektur gibt es reale, verifizierte Vorteile, die die FernUni Hagen für Betroffene interessant machen:

  1. Der Freiversuch. Bei Erstbelegung eines Moduls in Rechtswissenschaft zählt ein nicht bestandener erster Versuch unter bestimmten Bedingungen nicht als regulärer Fehlversuch – das verschafft faktisch einen zusätzlichen Anlauf.
  2. Das zulassungsfreie Akademiestudium als Auffangweg. Weil die FernUni Hagen zulassungsfrei ist, kann sie – anders als viele Präsenzhochschulen – auch für Studierende offenstehen, die anderswo bereits gescheitert sind, solange die eigenen Versuchsbegrenzungen noch nicht ausgeschöpft sind.
  3. Die WiWi-Kompensationsregel. Im wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang kann laut Recherche eine Kompensationsregel ein endgültig nicht bestandenes Modul unter bestimmten Voraussetzungen ausgleichen – Details dazu regelt die jeweils aktuelle Prüfungsordnung.

⚠️ Ein Hinweis zur Einordnung dieser Quellenlage: Ein Teil der Diskussion um die FernUni Hagen als Auffangweg stammt aus älteren Forenbeiträgen. Prüfe vor einer Bewerbung unbedingt die aktuell gültige Prüfungsordnung direkt bei der FernUni Hagen, da sich Regelungen ändern können.

Bescheid-Vorlagepflicht bei der Einschreibung

Auch an der FernUni Hagen ist die Angabepflicht kein Kann, sondern ein Muss: Bei der Einschreibung wird ein Bescheid über bereits endgültig nicht bestandene Prüfungen an anderen Hochschulen verlangt (dokumentiert in FAQ Frage 25).

Zusätzlich gilt auch für die FernUni Hagen § 50 HG NRW mit seiner grundsätzlichen Sperrwirkung für den gleichen Studiengang – mehr dazu im Artikel Verwandter Studiengang, der die Mechanik dieser Norm im Detail erklärt.

Warum die FernUni Hagen trotzdem anders funktioniert als eine Präsenzhochschule

Auch wenn die Versuchsbegrenzungen real sind, unterscheidet sich das Studienmodell der FernUni Hagen in mehreren Punkten von klassischen Präsenzhochschulen, was für Betroffene relevant sein kann:

  • Zulassungsfrei. Anders als viele grundständige Studiengänge an Präsenzhochschulen ist die Einschreibung an der FernUni Hagen in den meisten Studiengängen nicht an einen Numerus clausus gebunden. Das senkt die formale Hürde für einen Neustart, ändert aber nichts an den fachlichen Anforderungen und den geltenden Versuchsbegrenzungen.
  • Eigenes Lerntempo. Als Fernuniversität ermöglicht sie ein flexibleres Zeitmanagement, was für Studierende, die nach einem gescheiterten Anlauf zusätzlich arbeiten oder sich neu orientieren, praktisch relevant sein kann. Ein rechtlicher Vorteil im Sinne zusätzlicher Versuche ist das aber nicht.
  • Akademiestudium als echter Auffangweg. Das zulassungsfreie Akademiestudium der FernUni Hagen erlaubt es, einzelne Module ohne volle Immatrikulation in einen grundständigen Studiengang zu belegen – eine Möglichkeit, sich zu orientieren oder einzelne Leistungen nachzuweisen, ohne sofort wieder eine volle Versuchsbegrenzung auszulösen.

Praktisch: Was Du vor einer Bewerbung klären solltest

  1. Aktuelle Prüfungsordnung besorgen. Prüfungsordnungen ändern sich; verlass Dich nicht auf ältere Forenbeiträge, sondern lade Dir die für Dein Wunschfach aktuell gültige Fassung von der FernUni-Hagen-Website herunter.
  2. Bescheid über das bisherige endgültige Nichtbestehen bereithalten. Er wird bei der Einschreibung laut FAQ Frage 25 verlangt.
  3. Prüfen, ob Dein bisheriges Fach zum Fachbereich Rechtswissenschaft oder Wirtschaftswissenschaft überhaupt passt. Die verifizierten Versuchsregelungen in diesem Artikel gelten für diese beiden Fachbereiche – für andere Fachbereiche der FernUni Hagen liegt uns keine gesicherte Versuchsregelung vor.
  4. Kompensationsregel im Detail klären, falls Du im wirtschaftswissenschaftlichen Bereich neu startest – am besten direkt beim zuständigen Prüfungsamt.

Einordnung: teils Vorteil, teils Mythos

Behauptung aus ForenEinordnung
”FernUni Hagen kennt keine Drittversuch-Falle”❌ Mythos – auch dort gelten klare Versuchsbegrenzungen
”FernUni Hagen ist zulassungsfrei und damit leichter erreichbar”✅ Zutreffend – das erleichtert den Zugang, ersetzt aber keine Erfolgsgarantie
”Der Freiversuch verschafft realen Spielraum”✅ Zutreffend, verifiziert für Rechtswissenschaft
”Man kann Fehlversuche einfach verschweigen”❌ Falsch – Bescheid-Vorlagepflicht bei Einschreibung

Häufige Fragen

Ist die FernUni Hagen für jeden mit endgültigem Nichtbestehen offen? Nein. Sie ist zulassungsfrei, verlangt aber trotzdem die Offenlegung bereits endgültig nicht bestandener Prüfungen und wendet eigene Versuchsbegrenzungen an.

Was ist der Vorteil des Freiversuchs konkret? Bei Erstbelegung eines Moduls in Rechtswissenschaft zählt ein nicht bestandener erster Versuch unter bestimmten Bedingungen nicht als regulärer Fehlversuch, wodurch faktisch mehr Anläufe zur Verfügung stehen.

Gilt § 50 HG NRW auch für eine Fernuniversität? Ja, die FernUni Hagen unterliegt als nordrhein-westfälische Hochschule ebenfalls dem HG NRW.

Kann ich mit der WiWi-Kompensationsregel ein bereits endgültig nicht bestandenes Modul retten? Unter bestimmten Voraussetzungen kann sie ein Modul ausgleichen – die genauen Bedingungen regelt die aktuelle Prüfungsordnung, die Du vor einer Bewerbung prüfen solltest.

Muss ich meine Zwangsexmatrikulation von einer anderen Uni bei der FernUni Hagen angeben? Ja, laut FAQ Frage 25 wird bei der Einschreibung ein entsprechender Bescheid verlangt.

Kann ich mich an der FernUni Hagen einschreiben, während ich an einer anderen Hochschule noch im Widerspruchsverfahren stecke? Das ist eine organisatorische und rechtliche Detailfrage, die von den konkreten Umständen abhängt – etwa davon, ob Dein Prüfungsanspruch an der bisherigen Hochschule formal bereits als endgültig verloren gilt oder das Verfahren noch offen ist. Kläre das im Zweifel direkt mit dem Studierendensekretariat der FernUni Hagen.

Ist die FernUni Hagen für Fächer außerhalb von Rechts- und Wirtschaftswissenschaft genauso gut belegt? Nein, die in diesem Artikel genannten Versuchsregelungen beziehen sich konkret auf diese beiden Fachbereiche. Für andere Fachbereiche solltest Du die jeweils aktuelle Prüfungsordnung direkt einsehen, bevor Du planst.

Nächste Schritte

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