Vorklinik-Schein endgültig nicht bestanden: Medizin
Stand: 18. Oktober 2026

Wie oft Du einen Vorklinik-Schein wiederholen darfst, regelt die Studien- und Prüfungsordnung Deiner Fakultät. Die Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO) verlangt für das Physikum Bescheinigungen über die erfolgreiche Teilnahme an den vorgeschriebenen Veranstaltungen (§ 2 Abs. 7 und § 10 Abs. 4 Nr. 1 Buchst. d ÄApprO), nennt aber keine Versuchszahl für diese Scheine. Die Spanne reicht von drei Versuchen bis zu beliebig vielen. Verlierst Du den Prüfungsanspruch in einem Schein, wirst Du exmatrikuliert – und nach den Angaben der Medizinischen Fakultät Bonn nimmt Dich danach keine deutsche Universität mehr in Humanmedizin auf. Offen bleiben, Stand Oktober 2026, der Rechtsbehelf gegen den Bescheid, die Zahnmedizin und ein Studium im Ausland.
Das Wichtigste in Kürze
- Die ÄApprO legt keine Versuchszahl für Scheine fest. Bonn gibt 6 Versuche (Studium vor dem Wintersemester 2026/27) oder 3 bis 4 (neue Ordnung), Münster 4 plus einen fünften auf Antrag.
- Der endgültige Verlust führt zur Exmatrikulation (in Nordrhein-Westfalen § 51 Abs. 1 Nr. 3 HG NRW). Gegen den Bescheid läuft eine Frist von einem Monat.
- Danach ist Medizin an einer anderen deutschen Universität laut Bonn ausgeschlossen – über Zahnmedizin entscheidet die Zielhochschule im Einzelfall, ein Studium im Ausland bleibt möglich.
- Vor dem letzten Versuch helfen Rücktritt mit Attest, ein Beratungsgespräch, ein Antrag auf einen Zusatzversuch und der Wechsel des Standorts.
Was ein Schein rechtlich ist
Ein Schein ist die Bescheinigung über einen Leistungsnachweis. Die verantwortlichen Lehrkräfte bestätigen darauf, dass Du an der Unterrichtsveranstaltung regelmäßig und mit Erfolg teilgenommen hast (§ 2 Abs. 7 ÄApprO, Muster in Anlage 2). Wann das der Fall ist, regelt die Studienordnung der Universität. Für die Meldung zum Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung legst Du diese Bescheinigungen vor (§ 10 Abs. 4 Nr. 1 Buchst. d). Fehlt ein vorgeschriebener Nachweis, ist die Zulassung zu versagen (§ 11 Nr. 1).
Die Grenze aus § 20 Abs. 1 ÄApprO betrifft die Teile des Ersten Abschnitts selbst (zwei Wiederholungen, keine weitere nach erneutem Medizinstudium), nicht einzelne Scheine. Sie steht in Physikum endgültig nicht bestanden. Ein Schein ist auch kein Abschnitt der Ärztlichen Prüfung (§ 1 Abs. 2 Nr. 5 ÄApprO), was für den Auslandsweg zählt.
Versuche je Fakultät
Vier Fakultäten veröffentlichen ihre Regeln (Stand der Seiten: 17.10.2026):
| Fakultät | Versuche je Schein | Zusätzliche Chance | Fundstelle |
|---|---|---|---|
| Bonn, alte StuPO (Studium vor dem Wintersemester 2026/27) | 6 | freiwilliges Beratungsgespräch; die Frist von im Regelfall vier Semestern ist seit dem Sommersemester 2025 ausgesetzt | Prüfungsamt Humanmedizin, StuPO vom 24.05.2018 |
| Bonn, neue StuPO (Erstsemester ab Wintersemester 2026/27) | 3 | vierter Versuch, wenn im ersten Semester beide Prüfungstermine genutzt und nicht bestanden wurden; keine Frist | Merkblatt Änderungen StuPO WS 26/27 |
| Münster | 4 | fünfter und letzter Versuch auf Antrag nach den vorgeschriebenen Beratungsgesprächen | Medicampus, Wiederholungsprüfungen Vorklinik |
| Bielefeld (Medizinische Fakultät OWL) | unbegrenzt bei Modulprüfungen | begrenzt sind nur die Abschlussprüfung des ersten Studienabschnitts nach sechs Fachsemestern und die beiden Staatsprüfungen | Bielefelder Studienmodell, prüfungsrechtliche Erläuterungen |
Bonn zeigt, wie schnell sich Ordnungen ändern. Wer vor dem Wintersemester 2026/27 eingeschrieben war, studiert zunächst nach der alten StuPO, für den vorklinischen Abschnitt gilt die Übergangsfrist bis zum 30.09.2028. Wechselst Du freiwillig in die neue Ordnung (frühestens zum Sommersemester 2027), bleiben Dir nach einem Fehlversuch zwei Versuche, nach zwei bis fünf Fehlversuchen nur noch einer. Rechne mit der Fassung für Deinen Jahrgang – nicht mit Zahlen von einem anderen Standort. Die Scheine anderer Standorte stehen in der Studienordnung Humanmedizin der Fakultät, Hochschulregeln zur Wiederholung zeigt die Versuchsregeln-Datenbank.
Was beim endgültigen Verlust formal passiert
Sind die zulässigen Versuche aufgebraucht, stellt der Prüfungsausschuss fest, dass Du den Prüfungsanspruch verloren hast. In Nordrhein-Westfalen folgt die Exmatrikulation zwingend: Wer eine nach der Prüfungsordnung erforderliche Prüfung endgültig nicht bestanden hat, ist zu exmatrikulieren (§ 51 Abs. 1 Nr. 3 HG NRW). Bonn und Münster nennen die Exmatrikulation ausdrücklich als Folge. In Bonn erfolgt sie nach Bestandskraft des endgültigen Nichtbestehens, also erst, wenn die Rechtsbehelfsfrist abgelaufen oder das Verfahren beendet ist. Andere Länder regeln das in ihrem Hochschulgesetz, Deine Landesseite findest Du im Bundesland-Verzeichnis.
Gegen den Bescheid über den Verlust des Prüfungsanspruchs läuft eine Frist von einem Monat nach Bekanntgabe (§ 70 Abs. 1 VwGO). Ob Widerspruch oder Klage nötig ist, hängt vom Land Deiner Universität ab: 14 Länder sehen den Widerspruch gegen den Prüfungsbescheid vor. Berlin schließt ihn in Hochschulangelegenheiten aus (§ 42 Abs. 2 LOG Berlin) und lässt ab Bekanntgabe die einmonatige Klagefrist laufen; Bayern lässt Dir die Wahl zwischen Widerspruch und Klage (Art. 12 Abs. 1 S. 1 Nr. 6 AGVwGO). Den richtigen Weg nennt die Rechtsbehelfsbelehrung im Bescheid. Das Fristende rechnet der Fristenrechner. Den Ablauf beschreiben Widerspruch gegen den Prüfungsbescheid und Zwangsexmatrikulation nach dem Drittversuch.
Vor dem letzten Versuch
Rücktritt: Nach der neuen Bonner Ordnung zählt die Nichtteilnahme an einer angemeldeten Prüfung als Fehlversuch. Nur ein schriftlicher Antrag mit Nachweis des triftigen Grundes verhindert das, eine E-Mail genügt nicht. Die Abmeldung ohne Grund geht online bis unmittelbar vor der Prüfung, ein Screenshot sichert sie. Nach der alten Ordnung gilt das Nichterscheinen automatisch als Rücktritt. Attest und Frist erklärt Rücktritt von der Prüfung.
Beratung und Zusatzversuch: Münster gibt den fünften Versuch nur nach den vorgeschriebenen Beratungsgesprächen, die Prüfungskommission fragt im Einzelfall, ob nach dem Studienverlauf ein Bestehen zu erwarten ist. Wie ein Antrag aufgebaut ist, beschreibt Härtefallantrag: der 4. Versuch auf Antrag.
Standort: Wer die Fakultät wechselt, setzt seine Fehlversuche nicht automatisch zurück. Die Versuchsregeln-Datenbank führt 182 Hochschulen, 76 davon rechnen Fehlversuche von anderen Hochschulen ausdrücklich an. Für die übrigen 106 gilt: Die Anrechnung ist nicht geregelt, nur hochschulintern geregelt oder nicht belegt (Stand Oktober 2026). Der Ablauf eines Wechsels steht in Uni-Wechsel vor dem Drittversuch, den Tausch von Studienplätzen beschreibt Studienplatztausch vor der Exmatrikulation.
Zweithörer: Die Universität Greifswald weist darauf hin, dass Zweithörer in Medizin an scheinpflichtigen Veranstaltungen generell nicht teilnehmen können. Bonn verlangt für Medizin die Genehmigung des Studiendekanats. Mehr dazu in Der Zweithörer-Weg in der Medizin.
Nach dem endgültigen Verlust
Medizin an einer anderen deutschen Universität: Die Fakultät Bonn schreibt, dass eine Wiederaufnahme in Humanmedizin nach dem Verlust des Prüfungsanspruchs in Bonn und an jeder anderen deutschen Universität ausgeschlossen ist. Eine Ausnahme nennt sie für die alte Ordnung: Wer den Anspruch nur durch die überschrittene Frist verloren hat, kann anderswo neu beginnen, sofern die dortigen Regeln nicht entgegenstehen. Die Sperre knüpft an den Studiengang an, gleich an welcher Hochschule der Prüfungsanspruch verloren ging. Ob sie Hochschulen anderer Länder erfasst, steht im Hochschulgesetz des Ziellandes. Berlin, Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz formulieren sie ausdrücklich bundesweit, die Übersicht für alle 16 Länder steht in Prüfungsanspruch verloren.
Zahnmedizin: Die ÄApprO und die ZApprO regeln den Wechsel von der Humanmedizin in die Zahnmedizin nicht. Die Zielhochschule entscheidet im Einzelfall über Zulassung und Anrechnung, die Unbedenklichkeitsbescheinigung ist ein Nachweis bei der Bewerbung. Die Anrechnung bisheriger Leistungen läuft in Greifswald über das Landesprüfungsamt. Die Wiederholungsgrenzen der Zahnmedizin erklärt Zahnmedizin: Physikum endgültig nicht bestanden.
Ausland: Die Versagungsklausel in § 3 Abs. 1 BÄO (bis 31.10.2026 Satz 7 und 8, ab 01.11.2026 Satz 2 und 3) knüpft an die Ärztliche Prüfung oder einen Abschnitt davon an, also an das Physikum und die Staatsexamina. Ein verlorener Schein ist kein solcher Abschnitt – ein Studium im Ausland steht Dir deshalb offen, die Aufnahmebedingungen setzt die jeweilige Hochschule. Länder, Kosten und Tests beschreibt Studium im Ausland trotz endgültigem Nichtbestehen, die Entscheidungshilfe für Medizin Medizin im Ausland nach nicht bestandenem Physikum oder Schein.
Wie Du vorgehst
- Bitte das Prüfungsamt schriftlich um Auskunft über Deinen Stand. Ein Mustersatz: „Bitte teilen Sie mir mit, wie viele Prüfungsversuche mir im Leistungsnachweis [Fach] nach der für mich geltenden Studien- und Prüfungsordnung zustehen, wie viele ich verbraucht habe und bis wann der nächste Versuch abzulegen ist.“
- Notiere aus der Ordnung Deines Jahrgangs die Fristen für Anmeldung, Abmeldung und Rücktritt.
- Hast Du einen Versuch übrig, sichere ihn: Beratungsgespräch wahrnehmen, bei Krankheit rechtzeitig Rücktritt mit Attest beantragen, Abmeldungen belegen.
- Kommt der Bescheid über den Verlust, trage Bekanntgabe und Fristende ein, beantrage Akteneinsicht und leg den Rechtsbehelf nach Landesrecht fristgerecht ein.
- Plane parallel Zahnmedizin und Ausland. Ausländische Hochschulen haben eigene Bewerbungsfristen, die neben der Frist gegen den Bescheid laufen.
Häufige Fragen
Gibt die ÄApprO vor, wie oft ich einen Vorklinik-Schein wiederholen darf?
Nein. Die ÄApprO begrenzt nur die Wiederholung der Teile und Abschnitte der Ärztlichen Prüfung (§ 20 Abs. 1 ÄApprO). Die Zahl der Versuche für einzelne Scheine legt jede Fakultät in ihrer Studien- und Prüfungsordnung fest.
Wo finde ich die Versuchszahl meiner Fakultät?
In der Studien- und Prüfungsordnung für Humanmedizin Deiner Fakultät, meist als PDF auf der Seite des Prüfungsamts, und in dessen Merkblättern. Gilt für Dich eine ältere Fassung, steht der Übergang in der Änderungsordnung. Passen Ordnung und Notenkonto nicht zusammen, bitte schriftlich um Auskunft über Deinen Versuchsstand.
Kann ich nach dem endgültigen Verlust an einer anderen Uni Medizin studieren?
Nach den Angaben der Medizinischen Fakultät Bonn nicht, wenn Du alle Versuche ausgeschöpft hast. Verlierst Du den Anspruch nach der alten Bonner Ordnung nur durch die überschrittene Frist, kann ein Neustart anderswo möglich sein. Ob das Hochschulgesetz des Ziellandes die Sperre auf andere Hochschulen erstreckt, steht in Prüfungsanspruch verloren.
Lohnt sich ein Antrag auf einen Zusatzversuch?
Ein Anspruch besteht nur, wo die Ordnung ihn vorsieht, etwa in Münster nach Beratungsgesprächen für den fünften Versuch. Die Kommission entscheidet im Einzelfall, eine Erfolgsgarantie gibt es nicht. Aufbau und Nachweise beschreibt Härtefallantrag: der 4. Versuch auf Antrag.
Quellen
- ÄApprO, Gesamtausgabe als PDF: § 1 Abs. 2 Nr. 5, § 2 Abs. 7 mit Anlage 2 (Bescheinigung über den Leistungsnachweis), § 10 Abs. 4, § 11 Nr. 1, § 20 Abs. 1
- § 3 BÄO, Voraussetzungen der Approbation: Versagung bei endgültig nicht bestandener Ärztlicher Prüfung oder einem Abschnitt davon (Fassung bis 31.10.2026)
- BGBl. 2026 I Nr. 225, Gesetz zur Beschleunigung der Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsqualifikationen in Heilberufen: Satzzählung des § 3 Abs. 1 BÄO ab 01.11.2026
- § 70 VwGO, Form und Frist des Widerspruchs: Widerspruch binnen eines Monats nach Bekanntgabe
- HG NRW, Fassung vom 07.05.2025: § 51 Abs. 1 Nr. 3, zwingende Exmatrikulation bei endgültig nicht bestandener Prüfung
- Universität Bonn, Prüfungsamt Humanmedizin: Prüfungsversuche nach alter und neuer StuPO, Verlust des Prüfungsanspruchs, Exmatrikulation, Wiederaufnahme in Humanmedizin
- Universität Bonn, Merkblatt Änderungen StuPO WS 26/27: 3 Versuche und vierter Versuch, Nichterscheinen als Fehlversuch, Übergangsfristen, Anrechnung bei Wechsel der Ordnung
- Universität Münster, medicampus: Wiederholungsprüfungen Vorklinik: vier Versuche, fünfter auf Antrag nach Beratungsgesprächen, danach Exmatrikulation
- Universität Bielefeld, Allgemeine prüfungsrechtliche Erläuterungen: keine Begrenzung bei Modulprüfungen im Studiengang Medizin, Begrenzung nur bei Abschlussprüfung und Staatsprüfungen
- Universität Greifswald, Zweit- oder Nebenhörer: keine Teilnahme von Zweithörern an scheinpflichtigen Veranstaltungen in Medizin
- Universität Greifswald, Zulassungsbeschränkungen in höheren Fachsemestern: Anrechnung in Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie über das Landesprüfungsamt