Jura: Zwischenprüfung, Schwerpunkt endgültig nicht bestanden

Stand: 18. Oktober 2026

Ein Buch zum Verwaltungsrecht steht in einem Bücherregal.

Das endgültige Nichtbestehen von Zwischenprüfung und Schwerpunkt hat verschiedene Rechtsfolgen. Scheiterst Du endgültig an der Zwischenprüfung, ist Dein Prüfungsanspruch im Studiengang erloschen. Das ist Hochschulrecht, und ob eine Neueinschreibung gesperrt ist, hängt am Hochschulgesetz des Landes. Scheiterst Du endgültig am Schwerpunkt, ist die Erste Prüfung nicht bestanden; das regelt das Landesrecht, in Bayern etwa § 40 Abs. 2 und § 36 Abs. 1 JAPO. Beide Prüfungen nimmt die Hochschule ab, nicht das Justizprüfungsamt. Die Pflichtfachprüfung beim Justizprüfungsamt behandelt Jura: Staatsexamen endgültig nicht bestanden.

Zwischenprüfung: Regeln der Fakultät

Die Zwischenprüfung folgt der Studien- oder Prüfungsordnung der Fakultät, das Land gibt nur den Rahmen vor. Ein Beispiel aus Nordrhein-Westfalen: Du musst in jedem der drei Pflichtfächer eine Aufsichtsarbeit bestehen, im Fall des Nichtbestehens kann sie bis zu zweimal je Pflichtfach wiederholt werden (§ 28 Abs. 2 JAG NRW). Wann die Zwischenprüfung in der Regel abzulegen ist, bestimmt die Prüfungsordnung der Universität (§ 28 Abs. 4 Nr. 2), eine Zahl im Gesetz gibt es nicht. Sie bleibt trotzdem folgenreich. Ohne bestandene Zwischenprüfung wirst Du in Nordrhein-Westfalen nicht zur Pflichtfachprüfung zugelassen (§ 7 Abs. 1 Nr. 2 JAG NRW). Auch das hessische Merkblatt führt den Nachweis unter den Zulassungsunterlagen auf.

Die nordrhein-westfälischen Aufsichtsarbeiten betreffen das Bürgerliche Recht, das Strafrecht sowie das Staatsrecht und allgemeine Verwaltungsrecht, dauern mindestens drei Stunden und behandeln einen einfach gelagerten Fall; für die Zulassung dürfen die Studienordnungen höchstens drei Prüfungsleistungen je Pflichtfach verlangen (§ 28 Abs. 2 JAG NRW). In Brandenburg zählt die bestandene Zwischenprüfung nach der Zwischenprüfungsordnung eines juristischen Fachbereichs einer Universität im Bundesgebiet zu den Zulassungsvoraussetzungen (§ 6 Abs. 1 Nr. 3 BbgJAG). Leistungen aus einem Studium außerhalb Brandenburgs werden anerkannt, wenn sie gleichwertig sind, und die Universität, an der Du weiterstudierst, entscheidet darüber (§ 4 BbgJAG).

Wann sie endgültig nicht bestanden ist, regelt die Ordnung. An der Bucerius Law School ist das der Fall, sobald ausgeschlossen ist, dass die erforderlichen Leistungskontrollen noch bestanden werden können (§ 29 Abs. 1 S. 3 SPO, Fassung ab Jahrgang 2026). Prüfe deshalb Deine eigene Ordnung, bevor Du von einem Ende ausgehst.

Schwerpunktbereich: Teil der Ersten Prüfung

Die universitäre Schwerpunktbereichsprüfung fließt mit 30 Prozent in die Gesamtnote der Ersten Prüfung ein (§ 5d Abs. 2 DRiG). Wie oft Du sie wiederholen kannst, regelt das Landesrecht und die Ordnung der Universität. In Bayern kann jede Prüfungsleistung, die schlechter als 4,0 Punkte bewertet wurde, einmal wiederholt werden. Eine weitere Wiederholung ist auch nach erneutem Studium nicht möglich (§ 40 Abs. 2 JAPO). Wer die Universitätsprüfung zwischenzeitlich endgültig nicht bestanden hat, kann die Staatsprüfung nicht mehr wiederholen (§ 36 Abs. 1 S. 1 JAPO). In Nordrhein-Westfalen bestimmt die Prüfungsordnung der Universität die Voraussetzungen der Wiederholung (§ 28 Abs. 4 Nr. 5 JAG NRW). An der Bucerius Law School sind die nicht bestandenen Teile einmal wiederholbar (§ 71 Abs. 1 SPO). Eine einheitliche Zahl für alle Länder gibt es nicht.

LandUmfang des StudiumsPrüfungsleistungenWiederholungNorm
Bayern12 bis 14 Semesterwochenstundenzwei bis drei, darunter eine wissenschaftliche Arbeit (vier bis sechs Wochen) und eine Aufsichtsarbeit (fünf Stunden) oder mündliche Prüfung; nicht bestanden bei Gesamtnote schlechter als 4,00jede Leistung einmal§§ 39, 40 JAPO
Nordrhein-Westfalen14 Semesterwochenstundenhäusliche Arbeit, bis zu drei Aufsichtsarbeiten, mündliche LeistungOrdnung der Universität§ 28 Abs. 3 und 4 JAG NRW
Brandenburg–höchstens drei, darunter eine Hausarbeit; die Universität muss das Ablegen in jedem Semester ermöglichen–§ 5 BbgJAG

Die Universität gibt das Nichtbestehen schriftlich bekannt (in Bayern § 42 S. 2 JAPO), und gegen diesen Bescheid läuft eine eigene Rechtsbehelfsfrist. Weil die Universität entscheidet und nicht das Justizprüfungsamt, bestimmt das Hochschulrecht Deines Landes den Rechtsbehelf. In 14 Ländern ist es der Widerspruch, in Berlin entfällt er (§ 42 Abs. 2 LOG Berlin) und es bleibt die Klage binnen eines Monats ab Bekanntgabe, in Bayern entscheidest Du Dich zwischen beiden (Art. 12 Abs. 1 S. 1 Nr. 6 AGVwGO). Wo es den Widerspruch gibt, erhebst Du ihn binnen eines Monats nach Bekanntgabe (§ 70 Abs. 1 VwGO). Welcher Weg bei Dir gilt, steht in der Rechtsbehelfsbelehrung.

Freiversuch betrifft die Pflichtfachprüfung

Der Freiversuch gilt für die staatliche Pflichtfachprüfung. In Bayern gilt sie als nicht abgelegt, wenn Du sie nach ununterbrochenem Studium spätestens im Termin nach dem achten Semester erstmals vollständig ablegst und nicht bestehst (§ 37 Abs. 1 JAPO). Für den Schwerpunkt hängt daran eine Besonderheit. Hast Du alle Prüfungsleistungen der Universitätsprüfung spätestens sechs Monate nach dem schriftlichen Teil der Freiversuchs-Staatsprüfung mindestens einmal abgelegt, kannst Du eine schlechter als 4,0 bewertete studienabschließende Leistung ein weiteres Mal wiederholen (§ 41 JAPO). Die Semestergrenzen anderer Länder stehen in Jura-Examen im anderen Bundesland wiederholen?.

Hochschulwechsel und Sperre

Ob die neue Fakultät Fehlversuche im Schwerpunkt anrechnet, regelt ihre Schwerpunktbereichsprüfungsordnung. Bei der Einschreibung musst Du Fehlversuche angeben (Folgen des Verschweigens). Unsere Versuchsregeln-Datenbank umfasst 182 Hochschulen. 76 davon rechnen Fehlversuche von anderen Hochschulen ausdrücklich an, bei den übrigen 106 ist die Anrechnung nicht geregelt, nur hochschulintern geregelt oder nicht belegt (Stand Oktober 2026). Mit dem Wechsel allein setzt Du Fehlversuche daher nicht automatisch zurück, und zu welcher Gruppe Deine Zielfakultät gehört, steht in ihrer Ordnung. Für die Bucerius Law School etwa enthält die Datenbank keine ausdrückliche Anrechnungsregel. Die Mechanik beschreibt Uni-Wechsel vor dem Drittversuch.

Nach einem endgültigen Nichtbestehen kommt die Sperre dazu. Ob sie verwandte Studiengänge erfasst, regelt das Hochschulgesetz des Landes der Zielhochschule auf drei Arten: direkt im Gesetz, nur per Prüfungsordnung oder gar nicht (Tabelle in Prüfungsanspruch verloren). Was als „verwandt“ gilt, klärt Verwandter Studiengang.

Drei Schritte zur Klärung

  1. Ordne die Prüfung ein: Zwischenprüfung, Schwerpunkt oder staatliche Pflichtfachprüfung. Steht im Bescheid die Prüfungsordnung der Fakultät, ist es eine Hochschulprüfung, steht dort das Justizprüfungsamt, die Pflichtfachprüfung.
  2. Lies die Ordnung Deiner Fakultät zu Wiederholung und endgültigem Nichtbestehen. Die Versuchszahlen mehrerer Hochschulen findest Du in der Versuchsregeln-Datenbank, maßgeblich bleibt der Text Deiner Ordnung.
  3. Prüfe den Bescheid auf Fehler, bevor Du ihn hinnimmst. Der Rechtsbehelf gegen Hochschulbescheide richtet sich nach Landesrecht und steht in der Rechtsbehelfsbelehrung (Anleitung zum Widerspruch). Wenn nichts mehr zu retten ist, zeigt Jura durchgefallen: Deine Alternativen die Wege daneben.

Häufige Fragen

Ist die Zwischenprüfung dasselbe wie das Erste Staatsexamen?

Nein. Die Zwischenprüfung ist eine Hochschulprüfung nach der Ordnung der Fakultät, die Pflichtfachprüfung des Ersten Examens nimmt das Justizprüfungsamt des Landes ab. Die Zwischenprüfung ist aber Zulassungsvoraussetzung, in Nordrhein-Westfalen nach § 7 Abs. 1 Nr. 2 JAG NRW.

Gehört der Schwerpunktbereich zum Staatsexamen?

Er ist Teil der Ersten Prüfung und zählt 30 Prozent (§ 5d Abs. 2 DRiG), wird aber von der Universität geprüft. Für Wiederholung und Fristen gilt deshalb ihre Ordnung im Rahmen des Landesrechts.

Wie oft kann ich den Schwerpunkt wiederholen?

Das regelt das Landesrecht und die Ordnung der Universität. In Bayern kann jede Prüfungsleistung der Universitätsprüfung einmal wiederholt werden (§ 40 Abs. 2 JAPO), an der Bucerius Law School können nicht bestandene Teile einmal wiederholt werden (§ 71 Abs. 1 SPO). Frag für Deine Hochschule im Prüfungsamt nach.

Kann ich nach dem endgültig nicht bestandenen Schwerpunkt an einer anderen Universität neu anfangen?

In Bayern nicht: Eine weitere Wiederholung der Prüfungsleistungen ist auch nach einem erneuten Studium ausgeschlossen (§ 40 Abs. 2 S. 2 JAPO). Für andere Länder gilt ihr Landesrecht, und mit dem Wechsel allein setzt Du Fehlversuche nicht automatisch zurück. Auskunft gibt das Justizprüfungsamt Deines Landes.

Kann ein Uni-Wechsel eine gescheiterte Zwischenprüfung retten?

Ein Wechsel setzt Fehlversuche nicht automatisch zurück. Ob die neue Hochschule sie anrechnet, steht in ihrer Prüfungsordnung (Uni-Wechsel vor dem Drittversuch). Nach dem endgültigen Nichtbestehen greift außerdem die Sperre für eine Neueinschreibung im Studiengang.

Quellen

Dieses Portal informiert, ersetzt aber keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei einer laufenden Frist oder einer schwierigen Entscheidung hilft eine kurze Rücksprache mit dem AStA oder einem Anwalt für Prüfungsrecht mehr als jeder Artikel.