Vierter Versuch in Berlin: Zusatzversuch nach Beratung

Stand: 18. Oktober 2026

Berlin schreibt einen Zusatzversuch ins Gesetz: Wer eine Studienfachberatung wahrnimmt, erhält über die regulären Versuche hinaus einen weiteren (§ 30 Abs. 4 S. 1 Hs. 2 BerlHG). Er steht im Hochschulgesetz – nicht nur in einer Prüfungsordnung, die eine Hochschule ändern kann. Nach der Länderübersicht dieses Portals kennt kein anderes Bundesland einen solchen gesetzlichen Beratungs-Zusatzversuch. Wie die Hochschulen ihn umsetzen, unterscheidet sich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Zusatzversuch setzt die Studienfachberatung voraus. Nachweise besonderer Umstände sind nicht nötig, anders als beim Härtefallantrag.
  • Die Hochschulen setzen ihn verschieden um – die FU kommt laut Datenbank auf bis zu fünf Versuche, die TU gewährt ihn je Modulprüfung (Nachweis bis drei Werktage vor der angedrohten Exmatrikulation), die HU seit dem Wintersemester 2024/25, die HTW als „zu gewährenden“ vierten Versuch, die BHT seit dem 01.04.2025.
  • Der Prüfungsanspruch bleibt in Berlin grundsätzlich nach der Exmatrikulation bestehen (§ 30 Abs. 6 BerlHG).
  • Lehnt die Hochschule den Zusatzversuch ab, gibt es keinen Widerspruch (§ 42 Abs. 2 LOG Berlin). Du erhebst innerhalb eines Monats Klage beim Verwaltungsgericht.

Die gesetzliche Grundlage

Das Berliner Hochschulgesetz legt eine Mindestzahl fest: Studienbegleitende Prüfungen dürfen grundsätzlich mindestens zweimal wiederholt werden (an Kunsthochschulen grundsätzlich mindestens einmal), Abschluss- und Zwischenprüfungen grundsätzlich zweimal. Das ergibt in der Regel drei reguläre Versuche. Die Möglichkeit, Prüfungen und Wiederholungsprüfungen abzulegen, darf über die Zahl der Wiederholungsversuche und das Auslaufen der jeweiligen Prüfungsordnung (unter Wahrung angemessener Übergangsfristen) hinaus nicht beschränkt werden (§ 30 Abs. 4 S. 1, 2 und 5).

Die zweite Hälfte des ersten Satzes gibt Studierenden, die eine Studienfachberatung wahrnehmen, über die in der Prüfungsordnung vorgesehenen Wiederholungsversuche hinaus einen weiteren Prüfungsversuch (§ 30 Abs. 4 S. 1 Hs. 2). Die Regel steht im Satz zu den studienbegleitenden Prüfungen. Nach § 31 Abs. 2 Nr. 2 müssen die Ordnungen außerdem ein Freiversuchsverfahren regeln, soweit der Studiengang dafür geeignet ist. Nach § 30 Abs. 6 bleibt der Prüfungsanspruch grundsätzlich auch nach einer Exmatrikulation bestehen.

Es genügt die Studienfachberatung, Nachweise besonderer Umstände sind nicht nötig (§ 30 Abs. 4 S. 1 Hs. 2 BerlHG). Den ermessensabhängigen Weg an anderen Hochschulen beschreibt der Artikel zum Härtefallantrag.

Für wen der Zusatzversuch gilt

Die Länderübersicht und die Daten der Datenbank beziehen ihn auf die staatlichen Berliner Hochschulen. Private Hochschulen mit Sitz in Berlin folgen ihrer eigenen Prüfungsordnung. Bei Staatsprüfungen geht Bundesrecht vor: In der Medizin gilt § 20 ÄApprO mit höchstens zwei Wiederholungen, und eine weitere Wiederholung ist auch nach einem erneuten Studium nicht zulässig. Ob Dein Studiengang unter die Hochschulprüfungen fällt, steht in seiner Ordnung. Die Seite zum Land Berlin fasst die Normen zusammen.

Wie die Hochschulen den Zusatzversuch umsetzen

Das Gesetz gibt den Rahmen vor, Frist, Nachweisform und Reichweite regelt jede Hochschule selbst.

FU Berlin

Die Rahmenstudien- und Prüfungsordnung sieht in § 20 Abs. 3 als Regel drei Wiederholungen vor, also vier Versuche; die Prüfungsordnung eines Studiengangs kann auf zwei Wiederholungen senken (Handreichung der FU zur RSPO, Abschnitt 8). Die Datenbank führt den Beratungsversuch als zusätzlichen Versuch, rechnerisch bis zu fünf, mit einer Hinweispflicht auf die Beratung nach dem vorletzten Versuch (Stand: Juli 2026). Die Handreichung selbst nennt nur den Grundfall – prüfe den Beratungsversuch in der RSPO.

TU Berlin

Die Allgemeine Studien- und Prüfungsordnung (AllgStuPO) erlaubt zwei Wiederholungen je Modulprüfung (§ 70 Abs. 1). Nach Nichtbestehen der zweiten Wiederholung kannst Du an einer Studienfachberatung teilnehmen und erhältst dadurch einen dritten Wiederholungsversuch (§ 70 Abs. 5 S. 1 und 2). Der Termin muss spätestens drei Werktage vor der angedrohten Exmatrikulation bei der für Prüfungen zuständigen Stelle nachgewiesen werden (S. 3). Die zweite und die dritte Wiederholung finden in der Regel mündlich statt (§ 70 Abs. 4 und 5). Nach einer 5,0 kann der Prüfer außerdem eine unverzügliche mündliche Nachprüfung anbieten (§ 70 Abs. 2). Im ersten Fachsemester eines Bachelors gelten erstmals nicht bestandene Modulprüfungen als nicht unternommen (§ 70 Abs. 7).

HU Berlin

Die Zulassungs-, Studien- und Prüfungsordnung sieht zwei Wiederholungen vor. Durch die Teilnahme an der Prüfungsberatung (§ 126 ZSP-HU) kommt je Prüfung eine weitere Wiederholungsmöglichkeit hinzu (§ 104 Abs. 1 ZSP-HU in der Fassung der 25. Änderung vom 13.05.2026; Stand der Datenbank: Juli 2026). Das gilt nach der Datenbank seit dem Wintersemester 2024/25. Verzichtest Du auf die Beratung, entfällt der Zusatzversuch.

HTW Berlin und BHT Berlin

Die Rahmenstudien- und Prüfungsordnung der HTW (RStPO, AM 23/25) lässt höchstens zwei Wiederholungen zu. Bei drei nicht bestandenen Versuchen ist ein vierter und letzter Versuch zu gewähren, wenn Du nach Aufforderung binnen eines Monats eine Studienfachberatung in Anspruch nimmst; die Frist kann bei einem triftigen Grund verlängert werden (§ 18 Abs. 3). Den vierten Versuch kann der Prüfungsausschuss im Einvernehmen mit dem Prüfer auch außerhalb der Prüfungszeiträume ansetzen, wenn nach der Notenbekanntgabe mindestens zwei Wochen bleiben; zwei prüfungsberechtigte Personen bewerten ihn (§ 18 Abs. 3 und 4). Dazu kommen ein Freiversuch für die Abschlussprüfung (§ 29) und die Anrechnung gleichwertiger Fehlversuche anderer inländischer Hochschulen (§ 32 Abs. 1 S. 2).

An der BHT erhältst Du durch die Teilnahme an einer Studienfachberatung einen weiteren Prüfungsversuch, ausgenommen das Modul der Abschlussprüfung (§ 25 Abs. 1 RSPO in der Fassung der 2. Änderung, Amtliche Mitteilung 04/2025, in Kraft seit 01.04.2025).

Berlin im Überblick

Die Zahlen stammen aus den Ordnungen und der Versuchsregeln-Datenbank.

HochschuleReguläre VersucheZusatzversuch nach BeratungBesonderheitFundstelleStand
FU Berlin4, Fach-PO kann auf 3 senken+1, bis zu 5Hinweispflicht nach dem vorletzten VersuchRSPO § 20 Abs. 3Juli 2026
TU Berlin3+1 je ModulprüfungNachweis bis 3 Werktage vor angedrohter ExmatrikulationAllgStuPO § 70 Abs. 1 und 5Juli 2026
HU Berlin3+1 je Prüfungseit WS 2024/25ZSP-HU § 104 Abs. 1Juli 2026
HTW Berlin3+1, „ist zu gewähren“Beratung binnen 1 Monat nach AufforderungRStPO § 18 Abs. 3Juli 2026
BHT Berlin3+1, nicht für das Modul der Abschlussprüfungin Kraft seit 01.04.2025RSPO § 25 Abs. 1Juli 2026

So gehst Du vor

  1. Lies die Prüfungsordnung Deiner Hochschule. Die Fristen für den Beratungsnachweis unterscheiden sich: An der TU Berlin zählen Werktage vor der angedrohten Exmatrikulation, an der HTW läuft ein Monat ab der Aufforderung.
  2. Frag die Studienfachberatung früh an, nicht erst bei angedrohter Exmatrikulation. Die Terminvergabe kann Zeit kosten.
  3. Sammle den Nachweis der Beratung und reiche ihn fristgerecht ein – ohne ihn entsteht der Zusatzversuch nicht.
  4. Prüfe parallel, ob ein Härtefallantrag in Betracht kommt, wenn besondere Umstände vorlagen.
  5. Bei Ablehnung gibt es in Berlin keinen Widerspruch (§ 42 Abs. 2 LOG Berlin, seit 01.01.2026; bis 31.12.2025 § 26 Abs. 2 AZG). Du erhebst innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Klage beim Verwaltungsgericht Berlin (§ 74 Abs. 1 S. 2 VwGO; für die Verpflichtungsklage gilt Abs. 1 entsprechend, § 74 Abs. 2 VwGO). Ziel der Klage ist, die Hochschule zur Zulassung zum Zusatzversuch zu verpflichten. Droht ein Prüfungstermin, kommt zusätzlich ein Eilantrag nach § 123 VwGO in Betracht. Ein Gegenvorstellungsverfahren regeln die Prüfungsordnungen (§ 42 Abs. 2 S. 2 LOG Berlin). Mach die Klagefrist nicht davon abhängig: Sie läuft nach § 74 Abs. 1 S. 2 VwGO ab Bekanntgabe. Die Regeln für alle Länder stehen in der Anleitung zum Widerspruch.

Häufige Fragen

Gilt der vierte Versuch für alle Studiengänge in Berlin?

Der Rahmen aus § 30 Abs. 4 BerlHG gilt für die staatlichen Hochschulen, die Umsetzung steht in der Prüfungsordnung. Die BHT nimmt zum Beispiel das Modul der Abschlussprüfung aus (§ 25 Abs. 1 RSPO). Prüfe deshalb die Ordnung Deines Studiengangs.

Was passiert, wenn ich die Beratungsfrist verpasse?

Dann entfällt der Zusatzversuch in der Regel. Die HTW kann die Frist bei einem triftigen Grund verlängern (§ 18 Abs. 3 RStPO), die TU Berlin verlangt den Nachweis spätestens drei Werktage vor der angedrohten Exmatrikulation. Ein Härtefallantrag kann dann noch in Betracht kommen, wenn die Ordnung ihn vorsieht.

Gibt es den Zusatzversuch an privaten Hochschulen in Berlin?

Nicht aus dem Gesetz. § 30 BerlHG betrifft die staatlichen Hochschulen, für private zählt die eigene Prüfungsordnung. Beispiele stehen in Private Hochschulen nach dem Drittversuch.

Bleibt mein Prüfungsanspruch nach der Exmatrikulation bestehen?

In Berlin grundsätzlich ja, nach § 30 Abs. 6 BerlHG. Andere Länder regeln das anders, die Übersicht steht in Prüfungsanspruch verloren.

Muss ich für den Zusatzversuch einen Härtefall nachweisen?

Nein. Das Gesetz knüpft den weiteren Versuch an die Studienfachberatung, nicht an besondere Umstände (§ 30 Abs. 4 S. 1 Hs. 2 BerlHG).

Kann ich den Zusatzversuch mit einem Hochschulwechsel verbinden?

Der Zusatzversuch entsteht an der Berliner Hochschule, an der Du die Beratung wahrnimmst, und ein Wechsel setzt Fehlversuche nicht automatisch zurück. Was an der Zielhochschule gilt, zeigt die Versuchsregeln-Datenbank: Dort rechnen 76 von 182 Hochschulen Fehlversuche anderer Hochschulen ausdrücklich an, bei den übrigen 106 ist die Anrechnung nicht geregelt, nur hochschulintern geregelt oder nicht belegt (Stand Oktober 2026). Mehr steht in Uni-Wechsel vor dem Drittversuch.

Was tue ich, wenn die Hochschule den Zusatzversuch ablehnt?

In Berlin legst Du keinen Widerspruch ein. Du erhebst innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Klage beim Verwaltungsgericht (§ 42 Abs. 2 LOG Berlin, § 74 VwGO).

Quellen

Dieses Portal informiert, ersetzt aber keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei einer laufenden Frist oder einer schwierigen Entscheidung hilft eine kurze Rücksprache mit dem AStA oder einem Anwalt für Prüfungsrecht mehr als jeder Artikel.