Medizin: Physikum endgültig nicht bestanden

Stand: 18. Oktober 2026

Ein medizinisches Lehrbuch mit einem aufliegenden Stethoskop.

Das Physikum ist der Erste Abschnitt der Ärztlichen Prüfung. Ist ein Teil davon auch nach der zweiten Wiederholung nicht bestanden, ist eine weitere Wiederholung nicht zulässig, auch nicht nach einem erneuten Medizinstudium (§ 20 Abs. 1 ÄApprO, Stand Oktober 2026). Ein neues Medizinstudium in Deutschland hilft Dir deshalb nicht. Offen bleiben die Anfechtung des Bescheids, der Wechsel in ein anderes Fach und ein Medizinstudium im Ausland.

Das Wichtigste in Kürze

  • § 20 Abs. 1 ÄApprO: Die Teile des Ersten Abschnitts können jeweils zweimal wiederholt werden, eine weitere Wiederholung ist auch nach erneutem Medizinstudium nicht zulässig.
  • Die Regel ist Bundesrecht. Ein Wechsel der Universität oder des Bundeslandes ändert daran nichts.
  • Gegen den Bescheid des Landesprüfungsamts läuft in der Regel eine Frist von einem Monat ab Bekanntgabe (§ 70 Abs. 1 VwGO, § 74 Abs. 1 VwGO). Den Rechtsbehelf bestimmt das Landesrecht.
  • Ein im EU-Ausland abgeschlossenes Medizinstudium kann trotzdem zur Approbation führen: Die Versagung gilt nicht für Ausbildungsnachweise nach der Richtlinie 2005/36/EG (§ 3 Abs. 1 BÄO).

So läuft der Erste Abschnitt ab

Der Erste Abschnitt hat einen schriftlichen und einen mündlich-praktischen Teil. Bestanden ist er nur, wenn beide Teile bestanden sind. Fällt ein Teil durch, wiederholst Du nur diesen Teil (§ 13 Abs. 3 ÄApprO).

Der schriftliche Teil dauert an zwei Tagen je vier Stunden (§ 23 Abs. 1). Er umfasst 320 Fragen: 80 zu Physik und Physiologie, 80 zu Chemie und Biochemie/Molekularbiologie, 100 zu Biologie und Anatomie und 60 zu Medizinischer Psychologie und Soziologie (Anlage 9 zu § 23). Im mündlich-praktischen Teil wirst Du in Anatomie, Biochemie/Molekularbiologie und Physiologie geprüft (§ 22 Abs. 2). Bei höchstens vier Prüflingen dauert die Prüfung 45 bis 60 Minuten je Prüfling (§ 24 Abs. 1). Die Ladung muss Dir zur schriftlichen Prüfung spätestens sieben und zur mündlich-praktischen Prüfung spätestens fünf Kalendertage vor dem Termin zugestellt werden (§ 17).

§ 20 ÄApprO: die bundesweite Grenze

§ 20 Abs. 1 ÄApprO erlaubt für die einzelnen Teile des Ersten Abschnitts jeweils zwei Wiederholungen. Die Vorschrift fährt fort: „Eine weitere Wiederholung ist auch nach erneutem Medizinstudium nicht zulässig.“ Die zuständige Stelle lädt Dich zur Wiederholung im nächsten Prüfungstermin von Amts wegen (§ 20 Abs. 2). Ist ein Teil endgültig nicht bestanden, unterrichten die Stellen der Länder Dich und die Stellen der anderen Länder schriftlich. Die Mitteilung an Dich muss den Hinweis enthalten, dass Du auch nach einem erneuten Medizinstudium nicht mehr zugelassen wirst (§ 21 Abs. 2).

Die Grenze hängt an Deiner Person – ein Wechsel an eine andere deutsche Universität ändert nichts daran. Die Strategien aus Uni-Wechsel vor dem Drittversuch gelten für Hochschulprüfungen, nicht für das Staatsexamen. Einen Härtefallantrag auf einen zusätzlichen Versuch sieht § 20 ÄApprO nicht vor. Scheiterst Du an einem einzelnen Vorklinik-Schein statt am Physikum, gilt § 20 ÄApprO nicht, die Regeln dazu stehen in Medizin: Vorklinik-Schein endgültig nicht bestanden.

Wiederholen oder anfechten

Bevor Du den Bescheid als endgültig hinnimmst, prüfst Du ihn.

Die schriftliche Prüfung ist bestanden, wenn Du mindestens 60 Prozent der Fragen richtig beantwortet hast. Es genügt auch, wenn Du mindestens 78 Prozent der durchschnittlichen Leistung der Referenzgruppe erreichst (§ 14 Abs. 6 ÄApprO). Das sind die Erstteilnehmer nach der Mindeststudienzeit von zwei Jahren. Deine Ergebnismitteilung nennt die Bestehensgrenze, die Zahl der Aufgaben, Deine richtigen Antworten und die Durchschnittsleistungen (§ 14 Abs. 9). Daran siehst Du, wie weit Du neben der Grenze lagst.

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt der schriftliche Teil im Herbst 2026 (Auswertung des IMPP, Stand 09.09.2026). Von den 320 Fragen wurden sieben nach § 14 Abs. 4 ÄApprO ausgeschieden, gewertet wurden 313. Die Referenzgruppe erreichte im Mittel 227,9 richtige Antworten. Daraus ergab sich die Bestehensgrenze von 178 richtigen Antworten, also 56,9 Prozent der gewerteten Fragen und damit weniger als die 60-Prozent-Grenze von 188 Fragen. Von 7.385 Teilnehmern bestanden 736 nicht (10,0 Prozent), in der Referenzgruppe 229 von 5.768 (4,0 Prozent).

Fehlerhafte Aufgaben werden vor der Feststellung des Ergebnisses ausgeschieden. Die Zahl der Aufgaben mindert sich dann entsprechend, ohne dass Dir das schaden darf (§ 14 Abs. 4). Wie Du eine Rüge gegen einzelne Fragen und das Antwort-Wahl-Verfahren aufbaust, steht in Bewertungsfehler und Antwortspielraum. Vor der Begründung beantragst Du Akteneinsicht und Klausureinsicht.

Zur Frist: Der Widerspruch ist innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe des Bescheids zu erheben (§ 70 Abs. 1 VwGO). Braucht es kein Vorverfahren, läuft die Klagefrist ebenfalls einen Monat ab Bekanntgabe (§ 74 Abs. 1 Satz 2 VwGO). Das Landesprüfungsamt ist eine Landesbehörde, ob Widerspruch oder Klage der richtige Rechtsbehelf ist, richtet sich deshalb nach Landesrecht und steht in der Rechtsbehelfsbelehrung Deines Bescheids. Die Länderübersicht in der Anleitung zum Widerspruch zeigt die Regeln für Hochschulbescheide, Deine Seite im Bundesland-Verzeichnis die Quellen des Landes. Das Fristende rechnet der Fristenrechner.

Ein Beispiel mit der Vier-Tage-Regel, die in den meisten Ländern gilt (in Hessen gilt der dritte Tag): Das Landesprüfungsamt gibt den Bescheid am Montag, 9. November 2026, zur Post. Er gilt am vierten Tag danach, Freitag, 13. November 2026, als bekannt gegeben (§ 41 Abs. 2 VwVfG bzw. die entsprechende Vorschrift des Landes). Die Monatsfrist endet mit Ablauf des 13. Dezember 2026. Das ist ein Sonntag, die Frist läuft deshalb bis Montag, 14. Dezember 2026 (§ 57 Abs. 2 VwGO i. V. m. § 222 Abs. 2 ZPO).

Zahnmedizin als Ausweg?

ÄApprO und ZApprO regeln den Wechsel von der Humanmedizin in die Zahnmedizin nicht – § 20 Abs. 1 ÄApprO schließt nur die Wiederholung nach erneutem Medizinstudium aus. Ob eine Hochschule Dich zulässt und welche Leistungen sie anrechnet, entscheidet sie im Einzelfall. Die Unbedenklichkeitsbescheinigung ist ein Nachweis bei der Bewerbung. Die Zahnmedizin hat eigene Wiederholungsgrenzen (Zahnmedizin: Physikum endgültig nicht bestanden).

Ausland: Neustart mit Approbationsperspektive

Ein Medizinstudium im EU-Ausland kann zur deutschen Approbation führen, obwohl hier ein Abschnitt endgültig nicht bestanden wurde. Die Versagung nach § 3 Abs. 1 BÄO gilt nicht für einen Ausbildungsnachweis, der nach der Richtlinie 2005/36/EG anzuerkennen ist. Bis 31.10.2026 stehen Versagung und Ausnahme in Satz 7 und 8, ab 01.11.2026 in Satz 2 und 3. Die Approbation beantragst Du bei der zuständigen Landesbehörde.

Welche Abschlüsse zählen, steht in Approbation mit EU-Abschluss trotz deutschem Scheitern. Länder, Aufnahmetests und Kosten behandelt Studium im Ausland trotz endgültigem Nichtbestehen, die Entscheidungshilfe Medizin im Ausland nach nicht bestandenem Physikum oder Schein. Rechne mit einem Neustart – ob die aufnehmende Hochschule Leistungen anrechnet, entscheidet sie.

Wie Du vorgehst

  1. Lies Bescheid und Rechtsbehelfsbelehrung und notiere Bekanntgabe und Fristende. Die Frist beträgt einen Monat (Datum mit dem Fristenrechner prüfen).
  2. Sichere die Frist mit Widerspruch oder Klage nach Landesrecht, die Begründung darf später folgen.
  3. Vergleiche Ergebnismitteilung und Bestehensgrenze mit § 14 ÄApprO und beantrage Akteneinsicht.
  4. Informiere Dich parallel über Zahnmedizin und Ausland. Ausländische Hochschulen haben eigene Bewerbungsfristen, sie laufen unabhängig von der Frist gegen den Bescheid.

Häufige Fragen

Wie oft kann ich das Physikum wiederholen?

Die einzelnen Teile des Ersten Abschnitts können jeweils zweimal wiederholt werden, Du hast je Teil also höchstens drei Versuche (§ 20 Abs. 1 ÄApprO). Ein bestandener Teil darf nicht wiederholt werden.

Zählt ein Rücktritt oder ein versäumter Termin als Versuch?

Das hängt vom Grund ab. Versäumst Du einen Termin oder gibst die Aufsichtsarbeit nicht rechtzeitig ab, gilt der Teil als nicht bestanden. Liegt ein wichtiger Grund vor, gilt er als nicht unternommen (§ 19 ÄApprO). Beim Rücktritt musst Du die Gründe unverzüglich der zuständigen Stelle mitteilen, bei Krankheit kann sie eine ärztliche Bescheinigung verlangen (§ 18). Mehr dazu in Rücktritt von der Prüfung: Attest und Prüfungsunfähigkeit.

Kann ich das Physikum an einer anderen deutschen Uni neu versuchen?

Nein. § 20 Abs. 1 ÄApprO schließt eine weitere Wiederholung auch nach erneutem Medizinstudium aus. Das gilt unabhängig von Hochschule und Bundesland.

Ist Zahnmedizin ein Ausweg?

Der Wechsel ist in ÄApprO und ZApprO nicht geregelt. Die Zielhochschule entscheidet im Einzelfall über Zulassung und Anrechnung, die Unbedenklichkeitsbescheinigung dient als Nachweis bei der Bewerbung.

Bekomme ich nach einem Medizinstudium im EU-Ausland die deutsche Approbation?

Auf Antrag bei der Landesbehörde. Die Versagung nach endgültigem Nichtbestehen gilt nicht für Ausbildungsnachweise nach der Richtlinie 2005/36/EG (§ 3 Abs. 1 BÄO). Ein Selbstläufer ist die Approbation nicht, sie setzt den passenden Abschluss und deutsche Sprachkenntnisse voraus.

Quellen

Dieses Portal informiert, ersetzt aber keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei einer laufenden Frist oder einer schwierigen Entscheidung hilft eine kurze Rücksprache mit dem AStA oder einem Anwalt für Prüfungsrecht mehr als jeder Artikel.