Jura-Examen im anderen Bundesland wiederholen?

Stand: 18. Oktober 2026

Das Erste Examen ist ein Landesexamen, aber kein Neustart im Nachbarland. Das Deutsche Richtergesetz erlaubt nur eine Wiederholung der staatlichen Pflichtfachprüfung (§ 5d Abs. 5 S. 1 DRiG), und wo die Länder den Ortswechsel nach einem Fehlversuch ausdrücklich regeln, binden sie ihn an Bedingungen. In Bayern müssen zwei Voraussetzungen zugleich vorliegen: unzumutbare Härte und Zustimmung der Prüfungsbehörde des anderen Landes (§ 36 Abs. 5 JAPO). Sachsen und Nordrhein-Westfalen haben eigene Normen, für die übrigen Länder steht unten nur, was sich belegen lässt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bundesrecht: Die staatliche Pflichtfachprüfung kann einmal wiederholt werden. Eine erfolglose Prüfung gilt als nicht unternommen, wenn Du Dich frühzeitig gemeldet und alle Prüfungsleistungen erbracht hast (Freiversuch); das Nähere regelt das Landesrecht (§ 5d Abs. 5 DRiG).
  • Bayern (§ 36 Abs. 5 JAPO) und Sachsen (§ 30 Abs. 5 SächsJAPO) lassen die Wiederholung nach einem Fehlversuch im anderen Land nur bei Härte und mit Zustimmung der dortigen Prüfungsbehörde zu; in Nordrhein-Westfalen ist ein Wechsel des Prüfungsamts nur mit Zustimmung beider Ämter möglich (§ 24 Abs. 2 JAG NRW).
  • Der Schwerpunktbereich folgt dem Hochschulrecht und der Schwerpunktbereichsprüfungsordnung der Fakultät, nicht diesen Normen.

Was § 36 und § 37 JAPO regeln

Die Bayerische Juristenausbildungs- und Prüfungsordnung (JAPO, Fassung laut Portal gültig ab 01.05.2026) erlaubt in § 36 Abs. 1 eine Wiederholung der Ersten Juristischen Staatsprüfung. Eine weitere ist auch nach einem erneuten Studium nicht möglich. Wer die Prüfung in einem anderen Land im Geltungsbereich des Deutschen Richtergesetzes einmal nicht bestanden hat, wird in Bayern nur zugelassen, wenn die Prüfung dort eine unzumutbare Härte bedeuten würde und die Prüfungsbehörde des anderen Landes dem Wechsel des Prüfungsorts zustimmt (Abs. 5). Beide Voraussetzungen müssen erfüllt sein.

Der Freiversuch steht in § 37 Abs. 1: Wer die Prüfung nach ununterbrochenem Studium spätestens im Termin nach dem Vorlesungsschluss des achten Semesters erstmals vollständig ablegt und nicht besteht, dessen Prüfung gilt als nicht abgelegt. Beurlaubungen wegen Krankheit, Elternzeit oder Auslandsstudium rechnen nach Abs. 2 unter Bedingungen nicht mit.

Ländertabelle zum Ersten Examen

Die Wiederholung ist in jedem Land auf eine begrenzt, denn das folgt aus § 5d Abs. 5 S. 1 DRiG. Freiversuch, Prüfungsortwechsel und die Behandlung von Fehlversuchen anderer Länder regelt das Landesrecht (S. 3). Aufgenommen sind nur Länder mit amtlicher Quelle, entweder Normtext oder Merkblatt der Prüfungsbehörde (Stand: Oktober 2026).

LandFreiversuch, Meldung spätestensWechsel des Prüfungsorts, Fehlversuch im anderen LandQuelle
BayernTermin nach Vorlesungsschluss des 8. Semesters (§ 37 Abs. 1 JAPO)Zulassung nur bei unzumutbarer Härte und mit Zustimmung der Behörde des anderen Landes (§ 36 Abs. 5)BayJAPO, Text gilt ab 01.05.2026
Nordrhein-Westfalenbis Abschluss des 8. Fachsemesters (§ 25 Abs. 1 JAG)Amtswechsel nur mit Zustimmung beider Ämter, kein Rechtsanspruch (§ 24 Abs. 2); wer in einem Land im Geltungsbereich des DRiG endgültig durchgefallen ist, wird nicht noch einmal zugelassen (Abs. 4)JAG NRW, gültig ab 07.05.2025
SachsenTermin nach Vorlesungsschluss des 9. Semesters bei Studienbeginn ab 01.10.2020, davor des 8. (§ 29 Abs. 1)Härte, Wiederholung nach dem Recht des anderen Landes zulässig und Zustimmung der Behörde; nach endgültigem Nichtbestehen dort keine Zulassung (§ 30 Abs. 5)SächsJAPO, rechtsbereinigt 31.07.2025
Baden-WürttembergPrüfung spätestens in der am Ende des achten Semesters beginnenden Staatsprüfung, bei ununterbrochenem Studium und vollständig erbrachten Prüfungsleistungen (§ 22 Abs. 1 JAPrO)Bei hinreichendem Grund kann die Wiederholung an einem anderen Prüfungsort oder Prüfungsamt gestattet werden (§ 21 Abs. 3 S. 1 JAPrO); nach einem Fehlversuch bei einem anderen Amt ist zusätzlich dessen Zustimmung nötig (S. 2); nach den Hinweisen des Landesjustizprüfungsamts gilt das nicht nach erfolglosem FreiversuchHinweise des Landesjustizprüfungsamts, Stand Juli 2025
HessenZulassung spätestens nach dem Ende der Vorlesungszeit des 8. Fachsemesters (§ 21 Abs. 1 JAG)Wechsel des Prüfungsamts nach Nichtbestehen bei einem anderen Amt nur aus wichtigem Grund und mit Einverständnis des anderen Amts (§ 20 Abs. 3 JAG); entsprechend, wenn die Prüfung dort als Freiversuch gilt (§ 21 Abs. 3); dem Zulassungsantrag ist ein Genehmigungsbescheid beizufügenHessisches Juristenausbildungsgesetz, Merkblatt des Justizprüfungsamts
NiedersachsenZulassung zum Prüfungsdurchgang nach dem 8. Fachsemester oder frühzeitig unter Voraussetzungen (§ 18 Abs. 1 NJAG)Keine Zulassung, wenn nach dem Recht des bisherigen Studienorts der Prüfungsanspruch verloren ist (§ 4 Abs. 4 NJAG); eine Regelung zum Wechsel des Prüfungsamts in der NJAVO habe ich nicht gefundenNJAG, zuletzt geändert am 28.04.2026
BerlinMeldung spätestens zur Prüfungskampagne nach Vorlesungsschluss des 8. Fachsemesters (§ 13 Abs. 1 JAO); bestimmte Zeiten bleiben unberücksichtigt, insgesamt höchstens vier Fachsemester (Abs. 2)Wiederholung grundsätzlich vor demselben Justizprüfungsamt; Wechsel nur mit Zustimmung beider Ämter und aus wichtigem Grund (§ 12 Abs. 2 JAO)Berliner Juristenausbildungsordnung (JAO) vom 04.08.2003, § 12 und § 13
BrandenburgKampagne nach Vorlesungsschluss des 8. Fachsemesters (§ 13 Abs. 1 BbgJAO)Wechsel des Prüfungsamts nur aus wichtigem Grund und mit Zustimmung beider Ämter, und nur, wenn die Wiederholung beim abgebenden Amt zulässig wäre (§ 12 Abs. 2); bei endgültigem Nichtbestehen wird die Zulassung versagt (§ 4 Abs. 5 Nr. 2)BbgJAO, zuletzt geändert 05.03.2024
Rheinland-Pfalz–Zur Meldung gehört die Versicherung, bisher bei keinem anderen Prüfungsamt gemeldet gewesen zu sein, oder die Angabe, wann und wo (§ 3 Abs. 1 S. 2 Nr. 3 JAPO)JAPO vom 06.07.2023
Schleswig-HolsteinMeldung bis zum Abschluss des 7. Fachsemesters, des 8., wenn die Schwerpunktbereichsprüfung bestanden ist (§ 22 JAVO)–Seite des Justizprüfungsamts, Stand 27.02.2024
HamburgZulassungsantrag spätestens einen Monat vor Ende des 8. Semesters (§ 26 HmbJAG)–nichtamtliche Lesefassung vom 08.06.2022
Bremen–Meldung zur Wiederholung nur binnen zwei Jahren nach Bekanntgabe des Ergebnisses der vorangegangenen PrüfungService-Seite des Landes, aktualisiert 17.07.2025

Zu Thüringen, dem Saarland, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern macht dieser Artikel keine Angaben. Prüfe das JAG und die JAPO Deines Landes und frag das Prüfungsamt. Auch bei den genannten Ländern gilt der aktuelle Text auf der Seite der Behörde, denn Fristen und Semesterzahlen ändern sich.

Bayern, Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg regeln den Wechsel nach einem Fehlversuch in ihren Normen ausdrücklich, ein Neustart ist dort nicht vorgesehen. Für Baden-Württemberg und Hessen folgt aus den Quellen nur die Genehmigungspflicht beim Wechsel des Prüfungsamts. Bei der Zulassung musst Du frühere Prüfungsversuche angeben.

Welcher Maßstab für den Ortswechsel gilt

Die Länder legen den Maßstab unterschiedlich an. Bayern und Sachsen verlangen für die Wiederholung nach einem Fehlversuch im anderen Land eine unzumutbare Härte und die Zustimmung der dortigen Behörde, Sachsen zusätzlich, dass das Prüfungsrecht des anderen Landes eine Wiederholung zulässt (§ 30 Abs. 5 SächsJAPO). Nordrhein-Westfalen und Brandenburg sprechen von einem wichtigen Grund und verlangen die Zustimmung des abgebenden und des aufnehmenden Prüfungsamts. In Nordrhein-Westfalen besteht darauf kein Rechtsanspruch, und Auflagen des abgebenden Amts bleiben unberührt (§ 24 Abs. 2 JAG NRW). Innerhalb Sachsens genügt für einen anderen Prüfungsort ein hinreichender Grund (§ 30 Abs. 4 SächsJAPO).

Ob ein Freiversuch am Ortswechsel etwas ändert, beantworten die Länder verschieden. Nordrhein-Westfalen verlangt die Zustimmung auch, wenn die Prüfung für nicht unternommen erklärt wurde (§ 24 Abs. 2 S. 5). Hessen fragt im Merkblatt nach einem Genehmigungsbescheid auch bei einem Freiversuch. Baden-Württemberg sieht nach einem erfolglosen Freiversuch keine Genehmigungspflicht für den Wechsel vor, bei der Wiederholungsprüfung dagegen schon. Wer einen Freiversuch hinter sich hat, sollte deshalb vor dem Wechsel beim Zielamt nachfragen.

Schwerpunktbereich: ein anderes Recht

Die Erste Prüfung besteht aus der universitären Schwerpunktbereichsprüfung und der staatlichen Pflichtfachprüfung (§ 5d Abs. 2 DRiG). Den Schwerpunkt prüft die Hochschule, und ob ein Fehlversuch dort bei einem Wechsel der Fakultät angerechnet wird, regelt ihre Schwerpunktbereichsprüfungsordnung. Was bei Zwischenprüfung und Schwerpunkt gilt, steht in Jura: Zwischenprüfung oder Schwerpunkt endgültig nicht bestanden.

Was Du stattdessen prüfen kannst

  1. Rücktritt oder Verhinderung: Wer vor oder während der Aufsichtsarbeiten erkrankt, sollte das sofort melden. In Bayern gilt die Prüfung bei Verhinderung als nicht abgelegt, wenn weniger als vier schriftliche Aufgaben bearbeitet wurden (§ 29 Abs. 1 Nr. 1 JAPO). Voraussetzungen und Attest erklärt Rücktritt von der Prüfung.
  2. Anfechtung des Bescheids: Die Frist läuft ab Bekanntgabe. Einsicht, Überdenken und Bewertungsfehler sind der Weg, nicht der Ortswechsel (Anfechtung: Ablauf, Chancen, Kosten, Überdenkungsverfahren). Rechenhilfe bietet der Fristenrechner.
  3. Freiversuch: Prüfe, ob der Versuch ein Freiversuch war. Dann gilt er als nicht abgelegt, und Beurlaubungszeiten können die Semestergrenze verschieben (Beispiel Bayern § 37 Abs. 2 JAPO).
  4. Härte beim Ortswechsel: Bayern und Sachsen kennen sie, aber nur zusammen mit der Zustimmung des anderen Landes. Sprich früh mit beiden Prüfungsbehörden und belege die Gründe.
  5. Alternativen zum Examen: Jura durchgefallen: Deine Alternativen. Die Normen Deines Landes findest Du über die Bundesland-Seiten.

Häufige Fragen

Kann ich das Erste Examen in einem anderen Bundesland neu versuchen?

Neu nicht: Die staatliche Pflichtfachprüfung kann nur einmal wiederholt werden (§ 5d Abs. 5 S. 1 DRiG). Wo der Ortswechsel nach einem Fehlversuch geregelt ist, braucht er Bedingungen. In Bayern sind das unzumutbare Härte und die Zustimmung der Prüfungsbehörde des anderen Landes (§ 36 Abs. 5 JAPO).

Gilt das auch außerhalb von Bayern?

Sachsen (§ 30 Abs. 5 SächsJAPO) und Nordrhein-Westfalen (§ 24 Abs. 2 und 4 JAG NRW) haben vergleichbare Vorschriften. Für Baden-Württemberg und Hessen sind Genehmigungen beim Amtswechsel belegt, für die übrigen Länder gilt: JAG und JAPO Deines Landes lesen.

Muss ich frühere Prüfungsversuche bei der Zulassung angeben?

Ja, die Meldung enthält Angaben dazu. In Rheinland-Pfalz versicherst Du, Dich bisher bei keinem anderen Prüfungsamt gemeldet zu haben, oder gibst an, wann und wo (§ 3 Abs. 1 S. 2 Nr. 3 JAPO). In Brandenburg gehört das Ergebnis dazu (§ 4 Abs. 2 BbgJAO). Die Zulassung kann zurückgenommen werden, wenn sie durch unrichtige Angaben erschlichen wurde (§ 5 Abs. 3 Nr. 1 JAPO Rheinland-Pfalz). Mehr steht in Fehlversuche verschweigen: Folgen.

Gilt der Ortswechsel auch nach einem Freiversuch?

Das regeln die Länder verschieden. In Nordrhein-Westfalen braucht der Amtswechsel auch dann die Zustimmung beider Ämter, wenn die Prüfung für nicht unternommen erklärt wurde. Baden-Württemberg nimmt den Wechsel nach einem erfolglosen Freiversuch nach den Hinweisen des Landesjustizprüfungsamts aus, Hessen verlangt die Genehmigung nach § 21 Abs. 3 JAG auch dann, wenn die Prüfung dort als Freiversuch gilt.

Was ist der Unterschied zwischen Pflichtfachprüfung und Schwerpunktbereich?

Die Pflichtfachprüfung ist staatlich, der Schwerpunkt wird von der Hochschule geprüft. Beide zusammen bilden die Erste Prüfung (§ 5d Abs. 2 DRiG). Für den Schwerpunkt gelten Hochschulrecht und die Prüfungsordnung der Fakultät.

Was gilt, wenn ich im Pflichtfachteil endgültig durchgefallen bin?

Dann wird in Bayern auch nach erneutem Studium nicht noch einmal zugelassen (§ 36 Abs. 1 S. 2 JAPO), in Nordrhein-Westfalen gilt dasselbe für ein endgültiges Nichtbestehen in jedem Land im Geltungsbereich des DRiG (§ 24 Abs. 4 JAG NRW). Offen bleiben die Anfechtung und die Alternativen zum Examen.

Hilft ein Freiversuch?

Ein Freiversuch gilt bei Nichtbestehen als nicht unternommen, wenn Du innerhalb der Semestergrenze Deines Landes antrittst (Tabelle oben, Bayern § 37 JAPO). Danach bleibt die Wiederholung erhalten. Am Ortswechsel ändert der Freiversuch nichts, er entscheidet nur darüber, ob der Versuch zählt.

Quellen

Dieses Portal informiert, ersetzt aber keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei einer laufenden Frist oder einer schwierigen Entscheidung hilft eine kurze Rücksprache mit dem AStA oder einem Anwalt für Prüfungsrecht mehr als jeder Artikel.