Informatik im Drittversuch: Algorithmen, Datenstrukturen und die Mathe-Hürde

Stand: 22. Juli 2026

Kaum ein Informatik-Studiengang kommt ohne das Modul aus, das in Foren immer wieder als besonders gefürchtet genannt wird: Algorithmen und Datenstrukturen. Zusammen mit den mathematischen Grundlagenmodulen bildet es die Hürde, an der viele Informatik-Studierende ihren Drittversuch riskieren. Dieser Artikel zeigt, warum das so ist, wie unterschiedlich Technische Universitäten mit der Versuchszahl umgehen und was Dir bleibt, wenn es tatsächlich zum endgültigen Nichtbestehen kommt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Algorithmen und Datenstrukturen gilt laut Forenrecherche als eines der klassischen Killer-Module der Informatik.
  • Die Versuchsregeln unterscheiden sich extrem: von strengen Fakultäts-Sonderregeln mit harten Obergrenzen bis zu praktisch unbegrenzten Modellen an manchen Technischen Universitäten.
  • Ein konkretes, verifiziertes Beispiel: An der Fakultät für Informatik der Universität Magdeburg ist die zweite Wiederholung auf maximal sechs Prüfungen im gesamten Studium begrenzt – und läuft dann mündlich ab.
  • Mehrere Technische Universitäten bieten eine mündliche Ergänzungsprüfung als zusätzliche Chance.
  • Nach endgültigem Nichtbestehen bleiben Härtefallantrag, Widerspruch oder ein Wechsel in ein verwandtes Fach als mögliche nächste Schritte.

Warum Algorithmen & Datenstrukturen zum Killer-Modul wird

Unsere Forenrecherche nennt Algorithmen und Datenstrukturen explizit als eines der Fächer, an denen Informatik-Studierende im Drittversuch scheitern – neben verwandten Modulen wie Wirtschaftsmathematik/Statistik in anderen Fächern. Der Grund liegt in der Natur des Fachs: Algorithmisches Denken und die zugehörige Mathematik bauen stark aufeinander auf. Wer in den ersten Semestern Lücken lässt, merkt das oft erst, wenn eine Klausur plötzlich Konzepte voraussetzt, die schon zwei Semester zurückliegen. Anders als in stärker themenbasierten Fächern lässt sich das nicht kurzfristig vor der Prüfung nachholen.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem, das in Informatik-Studiengängen besonders ausgeprägt ist: Prüfungsleistungen in Algorithmen und Datenstrukturen sind meist reine Klausuren oder Programmieraufgaben mit klar richtigen oder falschen Lösungen – anders als in Fächern mit Interpretationsspielraum gibt es hier kaum Teilpunkte für “in die richtige Richtung gedacht”. Das macht die Prüfung fair, aber auch unnachsichtig gegenüber Wissenslücken. Wer die Grundlagen aus der Mathematik-Vorlesung – etwa Aussagenlogik, Rekursion oder Komplexitätsanalyse – nicht sattelfest beherrscht, hat es bei den darauf aufbauenden Algorithmen-Konzepten entsprechend schwer.

Ein konkretes Beispiel: OvGU Magdeburg, Fakultät für Informatik

Besonders gut dokumentiert ist die Regelung an der Fakultät für Informatik der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Dort gelten laut der Studien- und Prüfungsordnung grundsätzlich drei Versuche, allerdings mit einer wichtigen Einschränkung: Die zweite Wiederholung einer Prüfung ist auf maximal sechs Prüfungen im gesamten Studium begrenzt – wer dieses Kontingent aufgebraucht hat, hat für weitere Module keine zweite Wiederholung mehr zur Verfügung. Zusätzlich läuft die zweite Wiederholung, wenn die erste Wiederholung mündlich oder schriftlich war, in einer vergleichbaren Form ab, was faktisch einer eingebauten mündlichen Zusatzchance nahekommt. Bemerkenswert ist außerdem: Die Fakultät rechnet externe Fehlversuche ausdrücklich und bundesweit an – ein Wechsel an eine andere Hochschule setzt hier also keinen automatischen Neustart in Gang.

Dieses Beispiel zeigt, wie kleinteilig Versuchsregeln selbst innerhalb einer einzigen Fakultät geregelt sein können – eine allgemeine Aussage über “die Informatik” gibt es nicht, nur die konkrete Prüfungsordnung Deiner eigenen Hochschule zählt.

Wie andere Technische Universitäten den Drittversuch regeln

Auch über Magdeburg hinaus zeigt sich eine große Spannweite:

  • TU München: Für viele Studiengänge gilt hier kein klassischer Drittversuch, sondern eine Studienfortschrittskontrolle über Creditpunkte – ein grundsätzlich anderes Modell als die reine Versuchszählung.
  • RWTH Aachen: Klassisches Modell mit drei Versuchen, ergänzt um eine mündliche Ergänzungsprüfung nach dem dritten Versuch, bei der eine bestandene Prüfung mit der Note 4,0 gewertet wird.
  • TU Darmstadt: Ebenfalls drei Versuche, mit einer mündlichen Ergänzungsprüfung nach § 32 APB, die einmal pro Prüfungsordnung möglich ist und binnen vier Wochen beantragt werden muss.
  • TU Dresden: Drei Versuche nach der seit 08.10.2024 hochschulweit geltenden Allgemeinen Prüfungsordnung; die zweite Wiederholung ist dort ohne gesonderten Antrag zum nächstmöglichen Termin möglich.

Diese TU-Beispiele machen deutlich: Auch innerhalb der als eher technisch-formal geltenden Informatik-Studiengänge gibt es kein einheitliches Muster – von harten Kontingent-Grenzen wie in Magdeburg bis zu fristenbasierten Modellen ohne klassische Versuchszählung wie in München. Die vollständige, laufend gepflegte Übersicht mit weiteren Hochschulen und Quellenangaben findest Du im Versuchsregeln-Tool.

Vor dem Drittversuch: der Hochschulwechsel als Option

Steht Dein Drittversuch in Algorithmen und Datenstrukturen erst noch bevor, lohnt sich – wie bei jedem Fach – der Blick auf den Zeitpunkt. Viele Prüfungsordnungen rechnen bei einem Wechsel nur bestandene Leistungen an, nicht aber Fehlversuche in noch nicht abgeschlossenen Modulen. Wichtig ist aber gerade in der Informatik die Ausnahme: Wie das Beispiel OvGU Magdeburg zeigt, rechnen einzelne Fakultäten externe Fehlversuche ausdrücklich an – hier lohnt sich also eine besonders sorgfältige Prüfung vor dem Wechsel. Die grundsätzliche Mechanik erklärt Uni-Wechsel vor dem Drittversuch, die übergeordnete Logik des Zeitpunkts Die wichtigste Weiche: vor oder nach dem endgültigen Nichtbestehen.

Was hilft, bevor es überhaupt zum Drittversuch kommt

Weil Algorithmen und Datenstrukturen so stark auf früheren Semestern aufbaut, lohnt sich frühzeitiges Gegensteuern mehr als in vielen anderen Fächern. Tutorien und Übungsgruppen sind an den meisten Informatik-Fakultäten nicht nur Pflichtprogramm, sondern die zentrale Stelle, an der Verständnislücken sichtbar werden, bevor sie sich in einer Klausur rächen. Wer merkt, dass er in den Übungen regelmäßig nicht mitkommt, sollte das nicht bis zur Prüfungsanmeldung ignorieren, sondern frühzeitig das Gespräch mit Tutorinnen, Tutoren oder der Fachschaft suchen – gerade weil sich Rückstände in kumulativen Fächern wie diesem erfahrungsgemäß eher vergrößern als von selbst auflösen.

Wenn der Drittversuch schon nicht bestanden ist

Ist die Prüfung bereits endgültig nicht bestanden, bleiben Dir je nach Hochschule und Situation folgende Wege:

Häufige Fragen

Ist Algorithmen und Datenstrukturen wirklich das Killer-Modul der Informatik?

Unsere Forenrecherche nennt es explizit als eines der Fächer, an denen Informatik-Studierende im Drittversuch scheitern. Eine allgemeingültige, für jede Hochschule geltende Aussage lässt sich daraus aber nicht ableiten.

Wie viele Versuche habe ich in meinem Informatik-Studiengang?

Das hängt vollständig von Deiner Prüfungsordnung ab – die Spannweite reicht von harten Kontingent-Grenzen wie an der Fakultät Informatik der OvGU Magdeburg bis zu fristenbasierten Modellen ohne klassische Versuchsgrenze wie an der TU München.

Gibt es eine mündliche Alternative, wenn ich die schriftliche Klausur nicht schaffe?

An mehreren Technischen Universitäten ja, etwa an der RWTH Aachen und der TU Darmstadt. Details erklärt Die mündliche Ergänzungsprüfung: der Jokerversuch.

Kann ein Hochschulwechsel meine Fehlversuche in Informatik zurücksetzen?

Oft ja, aber nicht immer – manche Fakultäten, wie die Informatik an der OvGU Magdeburg, rechnen externe Fehlversuche ausdrücklich an. Prüfe das vor einem Wechsel sorgfältig.

Was, wenn ich schon endgültig durchgefallen bin?

Dann bleiben je nach Situation Härtefallantrag, Widerspruch oder ein Wechsel in ein verwandtes Fach. Der Wegweiser hilft Dir, Deine konkrete Situation einzuordnen.

Warum gibt es bei Algorithmen und Datenstrukturen so selten Teilpunkte?

Weil die Prüfungsleistungen meist klar richtige oder falsche Lösungen verlangen – anders als in interpretationsoffenen Fächern. Das macht Wissenslücken aus früheren Semestern besonders spürbar, weil sie sich kaum durch Argumentation ausgleichen lassen.

Nächste Schritte

Dieses Portal informiert, ersetzt aber keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei einer laufenden Frist oder einer schwierigen Entscheidung hilft eine kurze Rücksprache mit dem AStA oder einem Anwalt für Prüfungsrecht mehr als jeder Artikel.