Drittversuch nicht bestanden: Deine 7 Optionen
Stand: 18. Oktober 2026
Nach dem Bescheid über den endgültig nicht bestandenen dritten Versuch bleiben Dir sieben Wege. Drei davon sind zeitkritisch: Widerspruch (in Berlin Klage), Härtefallantrag und mündliche Ergänzungsprüfung. Beim Widerspruch beträgt die Frist in der Regel einen Monat ab Bekanntgabe, bei den beiden Anträgen steht sie in der Prüfungsordnung. Die übrigen vier Wege kannst Du in Ruhe klären.
Die sieben Wege im Vergleich
| Weg | Frist | Passt, wenn … | Mehr |
|---|---|---|---|
| Widerspruch oder Klage | ein Monat ab Bekanntgabe (§ 70 Abs. 1 VwGO; Berlin: Klagefrist § 74 Abs. 1 VwGO) | Du Verfahrens- oder Bewertungsfehler erkennst | Widerspruch-Anleitung |
| Härtefallantrag | Frist der Prüfungsordnung, in den Beispielen der Datenbank zehn Tage bis drei Monate | besondere Umstände Deine Versuche beeinträchtigt haben | Härtefallantrag |
| Mündliche Ergänzungsprüfung | Antragsfrist der Prüfungsordnung, bei den Beispielen meist zwei bis vier Wochen | Deine Hochschule sie vorsieht | Ergänzungsprüfung |
| Verwandter Studiengang | keine feste Frist, Bewerbungsfristen beachten | die Sperre Dein Wunschfach nicht erfasst | Verwandter Studiengang |
| FH oder Privathochschule | Bewerbungsfristen der Hochschule | Du im Fach bleiben willst | Uni zu FH |
| Studium im Ausland | Bewerbungsfristen der Hochschule | das Fach dort studierbar ist | Studium im Ausland |
| Neuorientierung | keine | Du das Fach wechseln oder einen anderen Weg gehen willst | Anrechnungsfallen |
1. Widerspruch oder Klage
Prüfe zuerst, ob der Bescheid Fehler hat. Verfahrensfehler und Bewertungsfehler folgen unterschiedlichen Maßstäben, und beide musst Du innerhalb der Frist rügen. Den Widerspruch erhebst Du schriftlich, in der elektronischen Form des Verwaltungsverfahrensgesetzes oder zur Niederschrift bei der Behörde (§ 70 Abs. 1 S. 1 VwGO). Eine einfache E-Mail genügt in der Regel nicht, ein Anruf nie.
Gegen den Prüfungsbescheid legst Du in 14 Ländern Widerspruch ein. Berlin kennt in Hochschulangelegenheiten kein Widerspruchsverfahren (§ 42 Abs. 2 LOG Berlin), dort erhebst Du binnen eines Monats ab Bekanntgabe Klage (§ 74 Abs. 1 S. 2 VwGO). Bayern lässt Dir die Wahl zwischen Widerspruch und Klage (Art. 12 Abs. 1 S. 1 Nr. 6 AGVwGO). Welcher Weg für Dich gilt, nennt die Rechtsbehelfsbelehrung; die Seite Deines Bundeslands ordnet ihn ein. Ein Bescheid per Post gilt in den meisten Ländern am vierten Tag nach der Aufgabe zur Post als bekanntgegeben, in Hessen am dritten Tag (§ 41 Abs. 2 des jeweiligen Landes-Verwaltungsverfahrensgesetzes). Der Fristenrechner rechnet mit dem Wert Deines Landes, der Widerspruch-Generator erstellt den Text. Fehlt die Rechtsbehelfsbelehrung, hast Du ein Jahr (§ 58 Abs. 2 VwGO). Weist die Behörde den Widerspruch zurück, kannst Du binnen eines Monats nach Zustellung des Widerspruchsbescheids Klage erheben (§ 74 Abs. 1 S. 1 VwGO). Vor dem Verwaltungsgericht musst Du Dich nicht anwaltlich vertreten lassen (§ 67 Abs. 1 VwGO). Chancen und Kosten ordnet Prüfungsanfechtung: Chancen, Kosten, Ablauf ein.
2. Härtefallantrag
Manche Prüfungsordnungen erlauben auf Antrag einen weiteren Versuch. Meist ist das eine Ermessensentscheidung, in einzelnen Ordnungen besteht ein Anspruch. Die Universität Kiel gewährt auf Antrag für bis zu zwei Prüfungen im gesamten Studium einen dritten Wiederholungsversuch, der die klassische Härtefallregelung ersetzt (§ 11 Abs. 2 und 3 PVO, Stand: Juli 2026). Die Universität Osnabrück gibt Studierenden einmalig im Studiengang einen „Joker“ als Anspruch, der Antrag ist bis zum Ende des folgenden Semesters zu stellen (§ 14 Abs. 3 APO, Stand: Juli 2026). In Berlin ergibt sich ein Zusatzversuch direkt aus dem Gesetz – mehr in Der vierte Versuch in Berlin. Aufbau und Belege des Antrags erklärt der Artikel zum Härtefallantrag.
3. Mündliche Ergänzungsprüfung
Ein Teil der Hochschulen bietet nach dem letzten gescheiterten Versuch eine mündliche Ergänzungsprüfung an, bei Bestehen meist mit der Note 4,0. In unserer Versuchsregeln-Datenbank haben 49 von 182 Einträgen eine Angabe dazu (Stand: Oktober 2026). Die TU Darmstadt kennt sie nach § 32 APB einmal je Prüfungsordnung, mit Antrag binnen vier Wochen. An der Uni Kassel gilt sie nach § 18a der Allgemeinen Bestimmungen einmal je Studiengang. An der Hochschule Darmstadt ist sie nach der zweiten Wiederholung Pflicht (§ 17 Abs. 6 ABPO, Änderung vom 02.07.2019). Sie findet binnen acht Wochen nach Bekanntgabe des Klausurergebnisses statt, ihr Ergebnis kann nur die Note 4,0 oder „nicht bestanden“ sein. Erst wenn sie scheitert, ist das Modul endgültig nicht bestanden (§ 18 Abs. 1 ABPO). Wahlpflichtmodule dürfen dort beliebig oft wiederholt werden und können nicht zum endgültigen Nichtbestehen führen (§ 17 Abs. 7). Ob Dein Studiengang sie vorsieht, steht in der Prüfungsordnung.
4. Verwandter Studiengang
Ein Wechsel in ein benachbartes Fach ist möglich, wenn die Sperre es nicht erfasst. Ob die Sperre verwandte Studiengänge erfasst, hängt vom Land ab. Es gibt drei Regelungsarten: Das Gesetz erstreckt die Sperre selbst, die Erstreckung braucht eine Bestimmung der Prüfungsordnung, oder das Land sieht sie gar nicht vor (Tabelle in Prüfungsanspruch verloren). Entscheidend ist, ob das gescheiterte Modul im neuen Studiengang ebenfalls Pflicht wäre. Für die FernUni Hagen gelten eigene Regeln, siehe FernUni Hagen nach Zwangsexmatrikulation.
5. FH oder Privathochschule
Die FH hebt die Sperre nicht auf. Die meisten Hochschulgesetze knüpfen an den Studiengang, nicht an die Hochschulart; Schleswig-Holstein nennt die Hochschulart ausdrücklich (§ 40 Abs. 1 Nr. 3 HSG SH). Auch die Fehlversuche wandern je nach Prüfungsordnung mit. Die Datenbank erfasst 182 Hochschulen; 76 davon rechnen Fehlversuche von anderen Hochschulen ausdrücklich an. Bei den übrigen 106 ist die Anrechnung nicht geregelt, nur hochschulintern geregelt oder nicht belegt (Stand: Oktober 2026).
Private Hochschulen sind nicht automatisch kulanter. Die Euro-FH kennt drei Versuche, einen Freiversuch für Module der ersten sechs Monate und einen Härtefall-Viertversuch auf Antrag nach § 22 (Stand: Juli 2026). Bei der IU nennt die FAQ-Seite drei Versuche, die Prüfungsordnung ist nicht öffentlich; die der FOM liegt nur im geschützten Online-Campus (Stand: Juli 2026). Weiteres steht in Private Hochschulen nach dem Drittversuch.
6. Studium im Ausland
Ein vollständig abgeschlossenes Studium im EU-/EWR-Ausland mit einem nach der Richtlinie 2005/36/EG anzuerkennenden Abschluss ist von der Versagung der Approbation nach einer endgültig nicht bestandenen ärztlichen Prüfung ausgenommen (§ 3 Abs. 1 S. 8 BÄO; in der Zahnmedizin § 2 Abs. 1 S. 9 ZHG; ab 01.11.2026 stehen die Regeln in Satz 2 und 3 bzw. § 2 Abs. 1 S. 2 und 3 ZHG; Stand: Oktober 2026). Die Approbation musst Du bei der Landesbehörde beantragen. In der Pharmazie schließt § 15 Abs. 4 AAppO die Wiederholung auch nach erneutem Studium aus. Die Bundes-Apothekerordnung enthält ab 01.11.2026 in § 4 Abs. 2 eine eigene Versagungsklausel mit derselben Ausnahme für nach der Richtlinie 2005/36/EG anzuerkennende Ausbildungsnachweise. In anderen Fächern ist das Studium im Ausland möglich, der Berufszugang in Deutschland ist getrennt zu prüfen. Rechtslage und Praxis stehen in Approbation mit EU-Abschluss und Studium im Ausland trotz Nichtbestehen.
7. Neuorientierung
Ein anderes Fach, eine Ausbildung oder ein duales Studium führen nicht zurück in die Sperre – solange der neue Studiengang nicht als verwandt gilt. Vor der Bewerbung lohnt der Blick auf die Anrechnungsfallen beim Studiengangwechsel. Die Alternativen zum Studium beschreiben Ausbildung statt Studium und Duales Studium nach der Exmatrikulation. Für Bewerbungen brauchst Du meist eine Übersicht Deiner Leistungen. Die Hochschule Darmstadt stellt sie nach dem endgültigen Nichtbestehen auf Antrag aus, mit Modulen, Noten und Credits (§ 18 Abs. 2 ABPO); die TH Ulm bescheinigt sie gegen Vorlage der Exmatrikulationsbescheinigung (§ 12 Abs. 5 StuPO Bachelor). Was nach der Exmatrikulation mit BAföG und Krankenversicherung geschieht, steht in Nach der Exmatrikulation.
Die Reihenfolge
Fang mit den zeitkritischen Wegen an – eine versäumte Frist schließt sie endgültig. Sie schließen sich nicht aus: Ein Härtefallantrag läuft neben dem Widerspruch, hemmt aber dessen Frist nicht. Während ein Verfahren läuft, kannst Du Bewerbungen für die übrigen Wege vorbereiten. Hast Du Erfolg, ziehst Du sie zurück. Gegen einen Exmatrikulationsbescheid haben Widerspruch und Anfechtungsklage grundsätzlich aufschiebende Wirkung (§ 80 Abs. 1 VwGO), außer das Gesetz schließt sie aus oder die Hochschule ordnet den Sofortvollzug an (§ 80 Abs. 2 S. 1 Nr. 3 und 4). Der Widerspruch gegen die Note allein verschafft Dir dagegen kein Recht, weiterzustudieren. Den Ablauf beschreibt Zwangsexmatrikulation nach Drittversuch. Wie viel Zeit Dir bleibt, zeigt der Fristenrechner, eine Auswahl für Deine Lage bietet der Wegweiser, den Überblick nach Zeitpunkt Was jetzt?.
Häufige Fragen
Kann ich mehrere Wege gleichzeitig gehen?
Ja. Ein Widerspruch schließt einen Härtefallantrag oder eine Bewerbung an einer anderen Hochschule nicht aus. Beachte nur, dass jede Frist ab ihrem eigenen Beginn läuft.
Wie schnell muss ich handeln?
Beim Widerspruch in der Regel binnen eines Monats nach Bekanntgabe (§ 70 Abs. 1 VwGO). Härtefallanträge und mündliche Ergänzungsprüfungen haben Fristen von wenigen Tagen bis zu drei Monaten, je nach Prüfungsordnung.
Welcher Weg hat die besten Erfolgsaussichten?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Es hängt von Fach, Hochschule und den Fehlern im Bescheid oder den Umständen Deiner Versuche ab. Die Prüfungsordnung zeigt, welche Wege Deine Hochschule überhaupt vorsieht.
Was, wenn keiner der sieben Wege passt?
Dann bleiben ein anderes Fach, eine Ausbildung oder ein duales Studium. Sie unterliegen keiner Sperre, solange der Studiengang nicht als verwandt gilt.
Quellen
- § 70 VwGO, Form und Frist des Widerspruchs: Widerspruch binnen eines Monats, Form schriftlich, elektronisch oder zur Niederschrift
- § 41 VwVfG, Bekanntgabe des Verwaltungsaktes: Bekanntgabe am vierten Tag nach Aufgabe zur Post
- § 42 LOG Berlin: kein Widerspruch in Hochschulangelegenheiten
- Universität Kiel, Prüfungsverfahrensordnung Bachelor und Master 2019: § 11 Abs. 2 bis 4, dritter Wiederholungsversuch auf Antrag für bis zu zwei Prüfungen
- Universität Osnabrück, Allgemeine Prüfungsordnung Bachelor und Master: § 14 Abs. 3, einmalige Wiederholung („Joker“) auf Antrag
- § 3 BÄO, Approbation als Arzt: Versagung bei endgültig nicht bestandener ärztlicher Prüfung und Ausnahme für Ausbildungsnachweise nach der Richtlinie 2005/36/EG
- § 2 ZHG, Approbation als Zahnarzt: entsprechende Versagung und Ausnahme in der Zahnmedizin
- § 15 AAppO, Bestehen und Wiederholung von Prüfungen: zwei Wiederholungen je Fach, keine Wiederholung nach erneutem Studium
- BGBl. 2026 I Nr. 225, Gesetz zur Beschleunigung der Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsqualifikationen in Heilberufen: Neufassung von § 3 BÄO, § 2 ZHG und § 4 BApO ab 01.11.2026, Versagungsklausel für Pharmazie
- § 74 VwGO, Klagefrist: Klage binnen eines Monats nach Zustellung des Widerspruchsbescheids
- § 67 VwGO, Prozessvertretung: kein Anwaltszwang vor dem Verwaltungsgericht
- § 80 VwGO, Aufschiebende Wirkung: aufschiebende Wirkung von Widerspruch und Anfechtungsklage, Ausnahmen
- ABPO der Hochschule Darmstadt, Änderung vom 02.07.2019: § 17 Abs. 6 und 7 mündliche Ergänzungsprüfung, § 18 endgültiges Nichtbestehen und Bescheinigung
- StuPO Bachelorstudiengänge der TH Ulm, Version 21.0: § 12 Abs. 5 Bescheinigung über die erbrachten Leistungen