Exmatrikulation vor Drittversuch: Was Nichtantritt bedeutet
Stand: 18. Oktober 2026
Wer zu einem angemeldeten Prüfungsversuch nicht antritt, hat nach den Prüfungsordnungen der Universitäten Köln, Paderborn und Ilmenau nicht bestanden, sofern kein triftiger Grund anerkannt wird. Beim letzten Versuch bedeutet das endgültiges Nichtbestehen. Die Exmatrikulation vor dem Termin ändert daran nicht von selbst. Die TU Ilmenau schreibt es ausdrücklich: „Eine Exmatrikulation oder Beurlaubung verlängert die Wiederholungsfrist nicht“ (§ 20 Abs. 2 PStO-AB). Verschieben kann die Lage nur das Landesrecht – Berlin lässt den Prüfungsanspruch nach der Exmatrikulation grundsätzlich bestehen (§ 30 Abs. 6 BerlHG), Baden-Württemberg lässt nur Eingeschriebene zur Prüfung zu (§ 32 Abs. 1 S. 2 LHG).
Was die Ordnungen zum Nichtantritt sagen
Drei Ordnungen zeigen das Muster. In allen dreien hat der Nichtantritt ohne triftigen Grund eine Rechtsfolge, und die Abmeldung vor dem Termin ist ein eigener, vorgesehener Weg.
| Hochschule und Ordnung | Nichtantritt ohne triftigen Grund | Abmeldung ohne Gründe | Exmatrikulation |
|---|---|---|---|
| Universität zu Köln, Gemeinsame Prüfungsordnung Bachelor/Lehramt (Lesefassung, Änderungsstand 28.05.2026) | gilt als „mangelhaft (5,0)“ oder „nicht bestanden“ (§ 16 Abs. 2 S. 1) | in der Regel bis zwei Wochen vor dem Termin (§ 16 Abs. 1 S. 2) | Zulassungsanspruch an Immatrikulation oder Zweithörerstatus geknüpft (§ 15 Abs. 1 S. 2); keine Regel für die Exmatrikulation zwischen Anmeldung und Termin in §§ 15, 16 |
| Universität Paderborn, Allgemeine Bestimmungen Master Lehramt HRSGe (31.05.2022) | gilt als „mangelhaft“ (5,0), ebenso der Rücktritt nach Ablauf der Abmeldefristen (§ 26 Abs. 2) | bis eine Woche vor dem Termin (§ 26 Abs. 1) | keine Regel in §§ 25, 26 |
| TU Ilmenau, PStO-AB (in Kraft seit 01.10.2026) | versäumte Prüfung gilt als abgelegt und nicht bestanden (§ 24 Abs. 1 S. 1) | bis vier Tage vor dem Termin im Prüfungsportal (§ 17 Abs. 6 S. 1) | verlängert die Wiederholungsfrist nicht (§ 20 Abs. 2 S. 2); das Prüfungsrechtsverhältnis endet nicht durch Exmatrikulation (§ 17 Abs. 5 S. 6) |
In Ilmenau kommt eine Fristklausel hinzu. Jede nicht bestandene Prüfungsleistung kann zweimal wiederholt werden, und zwar innerhalb der folgenden zwei Semester (§ 20 Abs. 1 und 2 S. 1). „Werden Wiederholungsprüfungen nicht innerhalb der Wiederholungsfrist angetreten, gelten sie als abgelegt und nicht bestanden“ (§ 20 Abs. 2 S. 3). Das gilt nicht, wenn Du das Versäumnis nicht zu vertreten hast (§ 20 Abs. 2 S. 4).
Ein Beispiel nach dieser Regel: Du fällst im Wintersemester 2026/27 durch. Die Wiederholung musst Du im Sommersemester 2027 oder im Wintersemester 2027/28 antreten. Erscheinst Du auch dann nicht, gilt sie als nicht bestanden, gleichgültig, ob Du noch eingeschrieben bist.
Hochschulen mit Fristenmodellen statt fester Versuchszahl, etwa die TU München, haben eigene Mechanismen. Wie sie funktionieren, steht in Hochschulen ohne klassischen Drittversuch.
Was die Exmatrikulation am Prüfungsanspruch ändert
Der Prüfungsanspruch ist Dein Recht, die Prüfung abzulegen und zu wiederholen. Ob die Exmatrikulation ihn beendet, regeln das Landesgesetz und die Prüfungsordnung unterschiedlich.
- Berlin: „Der Prüfungsanspruch bleibt grundsätzlich nach der Exmatrikulation bestehen“ (§ 30 Abs. 6 BerlHG). Das öffnet keine Lücke – besteht der Anspruch fort, kann auch ein versäumter Versuch als Fehlversuch zählen, soweit die Prüfungsordnung das so regelt.
- Baden-Württemberg: Zugelassen wird nur, wer eingeschrieben ist und den Prüfungsanspruch nicht verloren hat (§ 32 Abs. 1 S. 2 LHG). Der Prüfungsanspruch geht verloren, wenn eine erforderliche Leistung endgültig nicht bestanden oder nicht rechtzeitig erbracht wurde, es sei denn, Du hast die Fristüberschreitung nicht zu vertreten (§ 32 Abs. 5 S. 3 LHG; Stand der Norm: gültig ab 23.11.2024).
- TU Ilmenau (Thüringen): Das Prüfungsrechtsverhältnis endet mit Bestehen oder endgültigem Nichtbestehen, „nicht im Fall einer Exmatrikulation oder Beurlaubung“ (§ 17 Abs. 5 S. 5 und 6 PStO-AB).
Die Kölner und die Paderborner Ordnung regeln die Exmatrikulation zwischen Anmeldung und Prüfungstermin nicht. Ob ein bereits angemeldeter Versuch dann als verbraucht gilt, kann Dir nur das Prüfungsamt verbindlich sagen. Hol die Auskunft schriftlich ein, bevor Du Dich exmatrikulierst. Die Antwort des Prüfungsamts ersetzt keine Rechtsberatung, schafft aber einen Beleg.
Der saubere Weg: Abmeldung oder Rücktritt
Wer den Versuch nicht antreten will oder kann, hat zwei Wege ohne Fünf. Die erste ist die Abmeldung innerhalb der Frist und ohne Angabe von Gründen: in Köln in der Regel bis zwei Wochen vor dem Termin, in Paderborn bis eine Woche, in Ilmenau bis vier Tage. Paderborn knüpft die Note 5,0 ausdrücklich an den Rücktritt „nach Ablauf der Abmeldefristen“ ohne triftige Gründe (§ 26 Abs. 2). Die zweite ist der Rücktritt wegen eines triftigen Grundes, den der Prüfungsausschuss anerkennen muss. Köln verlangt die Anzeige unverzüglich und schriftlich, bei Krankheit mit ärztlicher Bescheinigung (§ 16 Abs. 3). Paderborn verlangt sie spätestens fünf Werktage nach dem Termin (§ 26 Abs. 3).
Ob eine Abmeldung eine laufende Wiederholungsfrist anhält, steht in der Ordnung. In Ilmenau läuft die Frist nach dem Wortlaut von § 20 Abs. 2 auch bei Exmatrikulation weiter, den Termin hast Du dann nur verschoben. Was als triftiger Grund zählt und wie Du ihn belegst, erklärt Rücktritt von der Prüfung: Attest und typische Fehler.
Wechsel und Wiederbewerbung
Auch ein Hochschulwechsel vor dem letzten Versuch bringt keinen automatischen Neubeginn bei der Zählung. Mit Stand Oktober 2026 enthält die Versuchsregeln-Datenbank 182 Hochschulen. 76 von ihnen rechnen Fehlversuche von anderen Hochschulen ausdrücklich an, bei den übrigen 106 ist die Anrechnung nicht geregelt, nur hochschulintern geregelt oder nicht belegt. Die Mechanik beschreibt Uni-Wechsel vor dem Drittversuch.
Gilt der versäumte Versuch als nicht bestanden und war er der letzte, ist der Prüfungsanspruch verloren. Dann greift die Einschreibungssperre desselben Studiengangs. Köln versagt die Zulassung, wenn Du im gewählten Studiengang eine erforderliche Prüfung endgültig nicht bestanden oder den Prüfungsanspruch verloren hast, und erstreckt das auf Studiengänge mit erheblicher inhaltlicher Nähe (§ 15 Abs. 3 S. 2). Ob die Sperre auch verwandte Studiengänge erfasst, entscheidet das Hochschulgesetz Deines Landes: Manche Länder ordnen es im Gesetz selbst an, andere überlassen es der Prüfungsordnung, wieder andere kennen es gar nicht (Tabelle in Prüfungsanspruch verloren). Die Sperre betrifft das endgültige Nichtbestehen, nicht die Exmatrikulation als solche.
Abgrenzung zum Mythos
Eine andere Lage ist die geschriebene Prüfung, deren Note noch aussteht. Sie wird bewertet, auch wenn Du Dich vorher exmatrikulierst. Das Zusammenspiel von Abgabe, Bewertung und Bekanntgabe erklärt Mythos: Schnell exmatrikulieren, bevor die Note kommt. Der Zeitpunkt in Deinem Verfahren entscheidet, welche Regel gilt – die Weiche vor oder nach dem endgültigen Nichtbestehen ordnet die Möglichkeiten nach Zeitpunkt.
Beratung
Bevor Du Dich exmatrikulierst, lass die Klauseln Deiner Prüfungsordnung zu Anmeldung, Abmeldung, Rücktritt, Versäumnis und Wiederholungsfrist prüfen. Das geht über die Rechtsberatung des AStA, die das AStA-Verzeichnis für viele Hochschulen aufführt, oder über einen Anwalt für Prüfungsrecht. Wie Du einen findest, steht in Anwalt für Prüfungsrecht finden.
Prüfschritte vor der Exmatrikulation
- Hole die aktuelle Prüfungsordnung samt Fachanhang. Prüfe, ob eine neuere Fassung gilt.
- Suche die Klauseln zu Versäumnis, Nichtantritt und Rücktritt. Notiere, was bei Nichtantritt geschieht.
- Notiere die Abmeldefrist und das Verfahren (Portal, Formular, Prüfungsamt).
- Prüfe die Wiederholungsfrist und ob die Exmatrikulation sie verlängert.
- Lies im Hochschulgesetz Deines Landes nach, was mit dem Prüfungsanspruch nach der Exmatrikulation geschieht (Berlin: § 30 Abs. 6 BerlHG, Baden-Württemberg: § 32 LHG). Die Länderseiten stehen unter Bundesland.
- Bitte das Prüfungsamt um eine schriftliche Auskunft, ob ein angemeldeter Versuch als verbraucht gilt, wenn Du Dich vor dem Termin abmeldest oder exmatrikulierst – und bewahre die Antwort auf.
- Liegt ein triftiger Grund vor, etwa eine Erkrankung, melde ihn unverzüglich und weise ihn nach.
- Kommt ein Bescheid über das endgültige Nichtbestehen, gilt eine Monatsfrist ab Bekanntgabe (§ 70 Abs. 1 VwGO); in Berlin läuft die Klagefrist (§ 74 Abs. 1 S. 2 VwGO). Die Anleitung zum Widerspruch führt Dich durch die Schritte, den Fristablauf rechnet der Fristenrechner.
Häufige Fragen
Zählt ein Nichtantritt zum Drittversuch als Fehlversuch?
Ohne triftigen Grund ja, in den gelesenen Ordnungen. In Köln gilt die Prüfung als „mangelhaft (5,0)“ oder „nicht bestanden“ (§ 16 Abs. 2 S. 1), in Paderborn als „mangelhaft“ (§ 26 Abs. 2), in Ilmenau als abgelegt und nicht bestanden (§ 24 Abs. 1). Eine fristgerechte Abmeldung oder ein anerkannter Rücktritt zählt nicht.
Rettet die Exmatrikulation meinen Prüfungsanspruch?
Nicht automatisch. Ilmenau verlängert die Wiederholungsfrist durch Exmatrikulation nicht (§ 20 Abs. 2 PStO-AB). In Berlin bleibt der Prüfungsanspruch nach der Exmatrikulation grundsätzlich bestehen (§ 30 Abs. 6 BerlHG), was Fehlversuche nicht ausschließt. In Baden-Württemberg kann der Anspruch verloren gehen, wenn eine Leistung nicht rechtzeitig erbracht wird (§ 32 Abs. 5 S. 3 LHG).
Kann ich mich später neu bewerben?
Nach einem endgültigen Nichtbestehen wird die Einschreibung in denselben Studiengang in der Regel versagt. Ob auch verwandte Studiengänge gesperrt sind, hängt vom Land ab (Übersicht in Prüfungsanspruch verloren). Hat ein Nichtantritt noch nicht zum endgültigen Nichtbestehen geführt, greift die Sperre nicht.
Was ist der Unterschied zum Mythos „vor der Notenbekanntgabe exmatrikulieren“?
Beim Mythos ist die Prüfung geschrieben und wird bewertet, die Exmatrikulation ändert daran nichts. Hier geht es um den Versuch, der gar nicht stattfindet. Welche Folge der Nichtantritt hat, regelt die Versäumnisklausel Deiner Ordnung.
Was gilt, wenn ich krank bin und deshalb nicht antrete?
Dann ist ein Rücktritt mit triftigem Grund möglich. Köln verlangt die Anzeige unverzüglich und schriftlich, bei Krankheit mit ärztlicher Bescheinigung (§ 16 Abs. 3). Paderborn verlangt sie spätestens fünf Werktage nach dem Termin (§ 26 Abs. 3). Die Einzelheiten zeigt Rücktritt von der Prüfung.
Quellen
- TU Ilmenau, Verkündungsblatt 281/2026, PStO-AB: § 17 Abs. 5 und 6, § 20 Abs. 1 und 2, § 24 Abs. 1, § 41 Abs. 1 (Inkrafttreten 01.10.2026)
- Gemeinsame Prüfungsordnung Universität zu Köln, Bachelor/Lehramt (Lesefassung): § 15 Abs. 1 und 3, § 16 (Abmeldung, Säumnis, Rücktritt)
- Allgemeine Bestimmungen Master Lehramt HRSGe, Universität Paderborn (Verkündungsblatt 131.22): § 25, § 26 (Abmeldung, Versäumnis, Rücktritt)
- § 30 BerlHG, Prüfungen: Absatz 6, Prüfungsanspruch bleibt grundsätzlich nach der Exmatrikulation bestehen (gültig ab 25.09.2021)
- § 32 LHG Baden-Württemberg, Prüfungen: Absatz 1 Satz 2 und Absatz 5 Satz 3, Zulassung und Verlust des Prüfungsanspruchs (gültig ab 23.11.2024)
- § 70 VwGO, Form und Frist des Widerspruchs: Widerspruchsfrist von einem Monat
- § 74 VwGO, Klagefrist: Klage ohne Vorverfahren binnen eines Monats nach Bekanntgabe