Duales Studium nach Zwangsexmatrikulation

Stand: 18. Oktober 2026

Ein duales Studium hebt die Sperre nicht auf. Sie knüpft an den Studiengang an, nicht an das Studienmodell. Ein dualer BWL-Studiengang nach einem endgültig nicht bestandenen BWL-Studium liegt deshalb nahe an „gleich“. Entscheidend sind die Studiengangsbezeichnung und die Prüfungsordnung der aufnehmenden Hochschule sowie das Hochschulgesetz ihres Landes. Dazu kommt ein zweiter Partner – ein Betrieb, der den praktischen Teil trägt.

Praxispartner, Vertrag und Studienform

Der BIBB-Hauptausschuss unterscheidet in der Erstausbildung zwei Formate: ausbildungsintegrierende duale Studiengänge verbinden eine geregelte Berufsausbildung mit dem Studium, praxisintegrierende integrieren längere Praxisphasen. Gelernt wird an mindestens zwei Lernorten. Für die Berufsausbildung im ausbildungsintegrierenden Studium gelten dieselben Anforderungen wie für jedes Ausbildungsverhältnis, dazu gehört der Anspruch auf eine angemessene Vergütung (§ 17 Abs. 1 BBiG). Zu Kindergeld und Krankenversicherung nach dem Studienende siehe Nach der Exmatrikulation.

Du bewirbst Dich bei der Hochschule und beim Betrieb, in der Praxis meist parallel. In manchen Ländern ist der Vertrag eine Voraussetzung der Immatrikulation: Brandenburg versagt sie, wenn für einen dualen Studiengang kein Ausbildungs- oder Studienvertrag mit einer zugelassenen Ausbildungsstätte oder einem Praxispartner nachgewiesen wird und die Hochschulsatzung das vorschreibt (§ 15 Abs. 3 S. 1 Nr. 4 BbgHG). Endet dort das Ausbildungsverhältnis ohne den vorgesehenen Abschluss und folgt nicht binnen zwölf Wochen ein neuer Vertrag, wird exmatrikuliert (§ 15 Abs. 5 S. 2 Nr. 5 BbgHG). Wie andere Länder das regeln, steht in ihren Hochschulgesetzen.

Den Vertrag mit dem Praxispartner liest Du genauer als bei einem normalen Job. Der BIBB-Hauptausschuss empfiehlt, dass er mindestens Vergütung, Freistellung, Urlaub, Arbeitszeit, Vertragsdauer, Probezeit, Vertragsbeendigung, Zeugnispflicht und eine mögliche Übernahme von Studiengebühren regelt. Für Dich zählen vor allem Probezeit und Vertragsbeendigung. Bei einem ausbildungsintegrierenden Studium ist der Vertrag ein Berufsausbildungsvertrag nach dem BBiG oder eine vergleichbare vertragliche Rechtsbeziehung. Das Berufsausbildungsverhältnis beginnt mit einer Probezeit von einem bis vier Monaten (§ 20 BBiG), in der beide Seiten jederzeit ohne Frist kündigen können (§ 22 Abs. 1 BBiG). Danach kann der Betrieb nur aus wichtigem Grund kündigen. Du selbst kannst auch mit vier Wochen Frist kündigen, wenn Du die Ausbildung aufgibst oder Dich für eine andere Berufstätigkeit ausbilden lassen willst (§ 22 Abs. 2 BBiG). Die Kündigung braucht Schriftform, die elektronische Form ist ausgeschlossen (§ 22 Abs. 3 BBiG). Bei praxisintegrierenden Studiengängen hängt die Vertragsart von der Studienform ab, Probezeit und Kündigung stehen dort im Vertrag selbst. Frag vor der Unterschrift, was mit dem Vertrag geschieht, wenn die Hochschule Dich nicht einschreibt.

Die Sperre bei dualen Studiengängen

Drei Konstellationen unterscheiden sich:

  • Gleicher Studiengang: Die Einschreibung ist zu versagen, wenn die Zielhochschule den dualen Studiengang als denselben Studiengang einstuft. Die Zielhochschule legt das nach ihrer Ordnung fest, frag dort nach der Studiengangsbezeichnung und den Pflichtmodulen.
  • Verwandter Studiengang: Hier gilt das Modell des Ziellandes. Fünf Länder erstrecken die Sperre direkt im Gesetz, vier nur per Satzung oder Prüfungsordnung, sieben gar nicht (Tabelle in Prüfungsanspruch verloren). Ob Dein gescheitertes Modul im Zielstudiengang Pflicht ist, klärt Verwandter Studiengang.
  • Anderes Fach: Die Sperre greift aus diesem Grund nicht. Die Zielhochschule prüft die Zulassung wie bei jedem anderen Bewerber.

Versuche und Anerkennung am Beispiel DHBW

Die Versuchsregeln der Zielhochschule gelten auch im dualen Studiengang. Ein Beispiel aus Baden-Württemberg ist die Duale Hochschule (DHBW). Ihre Studien- und Prüfungsordnung vom 07.03.2024 in der Fassung der 2. Änderungssatzung vom 16.07.2025 (Amtliche Bekanntmachung Nr. 21/2025) regelt:

ThemaNormRegel
Wiederholung§ 39 Abs. 1eine nicht bestandene Prüfungsleistung kann einmal wiederholt werden
Zweite Wiederholung§ 42 Abs. 1 und 3in Theoriemodulen einmal pro Studienjahr, als mündliche Prüfung; in den Praxisphasen kein Anspruch
Prüfungsanspruch§ 5 Abs. 3geht verloren, wenn die Leistungen nicht innerhalb von fünf Jahren seit Studienbeginn erbracht sind
Folge§ 43 Abs. 2bei Verlust des Prüfungsanspruchs wird von Amts wegen exmatrikuliert
Anerkennung§ 9 Abs. 1 und 2auf Antrag, wenn kein wesentlicher Unterschied besteht; der Antrag muss vor dem Erstversuch der Prüfung eingehen
Fehlversuche§ 9 Abs. 4nur bei einem Wechsel innerhalb der DHBW angerechnet; für Fehlversuche von anderen Hochschulen enthält die Ordnung keine Regel

Die DHBW zeigt, wie eng der Betrieb eingebunden ist. Das Bachelorstudium beginnt in der Regel am 1. Oktober und dauert regulär drei Jahre (§ 5 Abs. 1 und 2). Soll sich die Regelstudienzeit aus wichtigem Grund verlängern, braucht es eine Studienverlaufsvereinbarung in Textform, und zwar im Einvernehmen mit der Studiengangsleitung und dem Dualen Partner (§ 6 Abs. 1 und 2). Sie ist nur zulässig, wenn innerhalb von fünf Jahren ein erfolgreicher Abschluss zu erwarten ist (§ 6 Abs. 3).

Die Fünfjahresfrist und die Antragsfrist vor dem Erstversuch gelten für die DHBW – andere Ordnungen setzen andere Fristen, in Stuttgart zum Beispiel zwei Semester nach der Einschreibung (siehe Studiengangwechsel: die Anrechnungsfallen). Lies deshalb die Ordnung des konkreten Studiengangs.

Für die Anrechnung hilft ein Blick in die Versuchsregeln-Datenbank, die 182 Hochschulen erfasst. Nur bei 76 davon steht ausdrücklich, dass Fehlversuche von anderen Hochschulen angerechnet werden. Bei den übrigen 106 ist die Anrechnung nicht geregelt, nur hochschulintern geregelt oder nicht belegt (Stand Oktober 2026). Ein Hochschulwechsel setzt Fehlversuche also nicht automatisch zurück. In welche Gruppe Deine Zielhochschule fällt, entscheidet ihre Prüfungsordnung. Zu privaten Trägern siehe Private Hochschulen nach dem Drittversuch, zur Hochschulart Von der Uni an die FH.

Bewerbung ohne Verschweigen

Gegenüber der Hochschule gilt die Angabepflicht, Folgen eines Verschweigens stehen in Fehlversuche verschweigen. Gegenüber dem Betrieb antwortest Du auf zulässige Fragen wahrheitsgemäß. Wer den Betrieb arglistig täuscht, riskiert, dass dieser seine Willenserklärung anficht (§ 123 Abs. 1 BGB). Ob eine Frage nach früheren Studienabschnitten zulässig ist, hängt vom Einzelfall ab. Ein Vergleich mit dem klassischen Weg steht in Ausbildung statt Studium.

So gehst Du vor

  1. Lass Dir die Sperre für Deinen Zielstudiengang von der aufnehmenden Hochschule schriftlich erläutern. Eine mündliche Auskunft bindet sie nicht.
  2. Prüfe die Versuchsregeln der Zielhochschule in der Versuchsregeln-Datenbank und in ihrer Prüfungsordnung.
  3. Suche Praxispartner parallel zur Hochschulbewerbung und frag nach der Vertragsform.
  4. Beantrage die Unbedenklichkeitsbescheinigung, falls die Hochschule sie verlangt.
  5. Beantworte Fragen zu Deinem Studienverlauf bei Hochschule und Betrieb wahrheitsgemäß.

Häufige Fragen

Ist ein duales Studium nach einer Zwangsexmatrikulation möglich?

Ja, aber nicht automatisch. Es gelten dieselben Sperrregeln wie bei jedem Studiengangwechsel. Gesperrt ist der gleiche Studiengang, bei verwandten Studiengängen entscheidet das Land der Zielhochschule (Tabelle in Prüfungsanspruch verloren).

Macht das duale Format einen Unterschied bei der Sperre?

Nein. Die Gesetze knüpfen an den Studiengang oder die Prüfungsgegenstände an, nicht an das Studienmodell. Neu kommt der Praxispartner hinzu, in Brandenburg zum Beispiel als Immatrikulationsvoraussetzung, wenn die Hochschulsatzung es vorschreibt (§ 15 Abs. 3 S. 1 Nr. 4 BbgHG).

Muss ich dem Praxispartner die Zwangsexmatrikulation mitteilen?

Beantworte Fragen des Betriebs wahrheitsgemäß. Täuschst Du ihn arglistig, kann er seine Willenserklärung anfechten (§ 123 Abs. 1 BGB). Welche Fragen zulässig sind, hängt vom Einzelfall ab.

Kann ich ein duales Studium abbrechen, wenn es nicht passt?

In der Probezeit von einem bis vier Monaten kannst Du ein Berufsausbildungsverhältnis jederzeit ohne Frist kündigen, danach mit vier Wochen Frist, wenn Du die Ausbildung aufgibst oder Dich für eine andere Berufstätigkeit ausbilden lassen willst (§§ 20, 22 BBiG). Die Kündigung muss schriftlich erfolgen. Bei anderen Vertragsarten steht die Regel im Vertrag.

Wie lange dauert ein duales Studium an der DHBW?

Die Regelstudienzeit im Bachelor beträgt drei Jahre (§ 5 Abs. 2 StuPrO). Der Prüfungsanspruch erlischt, wenn die Leistungen nicht innerhalb von fünf Jahren seit Studienbeginn erbracht sind (§ 5 Abs. 3). Bei anderen Trägern steht die Dauer in der jeweiligen Studienordnung.

Wo finde ich die Versuchszahl für mein duales Programm?

In der Prüfungsordnung der Hochschule und in der Versuchsregeln-Datenbank. Die DHBW etwa erlaubt eine Wiederholung und in Theoriemodulen einmal pro Studienjahr eine zweite Wiederholungsprüfung (§§ 39, 42 StuPrO).

Quellen

Dieses Portal informiert, ersetzt aber keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei einer laufenden Frist oder einer schwierigen Entscheidung hilft eine kurze Rücksprache mit dem AStA oder einem Anwalt für Prüfungsrecht mehr als jeder Artikel.