Pharmazie: Staatsexamen endgültig nicht bestanden
Stand: 18. Oktober 2026
Die Pharmazeutische Prüfung hat drei Abschnitte. Jede nicht bestandene Fachprüfung kann zweimal wiederholt werden. Scheitert auch die zweite Wiederholung, ist der gesamte Prüfungsabschnitt nicht bestanden und damit die Pharmazeutische Prüfung insgesamt endgültig nicht bestanden. Eine Wiederholung ist auch nach erneutem Pharmaziestudium nicht zulässig (§ 15 Abs. 3 und 4 AAppO). Die Systematik entspricht § 20 ÄApprO in der Medizin.
Aufbau der Pharmazeutischen Prüfung
Die pharmazeutische Ausbildung umfasst ein Studium von vier Jahren, eine Famulatur von acht Wochen, eine praktische Ausbildung von zwölf Monaten und die Pharmazeutische Prüfung (§ 1 Abs. 1 AAppO). Das Studium endet also nicht mit dem Dritten Abschnitt, denn dieser folgt erst nach der praktischen Ausbildung.
| Abschnitt | Zeitpunkt (§ 1 Abs. 2) | Prüfungsform (§ 8 Abs. 1) | Wiederholung (§ 15) |
|---|---|---|---|
| Erster Abschnitt | nach mindestens zwei Jahren Studium | schriftlich | je Fach zweimal |
| Zweiter Abschnitt | nach Bestehen des Ersten Abschnitts und mindestens vier Jahren Studium | mündlich | je Fach zweimal |
| Dritter Abschnitt | nach Bestehen des Zweiten Abschnitts und der praktischen Ausbildung | mündlich | je Fach zweimal; bei einer nicht bestandenen Fachprüfung entscheidet die Prüfungskommission sofort, ob Du bis zu drei Monate erneut an der Ausbildung nach § 4 teilnehmen musst (Abs. 6) |
Der Erste Abschnitt umfasst vier Fächer: Allgemeine, anorganische und organische Chemie, pharmazeutische Biologie und Humanbiologie, Physik, physikalische Chemie und Arzneiformenlehre sowie pharmazeutische Analytik (§ 17 Abs. 1). Geprüft wird an vier Tagen mit 100, 100, 80 und 80 Fragen (§ 17 Abs. 2, Anlage 12). Die Landesprüfungsämter setzen die Termine bundeseinheitlich fest (§ 12 Abs. 1). Laut IMPP-Terminplan liegt der Erste Abschnitt im Frühjahr 2027 vom 16. bis 19. März und im Herbst 2027 vom 24. bis 27. August. Den Antrag auf Zulassung musst Du dem Landesprüfungsamt bis zum 10. Januar oder bis zum 10. Juni zugeleitet haben (§ 6 Abs. 2). Im Zweiten Abschnitt wirst Du mündlich in fünf Fächern geprüft: Pharmazeutische/Medizinische Chemie, Pharmazeutische Biologie, Pharmazeutische Technologie/Biopharmazie, Pharmakologie und Toxikologie sowie Klinische Pharmazie. Jede Prüfung dauert 20 bis 40 Minuten (§ 18). Im Dritten Abschnitt geht es um Pharmazeutische Praxis und Spezielle Rechtsgebiete für Apotheker, die Prüfung dauert 30 bis 60 Minuten (§ 19). Die Gesamtnote gewichtet die drei Abschnitte im Verhältnis 2 zu 3 zu 2 (§ 9 Abs. 3).
Was § 15 AAppO für Dich bedeutet
Ein Beispiel: Wer die zweite Wiederholung in einem Fach des Zweiten Abschnitts nicht besteht, hat den Abschnitt und damit die Pharmazeutische Prüfung insgesamt endgültig nicht bestanden (Abs. 3 und 4). Die zweite Wiederholung ist die letzte. Danach versagt das Landesprüfungsamt die Zulassung zu dem Abschnitt, weil er nicht mehr wiederholt werden darf (§ 7 Abs. 1 Nr. 3). Es unterrichtet Dich und die anderen Landesprüfungsämter über das endgültige Nichtbestehen (§ 16 Abs. 2). Die Grenze hängt an Deiner Person – ein Wechsel der Universität setzt die verbrauchten Wiederholungen nicht zurück.
Eine schriftliche Prüfung wiederholst Du im nächsten bundeseinheitlichen Termin, zu dem das Landesprüfungsamt Dich von Amts wegen lädt. Fällt ein Fach des Ersten Abschnitts im August 2026 durch, wäre das nach dem Terminplan der 16. bis 19. März 2027. Eine mündliche Prüfung soll in der Regel innerhalb von drei Monaten nach dem erfolglosen Versuch wiederholt werden (§ 12 Abs. 2). Wiederholungsprüfungen legst Du bei dem Landesprüfungsamt ab, bei dem Du durchgefallen bist, Ausnahmen sind aus wichtigem Grund möglich (§ 5 Abs. 2). Die Strategien aus Uni-Wechsel vor dem Drittversuch betreffen Hochschulprüfungen, nicht das Staatsexamen.
Anfechtung prüfen
Bevor Du den Bescheid hinnimmst, prüfst Du ihn. Im Ersten Abschnitt wird schriftlich im Antwort-Wahl-Verfahren geprüft (§ 10 Abs. 1 AAppO). Ein schriftlich geprüftes Fach ist bestanden, wenn Du mindestens 50 Prozent der Fragen richtig beantwortet hast oder höchstens 18 Prozent unter der durchschnittlichen Prüfungsleistung des Prüfungstermins im Bundesgebiet liegst (Abs. 5). Offensichtlich fehlerhafte Aufgaben gelten als nicht gestellt, ohne dass Dir das schaden darf (Abs. 4). Wie Du Rügen gegen Fragen aufbaust, steht in Bewertungsfehler und Antwortspielraum.
Das Landesprüfungsamt muss Dir das Ergebnis unverzüglich mitteilen, mit der Note für den Abschnitt und die Fächer, der Zahl Deiner richtigen Antworten je Fach und der durchschnittlichen Prüfungsleistung (§ 10 Abs. 7). Wie knapp es sein kann, zeigt der Erste Abschnitt im Herbst 2026 (Auswertung des IMPP, Stand 14.09.2026). In den vier Fächern lag die Bestehensgrenze bei 49 von 100, 46 von 99, 38 von 80 und 36 von 79 gewerteten Aufgaben. In zwei Fächern blieb je eine Aufgabe ungewertet. Je Fach bestanden zwischen 20,7 und 22,4 Prozent der rund 1.050 Teilnehmer nicht (219 von 1.058, 235 von 1.051, 226 von 1.033 und 214 von 1.031). Bei den mündlichen Prüfungen prüfst Du den Ablauf: Die Noten sind Dir am Prüfungstag bekanntzugeben, und über jede Prüfung muss eine Niederschrift mit Gegenstand, Bewertung und etwaigen schweren Unregelmäßigkeiten angefertigt und von allen anwesenden Kommissionsmitgliedern unterzeichnet werden (§ 11 Abs. 6 und 7). Bei Wiederholungsprüfungen muss außer dem Prüfer der Vorsitzende oder ein von ihm bestimmtes Mitglied der Kommission anwesend sein (§ 11 Abs. 2).
Der Widerspruch ist innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe zu erheben (§ 70 Abs. 1 VwGO). Das Landesprüfungsamt ist eine Landesbehörde, deshalb richtet sich der Rechtsbehelf nach Landesrecht und steht in der Rechtsbehelfsbelehrung. Quellen und Besonderheiten Deines Landes findest Du im Bundesland-Verzeichnis, das Fristende rechnet der Fristenrechner. Die Grundlagen stehen in Widerspruch gegen den Prüfungsbescheid. Vor der Begründung beantragst Du Akteneinsicht und Klausureinsicht.
Alternativen in Deutschland
Chemie, Biochemie und ähnliche Fächer kommen als Wechsel in Frage. Entscheidend ist, ob das nicht bestandene Fach dort Pflicht wäre, mehr dazu in Verwandter Studiengang und Studiengangwechsel: die Anrechnungsfallen.
Die Ausbildung zur pharmazeutisch-technischen Assistenz (PTA) ist bundesrechtlich im PTA-Berufsgesetz geregelt. Sie setzt den mittleren Schulabschluss oder einen als gleichwertig anerkannten Abschluss voraus (§ 10 PTAG). In Vollzeit dauert sie zweieinhalb Jahre: zwei Jahre Schule mit Praktikum, danach eine halbjährige praktische Ausbildung in einer Apotheke (§ 11 PTAG). Die zuständige Behörde kann auf Antrag erfolgreich abgeschlossene Teile eines Pharmaziestudiums im Umfang ihrer Gleichwertigkeit auf die Ausbildungsdauer anrechnen (§ 12 PTAG). Weitere Wege außerhalb des Studiums beschreibt Ausbildung statt Studium.
Ausland: Approbation nach EU-Studium
Bis 31.10.2026 enthält § 4 BApO keine Versagungsklausel für endgültig nicht bestandene Prüfungen und deshalb auch keine Ausnahme wie § 3 Abs. 1 Satz 8 BÄO. Der Verlust des Prüfungsanspruchs folgt aus § 15 Abs. 4 AAppO. Ab 01.11.2026 gilt § 4 Abs. 2 BApO: Eine Approbation wird nicht erteilt, wenn eine pharmazeutische Prüfung oder ein Abschnitt endgültig nicht bestanden wurde. Das gilt nicht, wenn der Antragsteller einen nach der Richtlinie 2005/36/EG oder nach der Anlage zur BApO anzuerkennenden Ausbildungsnachweis besitzt (BGBl. 2026 I Nr. 225). Damit gilt für Pharmazie dieselbe Systematik wie für Ärzte und Zahnärzte.
Welche Abschlüsse zählen und wer den Antrag bearbeitet, steht in Approbation mit EU-Abschluss, Länder und Kosten in Studium im Ausland trotz endgültigem Nichtbestehen. Rechne mit einem Neustart – ob die aufnehmende Hochschule Leistungen anrechnet, entscheidet sie selbst.
Häufige Fragen
Wie oft kann ich Pharmazie-Prüfungen wiederholen?
Jede nicht bestandene Fachprüfung zweimal (§ 15 Abs. 3 AAppO). Eine bestandene Prüfung darf nicht wiederholt werden (Abs. 2).
Was passiert, wenn der Zweite Abschnitt endgültig nicht bestanden ist?
Dann ist die Pharmazeutische Prüfung insgesamt endgültig nicht bestanden (§ 15 Abs. 4 AAppO). Eine Wiederholung ist auch nach erneutem Studium der Pharmazie nicht zulässig, an einer anderen Universität ebenfalls nicht.
Wann kann ich eine nicht bestandene schriftliche Prüfung wiederholen?
Im nächsten bundeseinheitlichen Prüfungstermin, zu dem das Landesprüfungsamt Dich von Amts wegen lädt (§ 12 Abs. 2 AAppO). Laut IMPP liegt der Erste Abschnitt im Frühjahr 2027 vom 16. bis 19. März und im Herbst 2027 vom 24. bis 27. August.
Zählt ein Rücktritt oder ein versäumter Termin als Versuch?
Ein Rücktritt ist nach der Zulassung nur mit Genehmigung des Landesprüfungsamts zulässig, die Gründe teilst Du unverzüglich mit. Wird er genehmigt, gilt die Prüfung als nicht unternommen, sonst als nicht bestanden. Das gilt entsprechend für ein Versäumnis (§ 13 AAppO). Mehr dazu in Rücktritt von der Prüfung: Attest und Prüfungsunfähigkeit.
Gilt § 20 ÄApprO auch für Pharmazie?
Nein, für Pharmazie ist § 15 AAppO maßgeblich. Beide Vorschriften folgen der gleichen Systematik mit zwei Wiederholungen. Die ÄApprO zählt sie je Abschnitt oder Prüfungsteil, die AAppO je Fach.
Ist die PTA-Ausbildung eine Alternative?
Sie dauert in Vollzeit zweieinhalb Jahre (§ 11 PTAG). Zugang hat, wer den mittleren Schulabschluss oder einen als gleichwertig anerkannten Abschluss besitzt (§ 10 PTAG). Erfolgreich abgeschlossene Teile eines Pharmaziestudiums kann die zuständige Behörde auf Antrag anrechnen (§ 12 PTAG).
Bekomme ich nach einem Pharmaziestudium im EU-Ausland die Approbation?
Ab 01.11.2026 sieht § 4 Abs. 2 BApO für Ausbildungsnachweise nach der Richtlinie 2005/36/EG oder nach der Anlage zur BApO eine Ausnahme von der Versagung vor. Bis 31.10.2026 enthält § 4 BApO keine solche Versagungsklausel. Die Approbation beantragst Du bei der zuständigen Landesbehörde.
Quellen
- § 15 AAppO, Bestehen und Wiederholung von Prüfungen: zwei Wiederholungen je Fach, endgültiges Nichtbestehen der Pharmazeutischen Prüfung, keine Wiederholung nach erneutem Studium, erneute Ausbildung im Dritten Abschnitt
- § 1 AAppO, Gliederung der Ausbildung: vier Jahre Studium, Famulatur, zwölf Monate praktische Ausbildung, drei Prüfungsabschnitte mit Zeitpunkten
- § 8 AAppO, Art der Prüfung: Erster Abschnitt schriftlich, Zweiter und Dritter mündlich
- § 10 AAppO, Schriftliche Prüfungen: fehlerhafte Aufgaben, Bestehensgrenze
- AAppO, Gesamtausgabe als PDF: §§ 5, 6, 7, 9, 11, 12, 13, 16 bis 19 und Anlage 12 (Landesprüfungsamt, Meldefrist, Zulassung, Gesamtnote, mündliche Prüfungen, Termine, Rücktritt, Fächer und Dauer der Abschnitte, Fragenzahl)
- IMPP, Prüfungstermine Pharmazie: Termine des Ersten Abschnitts 2026 und 2027 (Stand: Oktober 2026)
- IMPP, Ergebnisinformationen Erster Abschnitt der Pharmazeutischen Prüfung, Herbst 2026: gewertete Aufgaben, Bestehensgrenzen und Misserfolge je Fach, Stand 14.09.2026
- § 4 BApO, Voraussetzungen der Approbation als Apotheker: keine Versagungsklausel für endgültig nicht bestandene Prüfungen bis 31.10.2026
- BGBl. 2026 I Nr. 225, Gesetz zur Beschleunigung der Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsqualifikationen in Heilberufen: § 4 Abs. 2 BApO ab 01.11.2026 mit Versagung und Ausnahme
- § 10 PTAG, Voraussetzungen für den Zugang zur Ausbildung: mittlerer Schulabschluss oder gleichwertiger Abschluss
- § 11 PTAG, Dauer und Struktur der Ausbildung: zweieinhalb Jahre in Vollzeit
- § 12 PTAG, Verkürzung durch Anrechnung: Anrechnung abgeschlossener Teile eines Pharmaziestudiums auf Antrag
- § 70 VwGO, Form und Frist des Widerspruchs: Widerspruch innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe