Lehramt endgültig nicht bestanden: Fach oder ganzes Studium?

Stand: 18. Oktober 2026

Ob ein endgültig nicht bestandenes Modul nur ein Fach oder das ganze Lehramtsstudium beendet, steht in der Prüfungsordnung Deiner Hochschule, und die fällt je nach Land unterschiedlich aus. An der Universität zu Köln ist mit dem letzten Fehlversuch „das Studium endgültig nicht bestanden“ (§ 20 Abs. 1 S. 8 der Gemeinsamen Prüfungsordnung). In Paderborn gilt die Masterprüfung als endgültig nicht bestanden, sofern die Besonderen Bestimmungen Deines Fachs keine Kompensation oder Abwahl des Moduls vorsehen (§ 27 Abs. 2 der Allgemeinen Bestimmungen). Im Staatsexamens-Land Bayern wiederholst Du die Erste Staatsprüfung höchstens einmal, und zwar nur in den nicht bestandenen Fächern (§ 14 LPO I).

Das Wichtigste in Kürze

  • Köln: Ein Pflichtmodul, das nach allen regulären und zusätzlichen Versuchen nicht bestanden ist, beendet den Lehramts-Bachelor insgesamt und führt zur Exmatrikulation. Die Ordnung nennt keinen Fachwechsel als Ausweg.
  • Paderborn: Die Wiedereinschreibung wird abgelehnt, wenn Du in einem der gewünschten Unterrichtsfächer oder in den Bildungswissenschaften endgültig gescheitert bist (§ 5 Abs. 4 Nr. 2). Die Sperre knüpft also an das Fach an.
  • Bayern (Staatsexamen): Die Erste Staatsprüfung kann einmal wiederholt werden, spätestens zum übernächsten Termin.
  • Gegen den Bescheid läuft eine Monatsfrist ab Bekanntgabe: in 14 Ländern per Widerspruch, in Berlin per Klage, in Bayern nach Wahl.

Staatsexamen oder Bachelor/Master: Was in Deinem Land gilt

Die Kultusministerkonferenz führt im „Sachstand in der Lehrkräftebildung“ (Stand 01.06.2026) für jedes Land auf, welche Lehramtstypen mit der Ersten Staatsprüfung und welche mit dem Master of Education enden.

ModellLänder
Staatsexamen für alle LehramtstypenSachsen
Staatsexamen, nur das Lehramt an beruflichen Schulen als MasterBayern, Hessen
Überwiegend Staatsexamen, daneben Master für berufliche Schulen und Quereinstiegs-MasterMecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt
Beide Modelle parallelSaarland (Gymnasium und berufliche Schulen), Thüringen (Staatsexamen in Jena, Bachelor/Master in Erfurt)
Nur Bachelor/MasterBaden-Württemberg (Staatsexamen für das Gymnasium bis 31.07.2025 ausgelaufen), Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein

Das Modell bestimmt, wer Deine Prüfungen regelt. In den Bachelor/Master-Ländern gilt für alles die Prüfungsordnung der Hochschule im Rahmen des Landeshochschulgesetzes. In den Staatsexamens-Ländern regelt die Lehramtsprüfungsordnung des Landes die Staatsprüfung, die Hochschule nimmt die Studienleistungen davor ab. In Bayern setzt die Zulassung zur Staatsprüfung ein Studium mit nachgewiesenen Leistungspunkten voraus (§ 22 Abs. 1 und 2 LPO I).

Bachelor und Master: Beispiele aus Köln und Paderborn

Beide Universitäten liegen in Nordrhein-Westfalen und regeln den Fall verschieden.

Universität zu KölnUniversität Paderborn
OrdnungGemeinsame Prüfungsordnung Bachelor/Lehramt vom 04.08.2022, Lesefassung mit Änderungsstand 28.05.2026Allgemeine Bestimmungen Master Lehramt an Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen, Verkündungsblatt 131.22 vom 31.05.2022
Versuche je Modulbis zu drei, dazu Zusatzversuche (§ 20 Abs. 1)zwei Wiederholungen, also drei Versuche (§ 25 Abs. 2)
Folge des letzten Fehlversuchs„das Studium endgültig nicht bestanden mit der Folge der Exmatrikulation aus dem Studiengang“ (§ 20 Abs. 1 S. 8)Masterprüfung endgültig nicht bestanden, wenn ein Modul endgültig nicht bestanden ist und keine Kompensation oder Abwahl möglich ist (§ 27 Abs. 2)
Neue Einschreibungversagt im gewählten Studiengang und in Studiengängen mit erheblicher inhaltlicher Nähe (§ 15 Abs. 3 S. 2)abgelehnt, wenn in einem der gewünschten Unterrichtsfächer oder im bildungswissenschaftlichen Studium endgültig nicht bestanden (§ 5 Abs. 4 Nr. 2)

Köln: ein Studiengang, mehrere Studienbereiche

Der Kölner Lehramts-Bachelor ist ein einziger Studiengang. Für das Gymnasiallehramt umfasst er zwei Unterrichtsfächer mit je 69 Leistungspunkten, Bildungswissenschaften (18), Praxisphasen (12) und die Bachelorarbeit (12; § 5c Abs. 1). Die Prüfungsordnung legt die Grundsätze für alle diese Studienbereiche fest (§ 1 Abs. 1 S. 2). Sind die Versuche eines Moduls aufgebraucht, nennt § 20 Abs. 1 S. 8 als Folge das Studium, nicht das Fach.

Vorher gibt es Zusatzversuche: Im gesamten Studium bleiben bis zu drei Fehlversuche unberücksichtigt, ein weiterer ab 140 Leistungspunkten, solange der Abschluss noch erreichbar ist (§ 20 Abs. 1 S. 4 bis 7). Nach dem Wortlaut kannst Du sie auf ein einziges Modul konzentrieren. Rechnerisch sind das dann bis zu sieben Versuche – drei reguläre, drei zusätzliche und einer ab 140 Leistungspunkten. Nach dem dritten Fehlversuch teilt der Vorsitzende des Gemeinsamen Prüfungsausschusses schriftlich mit, ob Zusatzversuche gewährt werden (§ 20 Abs. 2). Sie entfallen, wenn einer der Versuche wegen Täuschung nicht bestanden wurde (§ 20 Abs. 4), und gelten nicht für die Bachelorarbeit.

Einen Fachwechsel als Ausweg sieht die Ordnung in den gelesenen §§ 15 und 20 nicht vor. Möglich ist nur, nach einer erfolglosen Prüfung einmal das Wahlpflichtmodul innerhalb derselben Gruppe zu wechseln (§ 15 Abs. 9). Wer alle Versuche in einem Modul verbraucht hat, kann es nicht mehr wechseln. Die Einschreibungssperre knüpft am Wortlaut an den Studiengang an, nicht an das Fach. Ob die Hochschule bei einer anderen Fächerkombination anders entscheidet, steht nicht in der Ordnung. Schick dem Prüfungsamt eine schriftliche Anfrage.

Paderborn: Modul, Kompensation, Fach

In Paderborn ist ein Modul endgültig nicht bestanden, wenn die Prüfung nicht mehr wiederholt werden kann (§ 25 Abs. 2). Die Besonderen Bestimmungen für das bildungswissenschaftliche Studium und die Unterrichtsfächer dürfen Kompensation oder Abwahl vorsehen. Dann endet die Masterprüfung erst, wenn sich das Modul nicht kompensieren und nicht abwählen lässt (§ 27 Abs. 2 S. 2). Dasselbe gilt für ein endgültig nicht bestandenes Praxissemester. Die letzte Wiederholung einer Klausur kannst Du auf Wunsch mündlich ablegen, sofern die Besonderen Bestimmungen das vorsehen; bewertet wird dann nur mit 4,0 oder 5,0 (§ 25 Abs. 4).

Die Sperre ist fachbezogen – anders als in Köln. Die Einschreibung wird abgelehnt, wenn Du in einem der gewünschten Unterrichtsfächer oder im bildungswissenschaftlichen Studium in diesem Lehramtstyp (Master oder entsprechendes Staatsexamen) an einer Hochschule im Geltungsbereich des Grundgesetzes endgültig gescheitert bist (§ 5 Abs. 4 Nr. 2). Ein Studium mit anderen Unterrichtsfächern bleibt nach dem Wortlaut möglich, das gescheiterte Fach bleibt gesperrt.

Staatsexamen: das Beispiel Bayern

In Bayern führt das Staatsministerium die Erste Staatsprüfung durch (§ 7 Abs. 1 LPO I). Eine Prüfung, die nicht bestanden ist oder als nicht bestanden gilt, kann einmal wiederholt werden, spätestens zum übernächsten Termin, bei nur jährlicher Durchführung zum nächsten (§ 14 Abs. 1 S. 1 und 2). Die Wiederholung beschränkt sich auf die nicht bestandenen Fächer (§ 14 Abs. 2 S. 1). Wer die Frist überschreitet, kann nicht mehr wiederholen (§ 14 Abs. 1 S. 4). Wer nach der Zulassung zurücktritt oder der Aufforderung zur Prüfung nicht folgt, hat sie abgelegt und nicht bestanden (§ 17 Abs. 1).

Ein Freiversuch ist möglich – unter engen Bedingungen. Legst Du die Prüfung für Grund-, Mittel- oder Realschulen spätestens im Termin nach der Vorlesungszeit des siebten Hochschulsemesters erstmals ab (Gymnasium und Sonderpädagogik: des neunten) und bestehst in allen Fächern nicht, gilt sie als nicht abgelegt (§ 16 Abs. 1 S. 1). Bei gemischtem Ergebnis gilt das auf Antrag, der spätestens zwei Wochen nach Zugang der Ergebnismitteilung beim Prüfungsamt sein muss (§ 16 Abs. 1 S. 2 und 3).

Nach endgültigem Nichtbestehen versagt das Prüfungsamt die Zulassung, wenn die Prüfung in einem gemeldeten Fach mit gleichen Anforderungen endgültig nicht bestanden wurde (§ 22 Abs. 7 S. 1 Nr. 4). Ist die Prüfung in Erziehungswissenschaften endgültig nicht bestanden, scheidet jede Fächerverbindung dieses Lehramts aus (§ 22 Abs. 7 S. 3). Hessen, Sachsen und die übrigen Staatsexamens-Länder haben eigene Lehramtsprüfungsordnungen, die dieser Artikel nicht auswertet. Lies dort die Abschnitte zu Wiederholung, Zulassung und Rücktritt.

Versuche und Hochschulwechsel

Wie viele Versuche Du hast, steht in der Prüfungsordnung Deiner Hochschule, meist im Allgemeinen Teil und in den Fachanhängen. Die Versuchsregeln-Datenbank nennt sie für 182 Hochschulen mit Ordnung und Paragraph (Stand: Oktober 2026). Die mündliche Ergänzungsprüfung als Rettung vor dem letzten Fehlversuch beschreibt der Artikel zum Jokerversuch.

76 von 182 Hochschulen der Versuchsregeln-Datenbank rechnen Fehlversuche von anderen Hochschulen ausdrücklich an; bei den übrigen 106 ist die Anrechnung nicht geregelt, nur hochschulintern geregelt oder nicht belegt (Stand: Oktober 2026). Ein Hochschulwechsel setzt Fehlversuche also nicht automatisch zurück. Ob Deine Zielhochschule dazugehört, steht in ihrer Prüfungsordnung. Mehr dazu in Uni-Wechsel vor dem Drittversuch.

Der Bescheid und die Frist

Den Bescheid über das endgültige Nichtbestehen erhältst Du mit Rechtsbehelfsbelehrung. In Köln wird er förmlich an die im Campus-Management-System hinterlegte Postadresse zugestellt oder elektronisch zugesandt (§ 19 Abs. 2), in Paderborn schriftlich erteilt (§ 27 Abs. 3). Halte Deine Adresse dort aktuell.

Zuerst die zwei Sonderfälle: In Berlin gibt es keinen Widerspruch in Hochschulangelegenheiten (§ 42 Abs. 2 LOG Berlin), Du klagst innerhalb eines Monats ab Bekanntgabe (§ 74 Abs. 1 S. 2 VwGO). In Bayern hast Du die Wahl zwischen Widerspruch und Klage (Art. 12 Abs. 1 S. 1 Nr. 6 AGVwGO). Für 14 Länder gilt der Widerspruch gegen den Prüfungsbescheid, innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe (§ 70 Abs. 1 VwGO). Welcher Fall auf Dich zutrifft, zeigt die Rechtsbehelfsbelehrung; die Rechtslage Deines Landes steht auf der Seite Deines Bundeslands. Die Schritte zeigt die Anleitung zum Widerspruch, die Frist rechnet der Fristenrechner.

Bei der bayerischen Staatsprüfung kannst Du zusätzlich beim Prüfungsamt schriftlich Einwendungen erheben, spätestens einen Monat nach Aushändigung des Zeugnisses oder der Bescheinigung (§ 19 Abs. 1 LPO I). Diese Einwendungen wahren die Frist für den Verwaltungsrechtsweg nicht (§ 19 Abs. 6).

Wege nach dem endgültigen Nichtbestehen

Das klärst Du schriftlich mit dem Prüfungsamt

  1. Gehören meine beiden Fächer, die Bildungswissenschaften und die Praxisphasen zu einem Studiengang oder zu mehreren?
  2. Wie viele Versuche hat das Modul, und gibt es Zusatzversuche?
  3. Sieht die Ordnung für mein Fach Kompensation oder Abwahl vor?
  4. Gilt die Einschreibungssperre für das Fach, den Studiengang oder auch für verwandte Studiengänge?
  5. An welche Adresse und in welcher Form wird der Bescheid zugestellt?

Die Konstellationen im Überblick

KonstellationFolge nach den gelesenen OrdnungenWeg
WahlpflichtmodulKöln: einmaliger Wechsel innerhalb der Gruppe nach erfolgloser Prüfung (§ 15 Abs. 9); Zusatzversuche nur im selben Modul (§ 20 Abs. 3)Wechsel vor dem letzten Versuch nutzen
BildungswissenschaftenPaderborn: Sperre im bildungswissenschaftlichen Studium (§ 5 Abs. 4 Nr. 2); Bayern: Zulassung für jede Fächerverbindung des Lehramts ausgeschlossen (§ 22 Abs. 7 S. 3 LPO I)Wechsel des Lehramtstyps oder Studiengangs prüfen
PraxisphasePaderborn: Praxissemester endgültig nicht bestanden, Masterprüfung endgültig nicht bestanden (§ 27 Abs. 2)Ordnung für das Praxissemester lesen

Häufige Fragen

Beendet ein endgültig nicht bestandenes Modul mein ganzes Lehramtsstudium?

In Köln ja – nach dem letzten Fehlversuch ist das Studium endgültig nicht bestanden (§ 20 Abs. 1 S. 8 der Gemeinsamen Prüfungsordnung). In Paderborn endet die Masterprüfung, wenn keine Kompensation oder Abwahl des Moduls möglich ist (§ 27 Abs. 2). Wie es bei Dir ist, steht in Deiner Prüfungsordnung.

Ist Lehramt überall ein Staatsexamen?

Nein. Nach dem KMK-Sachstand (Stand 01.06.2026) enden in Sachsen alle Lehramtstypen mit der Ersten Staatsprüfung, in Bayern und Hessen alle außer dem Lehramt an beruflichen Schulen. In neun Ländern gibt es nur Bachelor und Master.

Kann ich das Fach wechseln, wenn ein Modul endgültig nicht bestanden ist?

Das regelt die Ordnung Deiner Hochschule. In Köln ist nur der Wechsel zwischen Wahlpflichtmodulen vorgesehen. In Paderborn knüpft die Einschreibungssperre an das gescheiterte Fach an, andere Unterrichtsfächer bleiben nach dem Wortlaut möglich.

Wie viele Versuche habe ich im Lehramtsfach?

Die Datenbank führt für 131 von 182 Hochschulen drei Versuche je Prüfung (Stand: Oktober 2026), so auch Köln und Paderborn. Köln gewährt zusätzlich bis zu drei Zusatzversuche im ganzen Studium und einen weiteren ab 140 Leistungspunkten. Deine Hochschule findest Du in der Versuchsregeln-Datenbank.

Was gilt beim Staatsexamen?

In Bayern kannst Du die Erste Staatsprüfung einmal wiederholen, in den nicht bestandenen Fächern und spätestens zum übernächsten Termin (§ 14 LPO I). Andere Staatsexamens-Länder regeln das in ihrer eigenen Lehramtsprüfungsordnung.

Wie lange habe ich Zeit, gegen den Bescheid vorzugehen?

Einen Monat ab Bekanntgabe (§ 70 Abs. 1 VwGO). Ein per Post versandter Bescheid gilt in den meisten Ländern am vierten Tag nach der Aufgabe zur Post als bekannt gegeben. Der Fristenrechner rechnet mit dem Wert Deines Landes.

Quellen

Dieses Portal informiert, ersetzt aber keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei einer laufenden Frist oder einer schwierigen Entscheidung hilft eine kurze Rücksprache mit dem AStA oder einem Anwalt für Prüfungsrecht mehr als jeder Artikel.