Jura: Staatsexamen endgültig nicht bestanden

Stand: 18. Oktober 2026

Ein Buch zum Verwaltungsrecht steht in einem Bücherregal.

Das Erste Juristische Examen besteht aus der staatlichen Pflichtfachprüfung und der universitären Schwerpunktbereichsprüfung (§ 5d Abs. 2 DRiG). Die Pflichtfachprüfung kann einmal wiederholt werden (§ 5d Abs. 5 S. 1 DRiG). Besteht auch die Wiederholung nicht, ist sie endgültig nicht bestanden, in Bayern auch nach einem erneuten Studium (§ 36 Abs. 1 JAPO). Zählende Versuche sind der Erstversuch und die eine Wiederholung. Ein Freiversuch davor gilt bei Nichtbestehen als nicht unternommen; mehr Versuche sieht das Bundesrecht nicht vor. Wie ein Wechsel des Bundeslandes behandelt wird, regelt jedes Land selbst, die belegten Fälle stehen in Jura-Examen im anderen Bundesland wiederholen?.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Erste Prüfung besteht aus Pflichtfachprüfung (70 Prozent der Gesamtnote) und Schwerpunktbereichsprüfung (30 Prozent); bestanden ist sie erst, wenn beide bestanden sind (§ 5d Abs. 2 DRiG).
  • Die Pflichtfachprüfung ist einmal wiederholbar. Der Freiversuch (Bayern: Termin nach dem achten Semester, § 37 Abs. 1 JAPO) zählt bei Nichtbestehen nicht mit.
  • Ein Ortswechsel nach einem Fehlversuch ist an Bedingungen geknüpft. Bayern verlangt unzumutbare Härte und die Zustimmung der Prüfungsbehörde des anderen Landes (§ 36 Abs. 5 JAPO).
  • Gegen den Bescheid richtet sich der Rechtsbehelf nach Landesrecht und steht in der Rechtsbehelfsbelehrung; die Frist beträgt bei einem Widerspruch einen Monat.

Aufbau, Versuche und Freiversuch

PrüfungsteilWer prüftWiederholung und FreiversuchBeleg
Staatliche PflichtfachprüfungJustizprüfungsamt des Landeseine Wiederholung; Freiversuch gilt bei Nichtbestehen als nicht unternommen§ 5d Abs. 5 DRiG; Bayern § 36, § 37 JAPO
Universitäre SchwerpunktbereichsprüfungUniversitätnach der Prüfungsordnung der Hochschule; Bayern: jede Prüfungsleistung einmal§ 5d Abs. 2 DRiG; Bayern § 40 Abs. 2 JAPO

In Bayern greift der Freiversuch, wenn Du die Pflichtfachprüfung nach ununterbrochenem Studium spätestens im Termin nach dem Vorlesungsschluss des achten Semesters erstmals vollständig ablegst und nicht bestehst (§ 37 Abs. 1 JAPO). Die Prüfung gilt dann als nicht abgelegt, und Dir bleiben Normalversuch und Wiederholung. Die Semestergrenzen anderer Länder stehen in der Tabelle im nächsten Abschnitt.

Auch die Reihenfolge zählt: Die Wiederholung der Staatsprüfung setzt in Bayern voraus, dass Du nicht zwischenzeitlich die universitäre Prüfung endgültig nicht bestanden hast (§ 36 Abs. 1 S. 1 JAPO). In Nordrhein-Westfalen erlässt der Vorsitzende auf Antrag die Aufsichtsarbeiten der Wiederholung, wenn sie zuvor im Durchschnitt mit mindestens 4,00 Punkten bewertet wurden. Den Antrag stellst Du spätestens mit der Meldung zur Wiederholungsprüfung (§ 24 Abs. 3 JAG NRW). Wer die Pflichtfachprüfung endgültig nicht besteht, erwirbt keine Befähigung zum Richteramt, denn die setzt die bestandene erste Prüfung und den anschließenden Vorbereitungsdienst voraus (§ 5 Abs. 1 DRiG). Was bei Zwischenprüfung und Schwerpunkt gilt, steht in Zwischenprüfung oder Schwerpunkt endgültig nicht bestanden.

Freiversuch und Wiederholung in den Ländern

Das Bundesrecht gibt den Rahmen vor, die Grenzen für den Freiversuch und das Verfahren der Wiederholung bestimmen die Länder. Die Tabelle nennt Rechtsvorschriften und Hinweise der Prüfungsämter in der Fassung vom 17.10.2026. Für die übrigen Länder gilt das Recht des jeweiligen Justizprüfungsamts, das Du dort erfragst.

LandFreiversuchWiederholung und BesonderheitenFundstelle
BayernPrüfungstermin nach Vorlesungsschluss des 8. Semesterseinmal; bei verstrichener Meldefrist noch Meldung bis zum dritten Werktag nach Erhalt des Bescheids; anderer Vorsitzender der Prüfungskommission§§ 26, 36, 37 BayJAPO
Nordrhein-WestfalenMeldung bis zum Abschluss des 8. Fachsemesterseinmal; Wechsel des Prüfungsamts nur mit Zustimmung beider Ämter, auch nach einem Freiversuch§§ 24, 25 JAG NRW
SachsenPrüfungstermin nach Vorlesungsschluss des 9. Semesters (Studienbeginn ab 01.10.2020; davor 8.)einmal; frühestens nach einem weiteren Semester; Notenverbesserung 500 €, entfällt nach bestandenem Freiversuch§§ 29 bis 31 SächsJAPO
Baden-WürttembergPrüfung spätestens in der am Ende des achten Semesters beginnenden Staatsprüfung, bei ununterbrochenem Studium und vollständig erbrachten Prüfungsleistungen (§ 22 Abs. 1 JAPrO)Bei der Wiederholung kann ein Wechsel bei hinreichendem Grund gestattet werden (§ 21 Abs. 3 JAPrO); nach erfolglosem Freiversuch laut den Hinweisen des Landesjustizprüfungsamts kein Genehmigungsvorbehalt beim OrtswechselHinweise des Landesjustizprüfungsamts, Stand Juli 2025
HessenZulassung spätestens nach dem Ende der Vorlesungszeit des 8. FachsemestersWechsel des Prüfungsamts nach Nichtbestehen bei einem anderen Amt nur aus wichtigem Grund und mit Einverständnis des anderen Amts; entsprechend, wenn die Prüfung dort als Freiversuch gilt§§ 20, 21 JAG Hessen
NiedersachsenZulassung zum Prüfungsdurchgang nach dem 8. Fachsemester oder frühzeitig unter VoraussetzungenStaatsprüfungen einmal wiederholbar (§ 17 Abs. 1); keine Zulassung, wenn nach dem Recht des bisherigen Studienorts der Prüfungsanspruch verloren ist (§ 4 Abs. 4)§§ 4, 17, 18 NJAG, zuletzt geändert 28.04.2026
BrandenburgKampagne nach Vorlesungsschluss des 8. Fachsemesterseinmal und nur insgesamt; Wechsel des Prüfungsamts nur aus wichtigem Grund und mit Zustimmung beider Ämter§ 7 Abs. 3 BbgJAG; §§ 12, 13 BbgJAO
BerlinMeldung spätestens zur Prüfungskampagne nach Vorlesungsschluss des 8. Fachsemesters (§ 13 Abs. 1 JAO)danach noch Normal- und Wiederholungsversuch (Hinweisseite der Senatsverwaltung)Berliner Juristenausbildungsordnung (JAO) vom 04.08.2003, § 13
HamburgZulassungsantrag spätestens einen Monat vor Ende des 8. Semesters (12. Trimesters)für die folgende Prüfung gilt § 28 Abs. 3 HmbJAG§ 26 HmbJAG, nichtamtliche Lesefassung vom 08.06.2022
Schleswig-HolsteinMeldung bis zum Abschluss des 7. Fachsemesters, des 8., wenn die Schwerpunktbereichsprüfung bestanden istAntrag beim Justizprüfungsamt bis zum letzten Werktag im März oder September§ 22 JAVO, Seite des Justizprüfungsamts, Stand 27.02.2024
Bremen–einmal; Meldung nur binnen zwei Jahren nach Bekanntgabe des ErgebnissesService-Seite des Landes, aktualisiert 17.07.2025 (Grundlage JAPG)

Die Semester werden unterschiedlich gezählt. In Bayern und Sachsen entscheidet der Prüfungstermin, in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Schleswig-Holstein der Zeitpunkt der Meldung. Sachsen lässt den Freiversuch länger offen, Schleswig-Holstein beendet ihn früher. In den Ländern der Tabelle bleiben bestimmte Zeiten unberücksichtigt, etwa Mutterschutz, Elternzeit, schwere Krankheit, Auslandsstudium oder Gremienarbeit, und in mehreren Ländern ist die Summe auf vier Semester begrenzt (NRW § 25 Abs. 5, Sachsen § 29 Abs. 1 S. 6, Brandenburg § 13 Abs. 2 BbgJAO); in Bayern gelten Einzelobergrenzen je Grund (§ 37 Abs. 2 JAPO). Ein Freiversuch setzt ein ununterbrochenes Rechtsstudium voraus. In Baden-Württemberg entfällt er bei Unterbrechung oder Studiengangwechsel, es sei denn, die Gesamtzeit überschreitet acht Semester nicht.

Meldung zur Wiederholung

Nach dem Bescheid läuft die Meldung zur Wiederholung, und die Fristen sind kurz. In Bayern endet die Meldefrist vier Monate vor Beginn der Prüfung (§ 26 Abs. 1 JAPO). Hast Du den Bescheid erst nach Fristablauf erhalten, meldest Du Dich bis zum dritten Werktag nach Erhalt (§ 36 Abs. 2 S. 3 JAPO). Ist die Prüfung endgültig nicht bestanden, versagt Brandenburg die Zulassung (§ 4 Abs. 5 Nr. 2 BbgJAO). Nordrhein-Westfalen lässt Dich auch nach einem erneuten Studium nicht noch einmal zu, wenn Du in einem Land im Geltungsbereich des Deutschen Richtergesetzes endgültig durchgefallen bist (§ 24 Abs. 4 JAG NRW).

Bei der Meldung musst Du frühere Versuche offenlegen. Rheinland-Pfalz verlangt die Versicherung, dass Du Dich bisher bei keinem anderen Prüfungsamt zur Pflichtfachprüfung gemeldet hast, oder die Angabe, wann und wo (§ 3 Abs. 1 S. 2 Nr. 3 JAPO), Brandenburg ebenso, dazu das Ergebnis (§ 4 Abs. 2 BbgJAO). Falsche Angaben können die Zulassung kosten: Das Prüfungsamt kann sie zurücknehmen, wenn Du sie durch unrichtige Angaben erschlichen hast (§ 5 Abs. 3 Nr. 1 JAPO RP). Was das für Studierende bedeutet, die einen Fehlversuch verschweigen wollen, steht in Fehlversuche verschweigen: Folgen.

Ortswechsel und Härte

Die Härteklausel in § 36 Abs. 5 JAPO betrifft den Prüfungsort, nicht die Zahl der Versuche. Wer die Prüfung in einem anderen Land im Geltungsbereich des Deutschen Richtergesetzes einmal nicht bestanden hat, wird in Bayern nur zur Wiederholung zugelassen. Voraussetzung ist, dass die Ablegung dort eine unzumutbare Härte bedeuten würde und die Prüfungsbehörde des anderen Landes zustimmt. Beide Voraussetzungen müssen vorliegen. Es ist also die eine Wiederholung an einem anderen Ort, kein weiterer Versuch. Wer sich darauf berufen will, hält die Gründe früh und vollständig schriftlich fest und holt bei Bedarf anwaltlichen Rat ein.

Wie andere Länder den Wechsel regeln, zeigt die Ländertabelle im Mythos-Artikel; die Seiten der Bundesländer nennen die Normen für das Hochschulrecht. Wer nach dem Bescheid ein neues Studium sucht, findet Wege in Jura durchgefallen: Deine Alternativen.

Anfechtung beim Justizprüfungsamt

Die Justizprüfungsämter sind Landesbehörden, der Rechtsbehelf richtet sich deshalb nach Landesrecht und steht in der Rechtsbehelfsbelehrung des Bescheids. In Bayern hast Du bei personenbezogenen Prüfungsentscheidungen die Wahl zwischen Widerspruch und Klage (Art. 12 Abs. 1 S. 1 Nr. 6 AGVwGO). In Nordrhein-Westfalen entscheidet über einen Widerspruch der Vorsitzende des Justizprüfungsamts, bei Angriffen gegen die Bewertung nach einer Stellungnahme der beteiligten Prüfer (§ 27 JAG NRW). Wo ein Widerspruch statthaft ist, gilt die Monatsfrist ab Bekanntgabe (§ 70 Abs. 1 VwGO). Die Länderübersicht steht in der Anleitung zum Widerspruch, die Fristberechnung übernimmt der Fristenrechner.

Prüfungsrechtlich gibt es Landesbesonderheiten. In Nordrhein-Westfalen musst Du Einwendungen im Einzelnen und nachvollziehbar begründen, gegen schriftliche Aufsichtsarbeiten binnen sechs Monaten, gegen die mündliche Prüfung binnen eines Monats nach Bekanntgabe (§ 27a JAG NRW). Danach sind sie ausgeschlossen. Die Gründe der mündlichen Bewertung bekommst Du auf Antrag binnen einer Woche nach Verkündung, die Einsicht in die Prüfungsarbeiten beantragst Du binnen eines Monats (§ 23 JAG NRW). Typische Angriffspunkte sind die Bewertung einzelner Klausuren (Bewertungsfehler und Antwortspielraum) und Fehler im Ablauf der mündlichen Prüfung. Die Einsicht hemmt die Frist nicht (Klausureinsicht und Akteneinsicht).

So gehst Du vor:

  1. Bescheid und Rechtsbehelfsbelehrung lesen, Datum der Bekanntgabe notieren.
  2. Frist berechnen und im Zweifel zuerst fristwahrend handeln; in Nordrhein-Westfalen zusätzlich die Fristen aus § 23 und § 27a JAG NRW notieren.
  3. Einsicht in die Prüfungsarbeiten samt Gutachten beantragen.
  4. Einwände je Klausur und für die mündliche Prüfung schriftlich begründen.
  5. Das Überdenkungsverfahren nutzen und, je nach Land, Widerspruch oder Klage erheben (Ablauf und Kosten in Prüfungsanfechtung: Ablauf, Chancen und Kosten).

Wer jahrelang auf diesen Abschluss hingearbeitet hat, verliert mit dem Bescheid auch ein Berufsbild. Nur die Fristen dulden keinen Aufschub, alles andere kann ein paar Wochen warten. Für das Gespräch mit den Eltern hilft Scham, Eltern, Selbstwert.

Häufige Fragen

Kann ich mein Jura-Examen in einem anderen Bundesland neu versuchen?

Neu nicht: Die Pflichtfachprüfung kann nur einmal wiederholt werden, und der Ortswechsel nach einem Fehlversuch ist an Bedingungen geknüpft. Bayern verlangt unzumutbare Härte und die Zustimmung der Behörde des anderen Landes (§ 36 Abs. 5 JAPO). Die Länderübersicht steht im Mythos-Artikel.

Wie oft kann ich das Erste Examen wiederholen?

Die staatliche Pflichtfachprüfung einmal (§ 5d Abs. 5 S. 1 DRiG). In Bayern ist eine weitere Wiederholung auch nach einem erneuten Studium ausgeschlossen (§ 36 Abs. 1 S. 2 JAPO). Beim Schwerpunkt gilt die Prüfungsordnung der Hochschule; in Bayern kann jede Prüfungsleistung einmal wiederholt werden (§ 40 Abs. 2 JAPO).

Was ist der Unterschied zwischen Freiversuch und Härteklausel?

Der Freiversuch (Bayern: Termin nach dem achten Semester, § 37 Abs. 1 JAPO) lässt einen erfolglosen ersten Versuch als nicht abgelegt gelten. Die Härteklausel (§ 36 Abs. 5 JAPO) betrifft nur die Zulassung zur Wiederholung am neuen Ort nach einem Fehlversuch in einem anderen Land.

Was folgt aus dem endgültigen Nichtbestehen für das Referendariat?

Der Vorbereitungsdienst schließt an die bestandene erste Prüfung an, und erst beides zusammen vermittelt die Befähigung zum Richteramt (§ 5 Abs. 1 DRiG). Ohne bestandene erste Prüfung erwirbst Du sie nicht. Wege daneben beschreibt Jura durchgefallen: Deine Alternativen.

Bis wann muss ich gegen den Bescheid vorgehen?

Bei einem Widerspruch innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe (§ 70 Abs. 1 VwGO); welcher Rechtsbehelf gilt, steht in der Rechtsbehelfsbelehrung. In Nordrhein-Westfalen laufen zusätzlich die Fristen für Einwendungen (§ 27a JAG NRW).

Bis wann muss ich mich zur Wiederholung melden?

In Bayern endet die Meldefrist vier Monate vor Prüfungsbeginn; war sie beim Erhalt des Bescheids schon verstrichen, kannst Du Dich noch bis zum dritten Werktag nach Erhalt melden (§ 26 Abs. 1, § 36 Abs. 2 JAPO). In Bremen ist die Meldung nur binnen zwei Jahren nach Bekanntgabe des Ergebnisses zulässig. Für andere Länder fragst Du die Frist beim Justizprüfungsamt ab.

Bis zu welchem Semester gilt der Freiversuch?

In Bayern, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Brandenburg, Hamburg und Berlin hängt er am 8. Semester, in Sachsen am 9. (bei Studienbeginn ab 01.10.2020), in Schleswig-Holstein am 7. Fachsemester, am 8., wenn die Schwerpunktbereichsprüfung bestanden ist. Zeiten wie Mutterschutz oder schwere Krankheit werden herausgerechnet, die Einzelheiten stehen in der Tabelle oben.

Quellen

Dieses Portal informiert, ersetzt aber keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei einer laufenden Frist oder einer schwierigen Entscheidung hilft eine kurze Rücksprache mit dem AStA oder einem Anwalt für Prüfungsrecht mehr als jeder Artikel.