BWL im Drittversuch: Wenn Mathe, Statistik oder Rechnungswesen zur Falle werden
Stand: 22. Juli 2026
BWL ist laut unserer Forenrecherche mit Abstand das am häufigsten diskutierte Fach rund um Drittversuch und endgültiges Nichtbestehen – kein anderes Studienfach taucht im einschlägigen Forum WiWi-Treff so oft in diesem Zusammenhang auf. Verantwortlich dafür sind meist dieselben drei Modulgruppen: Mathematik/Wirtschaftsmathematik, Statistik und Rechnungswesen. Dieser Artikel ordnet ein, warum das so ist, und zeigt die Wege, die Erfahrungsberichte aus Foren für den Fall beschreiben, dass es wirklich so weit kommt.
Das Wichtigste in Kürze
- BWL/WiWi ist laut Recherche das im Forum WiWi-Treff mit Abstand am häufigsten diskutierte Fach rund um den Drittversuch.
- Killer-Module laut Recherche: Wirtschaftsmathematik/Statistik, Rechnungswesen, Allgemeine BWL und VWL.
- Der in Foren meistgenannte Weg nach dem Rauswurf: der Wechsel von der Uni an eine Fachhochschule.
- Verwandte Studiengänge wie Wirtschaftsinformatik, VWL oder Wirtschaftsingenieurwesen werden häufig diskutiert – aber ohne Erfolgsgarantie, sehr uneinheitlich gehandhabt.
- Die FernUniversität Hagen erlaubt nach endgültig nicht bestandenem WiWi-Studium ausdrücklich nur noch den Wechsel in den B.Sc. Wirtschaftsinformatik.
Warum gerade BWL so oft im Forum landet
WiWi-Treff ist das größte deutschsprachige Forum speziell für Wirtschaftswissenschaften – schon deshalb ist eine gewisse Überrepräsentation von BWL-Fällen in unserer Forenrecherche zu erwarten. Das erklärt aber nicht alles: Inhaltlich eint die meistgenannten BWL-Killer-Module ein gemeinsames Muster. Wirtschaftsmathematik, Statistik und Rechnungswesen sind formale, kumulative Fächer, die meist früh im Studium liegen und auf Fertigkeiten aufbauen, die viele Studienanfänger so nicht mitbringen. Wer hier in Rückstand gerät, hat es ungleich schwerer als in inhaltlich-diskursiven Fächern wie Marketing oder Organisationslehre, die sich auch kurzfristig nacharbeiten lassen.
Ein weiterer Grund liegt in der Studienstruktur vieler BWL-Studiengänge selbst: Mathematik, Statistik und Rechnungswesen sind an den meisten Hochschulen Pflichtmodule in den ersten beiden Semestern, oft noch bevor sich Studierende inhaltlich mit den Themen befasst haben, wegen derer sie sich eigentlich für BWL entschieden haben. Wer in dieser frühen Phase noch mit dem Studienalltag, dem Umzug oder der neuen Selbstständigkeit kämpft, gerät bei genau diesen formalen Modulen besonders leicht in Rückstand – ein Muster, das sich in den ausgewerteten Forenberichten immer wieder in ähnlicher Form findet.
Der meistgenannte Weg: von der Uni an die Fachhochschule
In Forenberichten gilt der Wechsel von der Uni an eine Fachhochschule als der Weg, der in der Praxis am ehesten funktioniert. Ein konkreter Erfahrungsbericht schildert den Fall eines BWL-Studierenden, der nach dem Rauswurf an der Uni Köln an einer Fachhochschule im gleichen Fach neu gestartet ist. Wichtig für die Einordnung: Rechtlich entscheidend ist nicht in erster Linie der Wechsel der Hochschulart, sondern ob der Ziel-Studiengang als “gleicher” oder “erheblich verwandter” Studiengang gilt – etwa nach § 50 Abs. 1 Nr. 2 HG NRW, der die Sperre nur dann auf Studiengänge mit erheblicher inhaltlicher Nähe erstreckt, wenn die jeweilige Prüfungsordnung das ausdrücklich vorsieht. Die ausführliche Einordnung inklusive der Rolle privater Fachhochschulen liest Du in Von der Uni an die FH nach der Zwangsexmatrikulation.
Verwandte Studiengänge: WInf, VWL, WiIng
In Forenthreads werden immer wieder ähnliche Wechsel-Richtungen diskutiert, vor allem innerhalb der Wirtschaftswissenschaften: von BWL zu Wirtschaftsinformatik, zu Volkswirtschaftslehre oder zu Wirtschaftsingenieurwesen. Diese Konstellationen tauchen wiederholt in Diskussionen auf, werden dort aber selbst als “sehr uneinheitlich” beschrieben – der Ausgang hängt stark von der jeweiligen Hochschule und der genauen Modulstruktur ab, insbesondere davon, ob Dein endgültig nicht bestandenes Modul im Zielstudiengang Pflichtbestandteil wäre. Die vollständige Einordnung dieses Mechanismus – inklusive der Unbedenklichkeitsbescheinigung als zentralem Prüfmoment – liest Du in Verwandter Studiengang: Was gilt als “gleich”?.
Sonderfall FernUni Hagen: nur noch Wirtschaftsinformatik
Ein besonders klar dokumentierter Fall aus unserer Recherche betrifft die FernUniversität Hagen: Nach endgültigem Scheitern im wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang lässt sie laut ihrer eigenen FAQ ausdrücklich nur noch den Wechsel in den B.Sc. Wirtschaftsinformatik zu, nicht beliebige andere wirtschaftswissenschaftliche Fächer. Das zeigt exemplarisch, wie eng manche Hochschulen den Begriff “verwandt” auslegen, und ist zugleich ein konkretes Beispiel für einen real geregelten Auffangweg – kein Freifahrtschein, aber eine klar definierte Option. Die FernUni prüft bei der Einschreibung außerdem einen Bescheid über das endgültige Nichtbestehen; Details, Grenzen und die WiWi-Kompensationsregel erklärt der Artikel FernUni Hagen nach Zwangsexmatrikulation: Mythos und Wahrheit.
Vor dem Drittversuch: der Hochschulwechsel als Reset
Steht Dein BWL-Drittversuch erst noch bevor, ist die wichtigste Erkenntnis: Der Zeitpunkt entscheidet. Viele Prüfungsordnungen rechnen bei einem Wechsel nur bestandene Leistungen an, nicht aber Fehlversuche in Modulen, die Du noch nicht abgeschlossen hast – das eröffnet praktisch ein neues Versuchsbudget, solange Du noch nicht endgültig gescheitert bist. Warum dieser Zeitpunkt über fast alles entscheidet, erklärt Die wichtigste Weiche: vor oder nach dem endgültigen Nichtbestehen; die konkrete Vorgehensweise beim Wechsel Uni-Wechsel vor dem Drittversuch.
Wie unterschiedlich BWL-Prüfungsordnungen die Versuchszahl regeln
Auch innerhalb der Wirtschaftswissenschaften ist die Versuchszahl alles andere als einheitlich:
- Fristenmodell statt Versuchszählung: An der Universität Augsburg gilt laut Recherche für den Beispielstudiengang BWL ein Fristenmodell statt einer klassischen Drittversuchsgrenze – entscheidend ist dort das Erreichen bestimmter Leistungspunkte innerhalb fester Fristen, nicht eine feste Zahl an Wiederholungen.
- Automatische Joker: An der Universität Köln, einem der größten WiWi-Standorte Deutschlands, gibt es laut Recherche automatisch drei zusätzliche Freiversuche plus einen weiteren Zusatzversuch ab einer bestimmten Anzahl erreichter Leistungspunkte.
- Klassisches Modell mit gesetzlichem Zusatzversuch: In Berlin – etwa an der FU, TU oder HU – gilt für Wirtschaftswissenschaften wie für alle Studiengänge das gesetzliche Mindestmaß von drei Versuchen plus einem weiteren nach Studienfachberatung gemäß § 30 Abs. 4 Berliner Hochschulgesetz.
- FernUni Hagen (WiWi): Hier gelten laut Recherche drei Versuche, ergänzt um eine Kompensationsregel, die ein endgültig nicht bestandenes Modul unter bestimmten Umständen ausgleichen kann.
Diese Beispiele sind nur ein Ausschnitt. Die vollständige, laufend gepflegte Übersicht mit Quellenangaben zu Deiner eigenen Hochschule findest Du im Versuchsregeln-Tool – dort lohnt sich der direkte Blick, bevor Du irgendeine Strategie planst.
Wenn der Drittversuch schon nicht bestanden ist
Ist die Sache bereits gelaufen, verschieben sich die Optionen:
- Härtefallantrag prüfen, sofern Deine Hochschule einen zusätzlichen Versuch auf Antrag vorsieht: Härtefallantrag: der 4. Versuch auf Antrag.
- Bescheid rechtlich prüfen lassen, wenn Bewertungs- oder Verfahrensfehler infrage kommen: Widerspruch gegen den Prüfungsbescheid und, für die Fristwahrung, Der fristwahrende Blanko-Widerspruch.
- Anrechnungsfallen kennen, bevor Du Dich für einen Wechsel entscheidest: Studiengangwechsel: die Anrechnungsfallen.
- Angabepflicht ernst nehmen. Egal welchen Weg Du wählst – Fehlversuche zu verschweigen ist keine Option. Warum, erklärt Fehlversuche verschweigen? Folgen im Überblick.
Häufige Fragen
Warum ist BWL das am häufigsten diskutierte Fach bei endgültigem Nichtbestehen?
Zum einen, weil WiWi-Treff das größte einschlägige Forum ist. Zum anderen, weil BWL-Studiengänge fast überall dieselben formalen, kumulativen Pflichtmodule enthalten – Mathe, Statistik, Rechnungswesen –, an denen viele Studierende scheitern.
Ist der Wechsel von der Uni an eine FH nach BWL-Rauswurf ein sicherer Weg?
Nein. Er ist der in Foren meistgenannte Weg, aber keine Garantie. Ob er funktioniert, hängt davon ab, ob der FH-Studiengang als “gleicher” oder “erheblich verwandter” Studiengang gilt.
Kann ich nach BWL einfach zu VWL oder Wirtschaftsinformatik wechseln?
Möglich, aber stark uneinheitlich geregelt. Entscheidend ist, ob Dein endgültig nicht bestandenes Modul im Zielstudiengang Pflichtbestandteil ist.
Was ist das Besondere an der FernUni Hagen für WiWi-Gescheiterte?
Sie lässt nach endgültigem Scheitern im wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang ausdrücklich nur noch den Wechsel in den B.Sc. Wirtschaftsinformatik zu – ein klar definierter, aber auch klar begrenzter Auffangweg.
Wie finde ich heraus, wie viele Versuche ich für mein konkretes Modul habe?
Ausschließlich über Deine eigene Prüfungsordnung oder das Versuchsregeln-Tool, das laufend um verifizierte Hochschulbeispiele ergänzt wird.
Warum scheitern gerade Erstsemester so oft an Mathe, Statistik oder Rechnungswesen?
Diese Module liegen an den meisten Hochschulen früh im Studium, oft parallel zu Umzug und neuem Studienalltag, und bauen formal aufeinander auf – wer hier früh in Rückstand gerät, hat es später ungleich schwerer als in eher diskursiven Fächern.
Nächste Schritte
- Verschaff Dir zuerst einen Überblick: Endgültig nicht bestanden – was jetzt?
- Prüfe, ob der Zeitpunkt für Dich noch eine Rolle spielt: Vor oder nach dem endgültigen Nichtbestehen
- Lies die ausführliche Einordnung zum Wechsel Uni zu FH.
- Informiere Dich über den Sonderfall FernUni Hagen.
- Nutze den Wegweiser, um Deine Situation strukturiert einzuordnen.