Was „endgültig nicht bestanden“ rechtlich bedeutet

Stand: 18. Oktober 2026

Mit dem endgültigen Nichtbestehen erlischt Dein Prüfungsanspruch: Du darfst die Prüfung in diesem Studiengang nicht mehr ablegen, die Hochschule exmatrikuliert Dich in der Regel (Beispiel § 51 Abs. 1 Nr. 3 HG NRW, Ablauf in Zwangsexmatrikulation nach Drittversuch), und eine neue Einschreibung in denselben Studiengang wird versagt. Ob die Sperre auch verwandte Studiengänge erfasst, bestimmt das Hochschulgesetz des Landes, in dem Du Dich neu einschreiben willst. Es gibt drei Modelle, die Tabelle weiter unten zeigt sie für alle 16 Länder.

Das Wichtigste in Kürze

  • Verwandte Studiengänge: Fünf Länder erstrecken die Sperre direkt im Gesetz (Bremen, Hamburg, Hessen als Kann-Vorschrift, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen), vier nur per Satzung oder Prüfungsordnung (Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland), sieben gar nicht.
  • Ausdrücklich bundesweit formulieren Berlin, Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz; in der hessischen Kann-Vorschrift nennt der Wortlaut keinen Ort des Fehlversuchs.
  • Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie: Bundesrecht, höchstens zwei Wiederholungen, keine weitere nach erneutem Studium. Jura ist Landesrecht (JAG/JAPO der Länder).
  • Falsche Angaben bei der Einschreibung können die Rücknahme der Immatrikulation auslösen (§ 48 des Landes-Verwaltungsverfahrensgesetzes).

Was der Prüfungsanspruch ist

Der Prüfungsanspruch ist Dein Recht, eine Prüfung abzulegen und zu wiederholen. Wie oft Du es hast, regelt meist die Prüfungsordnung Deiner Hochschule, nicht das Gesetz. Eine Ausnahme ist Hamburg: § 65 Abs. 1 HmbHG nennt die Zahl der Wiederholungen selbst, nämlich zwei bei Zwischen- und Abschlussprüfungen. Ist die letzte Wiederholung gescheitert, ist der Anspruch für das Modul verbraucht – bei einem Pflichtmodul heißt das: Ende im Studiengang. Den Verlust des Prüfungsanspruchs regelt in Baden-Württemberg § 32 Abs. 5 S. 3 LHG.

Wie weit reicht die Sperre?

Es zählt das Hochschulgesetz des Landes, in dem Du Dich neu einschreibst, nicht das Land der Hochschule, an der Du gescheitert bist. Ein Beispiel für das Modell „nur per Prüfungsordnung“ ist Nordrhein-Westfalen. Dort regelt § 50 Abs. 1 Nr. 2 HG NRW, dass die Einschreibung zu versagen ist, wenn im gewählten Studiengang an einer Hochschule im Geltungsbereich des Grundgesetzes eine nach der Prüfungsordnung erforderliche Prüfung endgültig nicht bestanden wurde. Für Studiengänge mit „erheblicher inhaltlicher Nähe“ gilt das nur, „soweit dies in Prüfungsordnungen bestimmt ist“. Ob die Sperre Dein Wunschfach erfasst, steht dort also in der Prüfungsordnung der Zielhochschule. Baden-Württemberg arbeitet nach demselben Muster, Bremen und Sachsen regeln die Erstreckung im Gesetz selbst, Bayern und Berlin kennen sie nicht.

LandNormErstreckung auf verwandte StudiengängeWortlaut und Besonderheit
Baden-Württemberg§ 60 Abs. 2 Nr. 2 LHGnur per Satzung der HochschuleMaßstab „im Wesentlichen gleicher Inhalt“
BayernArt. 91 Nr. 2 BayHIGkeineWechsel in einen anderen Studiengang ist ausdrücklich ausgenommen
Berlin§ 14 Abs. 3 Nr. 2 BerlHGkeinebundesweit; Prüfungsanspruch bleibt grundsätzlich nach der Exmatrikulation bestehen (§ 30 Abs. 6)
Brandenburg§ 15 Abs. 3 S. 1 Nr. 2 BbgHGkeinebundesweit („Hochschule der Bundesrepublik Deutschland“), auch bei bloßem Verlust des Prüfungsanspruchs
Bremen§ 37 Abs. 1 Nr. 3 BremHGdirekt im Gesetzbundesweit („Geltungsbereich des Grundgesetzes“), „fachlich entsprechender“ Studiengang; vom Staatsgerichtshof eingeschränkt (siehe unten)
Hamburg§ 44 i. V. m. § 41 Abs. 1 Nr. 4 HmbHGdirekt im Gesetzgesperrt, wenn die Prüfungsgegenstände im anderen Studiengang ebenfalls verbindlich sind (Wahlpflichtprüfungen ausgenommen)
Hessen§ 63 Abs. 2 Nr. 6 HessHGdirekt, als Kann-VorschriftKann-Vorschrift; der Wortlaut nennt keinen Ort des Fehlversuchs
Mecklenburg-Vorpommern§ 17 Abs. 5 Nr. 2 LHG M-Vdirekt im Gesetz, zwingendbundesweit; gewählter „oder verwandter“ Studiengang
Niedersachsen§ 19 Abs. 5 S. 2 NHGkeinenur der gewählte Studiengang
Nordrhein-Westfalen§ 50 Abs. 1 Nr. 2 HG NRWnur per Prüfungsordnung„Geltungsbereich des Grundgesetzes“; Maßstab „erhebliche inhaltliche Nähe“
Rheinland-Pfalz§ 68 Abs. 1 Nr. 3 HochSchGnur per Prüfungsordnungbundesweit („Bundesrepublik Deutschland“); andere Studiengänge „entsprechend § 25 Abs. 3 Satz 5“
Saarland§ 80 Abs. 1 Nr. 4 SHSGnur per Prüfungsordnungvergleichbarer Studiengang nur, wenn die Prüfungsordnung es bestimmt
Sachsen§ 19 Abs. 2 Nr. 6 SächsHSGdirekt im Gesetzknüpft an die Prüfung an, nicht an den Namen des Studiengangs; Nr. 7: vier Fachsemester ohne Prüfungsleistung
Sachsen-Anhalt§ 29 Abs. 2 Nr. 4 HSG LSAkeineHochschulordnungen können erweitern (Beispiel Hochschule Anhalt)
Schleswig-Holstein§ 40 Abs. 1 Nr. 3 HSG SHkeinenur im jeweiligen Studiengang der jeweiligen Hochschulart
Thüringen§ 73 Abs. 1 Nr. 3 ThürHGkeinenur der gewählte Studiengang

Stand der Tabelle: Oktober 2026. Ein Gesetz kann sich ändern, maßgeblich ist der aktuelle Text auf der Landesseite.

Beim Bremer Gesetz hat der Staatsgerichtshof am 28.04.2022 eine verfassungsrechtliche Einschränkung angeordnet (so die amtliche Anmerkung zur Vorschrift im Transparenzportal): Nr. 3 ist mit Art. 8 Abs. 2 der Landesverfassung unvereinbar, soweit die Immatrikulation „unabhängig von den belegten Fächern“ versagt werden kann. Betroffen sind vor allem Mehrfächer-Studiengänge wie das Lehramt.

In Brandenburg endet das Studium nach einer endgültig nicht bestandenen Prüfung mit der Exmatrikulation, es sei denn, Du weist binnen zwei Monaten nach, dass Du die Immatrikulation für ein weiteres Studienziel brauchst (§ 15 Abs. 5 S. 2 Nr. 1 BbgHG). In Berlin bleibt der Prüfungsanspruch grundsätzlich nach der Exmatrikulation bestehen, dazu kommt der gesetzliche Zusatzversuch aus Der vierte Versuch in Berlin. Auch in Ländern ohne gesetzliche Erstreckung können Hochschulen eigene Ordnungen haben – die Prüfungsordnung der Zielhochschule gehört deshalb immer dazu, im Zweifel mit der Versuchsregeln-Datenbank und der Länderübersicht.

Wie Du die Frage für Dein Wunschfach klärst, steht in Verwandter Studiengang: Was gilt als „gleich“?. Lehnt die Hochschule Deine Einschreibung ab, ist das ein Verwaltungsakt mit Rechtsbehelfsbelehrung. Welcher Rechtsbehelf offensteht, legt das Landesrecht fest: Widerspruch in 14 Ländern, nur die Klage mit einmonatiger Frist ab Bekanntgabe in Berlin, beides zur Wahl in Bayern (Länderübersicht in der Anleitung zum Widerspruch).

So prüfst Du, was für Dich gilt

  1. Lege die Zielhochschule und den genauen Studiengang fest. Das Land dieser Hochschule bestimmt das Modell, nicht das Land, in dem Du gescheitert bist.
  2. Schau in der Tabelle nach, ob das Land die Sperre direkt im Gesetz erstreckt, nur per Satzung oder gar nicht.
  3. In Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland lies die Prüfungsordnung der Zielhochschule. Nur wenn sie die Erstreckung ausdrücklich bestimmt, greift sie.
  4. In Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen entscheidet der Maßstab im Gesetz selbst: ein „fachlich entsprechender“ oder „verwandter“ Studiengang, in Hamburg und Sachsen die Frage, ob dieselbe Prüfung auch im neuen Studiengang erforderlich ist. Hessen kann die Sperre als Kann-Vorschrift anordnen; einen Ort des Fehlversuchs nennt die Norm nicht.
  5. In den übrigen Ländern trifft die Sperre nach dem Gesetz nur den gewählten Studiengang. Lies trotzdem die Immatrikulationsordnung der Zielhochschule, denn Hochschulen können weiter gehen (Beispiel Hochschule Anhalt in Sachsen-Anhalt).
  6. Lass Dir die Auskunft schriftlich geben und hebe sie auf.

Ein Muster für die Anfrage an das Studierendensekretariat: „Sehr geehrte Damen und Herren, ich interessiere mich für den Studiengang [Name] zum [Semester]. Bitte teilen Sie mir mit, ob die Prüfungsordnung oder die Immatrikulationsordnung der [Hochschule] die Einschreibung ausschließt, wenn in einem anderen Studiengang eine Prüfung endgültig nicht bestanden wurde, und nach welchem Maßstab ein Studiengang als verwandt gilt. Bitte nennen Sie mir die Fundstelle der Regelung. Mit freundlichen Grüßen, [Name]“. Bei der Einschreibung selbst beantwortest Du die Fragen nach früheren Studiengängen wahrheitsgemäß, die Folgen anderer Angaben stehen im nächsten Abschnitt.

Unbedenklichkeitsbescheinigung und falsche Angaben

Manche Hochschulen verlangen bei der Einschreibung eine Unbedenklichkeitsbescheinigung. Sie stellt die bisherige Hochschule aus, über die Einschreibung entscheidet die Zielhochschule. Ablauf und Muster stehen in Die Unbedenklichkeitsbescheinigung. Wer ein endgültiges Nichtbestehen verschweigt, riskiert die Rücknahme der Immatrikulation nach dem Landes-Verwaltungsverfahrensgesetz (in Bayern Art. 48 BayVwVfG). Bei arglistiger Täuschung gilt dafür keine Jahresfrist; Einzelheiten in Fehlversuche verschweigen: die Folgen.

Hochschulprüfung und Staatsexamen

Eine Modulprüfung oder Abschlussarbeit richtet sich nach Landeshochschulgesetz und Prüfungsordnung der Hochschule. Staatsexamina haben eigene Ordnungen. Die Landesprüfungsämter sind Landesbehörden, der Rechtsbehelf gegen ihre Bescheide richtet sich deshalb nach Landesrecht.

PrüfungNormRegel
Medizin§ 20 Abs. 1 ÄApprOTeile des Ersten Abschnitts sowie Zweiter und Dritter Abschnitt jeweils zweimal wiederholbar; weitere Wiederholung „auch nach erneutem Medizinstudium“ nicht zulässig
Zahnmedizin§§ 38, 54, 78 ZApprOje Fach oder Fächergruppe zwei Wiederholungen; endgültig nicht bestandener Abschnitt auch nach erneutem Studium der Zahnmedizin nicht wiederholbar
Pharmazie§ 15 Abs. 3 und 4 AAppOje Fach zwei Wiederholungen; endgültig nicht bestandener Abschnitt bedeutet Pharmazeutische Prüfung insgesamt endgültig nicht bestanden, auch nach erneutem Studium
Jura (Beispiel Bayern)§ 36 Abs. 1 und 5 BayJAPOErste Juristische Staatsprüfung einmal wiederholbar; wer in einem anderen Land einmal durchgefallen ist, wird in Bayern nur bei unzumutbarer Härte und mit Zustimmung der dortigen Prüfungsbehörde zugelassen

Bei Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie gilt Bundesrecht, und die Sperre hängt am Studienfach – ein Wechsel des Studienorts hilft deshalb nicht. Für Jura haben die übrigen Länder eigene JAG und JAPO, die Du einzeln nachlesen musst; Einzelheiten in Jura-Examen im anderen Bundesland wiederholen?. Die Fachartikel erklären die Regeln im Detail, etwa für das Physikum, die Zahnmedizin und die Pharmazie.

Wann die Entscheidung fällt

Die Sperre trifft Dich erst nach dem endgültigen Nichtbestehen. Vorher kannst Du noch wechseln, ohne dass sie greift. Welche Folgen das für die Fehlversuche hat, erklärt Vor oder nach dem endgültigen Nichtbestehen.

Was mit bereits erbrachten Leistungen passiert

Ob die neue Hochschule bestandene Leistungen anerkennt, regelt ihre Prüfungsordnung oder Anerkennungsordnung. Einen Anspruch aus dem früheren Studium gibt es nicht pauschal. Sachsen-Anhalt lehnt die Anerkennung andernorts erbrachter Leistungen nach einem endgültigen Nichtbestehen ab (§ 13 Abs. 2 S. 4 HSG LSA). Mehr zur Anrechnung steht in Studiengangwechsel: die Anrechnungsfallen.

Häufige Fragen

Kann ich nach dem endgültigen Nichtbestehen noch irgendwo studieren?

In der Regel ja. Gesperrt ist der betroffene Studiengang – bei verwandten Studiengängen hängt es vom Land der Zielhochschule ab (Tabelle oben). Fachlich entfernte Studiengänge bleiben offen. Welche Wege es nach dem Bescheid gibt, vergleicht Drittversuch nicht bestanden: Deine 7 Optionen.

Wer entscheidet, ob mein Wunschfach als „verwandt“ gilt?

Die Zielhochschule, bei der Einschreibung, nach dem Hochschulgesetz ihres Landes und in den Satzungsländern nach ihrer Prüfungsordnung. Die Unbedenklichkeitsbescheinigung stellt dagegen die bisherige Hochschule aus. Der Maßstab ist je nach Land „erhebliche inhaltliche Nähe“, „im Wesentlichen gleicher Inhalt“ oder die Deckung der Prüfungsgegenstände.

Gilt bei Staatsexamen dieselbe Sperrlogik wie bei Studiengängen?

Nein. Für Medizin (§ 20 Abs. 1 ÄApprO), Zahnmedizin (ZApprO) und Pharmazie (AAppO) gibt es höchstens zwei Wiederholungen und keine weitere nach erneutem Studium. Ein Hochschulwechsel ändert daran nichts. Beim Jura-Staatsexamen entscheiden die JAG und JAPO der Länder, in Bayern ist nur eine Wiederholung möglich (§ 36 Abs. 1 BayJAPO).

Was gilt, wenn die Prüfungsordnung zur Sperre nichts sagt?

In Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland reicht die Sperre nach dem Gesetzeswortlaut nur so weit auf verwandte Studiengänge, wie die Ordnung es ausdrücklich bestimmt. Schweigt sie, bleibt es beim gewählten Studiengang. Eine schriftliche Rückfrage bei der Zielhochschule vor der Bewerbung bleibt trotzdem sinnvoll.

Gilt die Sperre auch, wenn ich an einer Hochschule in einem anderen Bundesland scheitere?

Das hängt vom Land der Zielhochschule ab. Nordrhein-Westfalen, Berlin, Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz formulieren die Sperre ausdrücklich bundesweit, für Hessen nennt die Kann-Vorschrift keinen Ort des Fehlversuchs. Den Wortlaut je Land zeigt die Tabelle oben.

Verliere ich bestandene Leistungen, wenn der Prüfungsanspruch erlischt?

Nein, bestandene Leistungen bleiben bestehen. Ob eine andere Hochschule sie anerkennt, regelt ihre Prüfungsordnung oder Anerkennungsordnung (Sachsen-Anhalt: § 13 Abs. 2 S. 4 HSG LSA).

Kann ich den verlorenen Prüfungsanspruch zurückbekommen?

Nicht durch Abwarten. Ist der Bescheid fehlerhaft, bleibt der Widerspruch, in der Regel binnen eines Monats nach Bekanntgabe (§ 70 Abs. 1 VwGO, Berlin und Bayern siehe Anleitung zum Widerspruch). Daneben kommt ein Härtefallantrag in Betracht, wo die Prüfungsordnung ihn vorsieht.

Quellen

Dieses Portal informiert, ersetzt aber keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei einer laufenden Frist oder einer schwierigen Entscheidung hilft eine kurze Rücksprache mit dem AStA oder einem Anwalt für Prüfungsrecht mehr als jeder Artikel.