Exmatrikulation: BAföG, Krankenversicherung, Kindergeld
Stand: 17. Oktober 2026
Nach der Exmatrikulation enden BAföG, studentische Krankenversicherung und Kindergeld zu drei verschiedenen Zeitpunkten. Das BAföG endet mit der tatsächlichen Aufgabe des Studiums, die Pflichtmitgliedschaft in der Krankenversicherung mit Ablauf des Semesters (§ 190 Abs. 9 SGB V), das Kindergeld mit Ablauf des Monats, in dem die Voraussetzungen wegfallen (§ 66 Abs. 2 EStG). Du musst das BAföG-Amt unverzüglich informieren, Deine Eltern die Familienkasse. Gehst Du gegen den Exmatrikulationsbescheid vor, haben Widerspruch und Klage grundsätzlich aufschiebende Wirkung (§ 80 Abs. 1 VwGO) und Du bleibst eingeschrieben. Ausnahmen und Fristen stehen in Zwangsexmatrikulation: Ablauf und Fristen.
Was endet wann?
| Leistung | Endet | Norm | Was Du tun musst |
|---|---|---|---|
| BAföG | mit der tatsächlichen Aufgabe des Studiums, nicht erst mit dem Exmatrikulationsdatum | § 7 Abs. 3 S. 2, § 15 Abs. 2 BAföG | Änderung unverzüglich dem BAföG-Amt mitteilen (§ 60 Abs. 1 Nr. 2 SGB I) |
| Studentische Pflichtversicherung | mit Ablauf des Semesters, für das Du zuletzt eingeschrieben oder rückgemeldet warst; früher bei Aufgabe des Wohnsitzes im Inland | § 190 Abs. 9 SGB V | bei der Kasse das Enddatum erfragen |
| Anschlussversicherung | beginnt am Folgetag als freiwillige Mitgliedschaft | § 188 Abs. 4 SGB V | Hinweis der Kasse lesen, Austritt nur binnen zwei Wochen und mit Nachweis anderer Absicherung |
| Familienversicherung | möglich bis 23 ohne Erwerbstätigkeit, bis 25 in Schul- oder Berufsausbildung, jeweils bei Einkommen unter der Grenze | § 10 Abs. 1 und 2 SGB V | Elternteil meldet Dich bei seiner Kasse an |
| Kindergeld | mit Ablauf des Monats, in dem die Voraussetzungen wegfallen | § 66 Abs. 2, § 32 Abs. 4 EStG | Familienkasse unverzüglich informieren (§ 68 Abs. 1 EStG), Berechtigte sind die Eltern |
BAföG
Die Förderung gilt für die Dauer der Ausbildung (§ 15 Abs. 2 BAföG). Wer das Studium endgültig aufgibt, bricht es ab (§ 7 Abs. 3 S. 2). Für einen Kalendermonat, in dem die Voraussetzungen an keinem Tag vorlagen, wird die Bewilligung aufgehoben und die Förderung erstattet (§ 20 Abs. 1). Für den Monat oder Teilmonat einer Unterbrechung aus einem Grund, den Du zu vertreten hast, ist sie zurückzuzahlen (§ 20 Abs. 2). Ob ein endgültiges Nichtbestehen ein solcher Grund ist, entscheidet das Amt im Einzelfall.
Änderungen, die für die Leistung erheblich sind, musst Du unverzüglich mitteilen (§ 60 Abs. 1 Nr. 2 SGB I). Zuständig ist das Amt für Ausbildungsförderung, meist beim Studierendenwerk. Wer schweigt, riskiert Rückforderungen – für jeden Monat ohne Anspruch. Was bei falschen Angaben zum Studienverlauf droht, steht in Fehlversuche verschweigen: Folgen.
Wechselst Du das Fach und willst weiter gefördert werden, gilt: Der wichtige Grund für Abbruch oder Fachrichtungswechsel greift an Hochschulen nur bis zum Beginn des fünften Fachsemesters. Beim ersten Wechsel oder Abbruch wird er in der Regel vermutet, wenn Du bis zum Beginn des vierten Fachsemesters wechselst. Danach braucht es einen unabweisbaren Grund. Semester, die die neue Hochschule anrechnet, werden bei der Bestimmung des Fachsemesters abgezogen (§ 7 Abs. 3). Weitere Stolpersteine beim Wechsel stehen in Studiengangwechsel: die Anrechnungsfallen.
Ein erhaltenes BAföG-Darlehen musst Du auch nach dem Abbruch zurückzahlen. Die erste Rate ist fünf Jahre nach dem Ende der Förderungshöchstdauer des zuletzt mit Darlehen geförderten Studiengangs fällig (§ 18 Abs. 4). Die Raten betragen mindestens 130 € im Monat, die Rückzahlung läuft innerhalb von 20 Jahren (§ 18 Abs. 3). Das Darlehen ist zinsfrei, solange Du Zahlungstermine nicht um mehr als 45 Tage überschreitest (§ 18 Abs. 2). Wer 77 Raten in der geschuldeten Höhe gezahlt hat, dem wird die verbleibende Schuld erlassen (§ 18 Abs. 13). Ein Rechenbeispiel mit angenommenen 12.000 € Darlehen und der Mindestrate: 77 × 130 € = 10.010 € gezahlt, die restlichen 1.990 € entfallen. Das entspricht gut sechseinhalb Jahren Zahlung statt der möglichen 20.
Krankenversicherung
Wirst Du mitten im Semester exmatrikuliert, bleibst Du bis zu dessen Ende Pflichtmitglied. Die Mitgliedschaft endet mit Ablauf des Semesters, für das Du zuletzt eingeschrieben oder rückgemeldet warst (§ 190 Abs. 9 S. 1 SGB V). Früher endet sie, wenn Du Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Geltungsbereich des Sozialgesetzbuchs aufgibst (S. 3). Gar nicht endet sie, wenn Du Dich nach dem Semester der Exmatrikulation innerhalb eines Monats an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule einschreibst (S. 4).
Danach setzt sich die Versicherung am Folgetag als freiwillige Mitgliedschaft bei Deiner Kasse fort. Das passiert automatisch – außer Du erklärst innerhalb von zwei Wochen nach dem Hinweis der Kasse Deinen Austritt (§ 188 Abs. 4 S. 1 SGB V). Der Austritt wirkt nur, wenn Du nachweist, dass Du anderweitig abgesichert bist (S. 2).
Familienversicherung
Als Kind eines gesetzlich versicherten Mitglieds bist Du familienversichert bis 18, bis 23 solange Du nicht erwerbstätig bist, und bis 25 nur in Schul- oder Berufsausbildung (§ 10 Abs. 2 Nr. 1 bis 3 SGB V). Dazu darf Dein Gesamteinkommen regelmäßig im Monat ein Siebtel der monatlichen Bezugsgröße nicht überschreiten (§ 10 Abs. 1 S. 1 Nr. 5). Für 2026 beträgt die Bezugsgröße 3.955 € im Monat, die Grenze liegt also bei 565 €. Für Minijobs gelten besondere Regeln, die § 10 Abs. 1 nennt. Frag Deine Kasse oder die Kasse des Elternteils, bevor Du die Anschlussversicherung abwählst.
Was die freiwillige Versicherung kostet
Auch ohne Einkommen zahlst Du einen Mindestbeitrag. Als beitragspflichtige Einnahme gilt für freiwillige Mitglieder je Kalendertag mindestens ein Neunzigstel der monatlichen Bezugsgröße (§ 240 Abs. 4 S. 1 SGB V). Das sind 2026 monatlich 1.318,33 €. Darauf werden der Beitragssatz der Krankenversicherung samt kassenindividuellem Zusatzbeitrag und der Pflegeversicherungsbeitrag berechnet. Beispiel einer Krankenkasse (HEK, 2026, freiwillig Versicherte ohne Krankengeldanspruch): 222,67 € Krankenversicherung bei einem Beitragssatz von 16,89 % plus 55,37 € Pflegeversicherung für Kinderlose ab 23, zusammen rund 278 € im Monat. Bei anderen Kassen weicht der Betrag mit dem Zusatzbeitrag ab. Die Familienversicherung ist die Alternative, wenn Du ihre Voraussetzungen erfüllst.
Kindergeld
Kindergeld beträgt 2026 monatlich 259 € je Kind (§ 66 Abs. 1 EStG). Ein volljähriges Kind wird nach § 32 Abs. 4 S. 1 EStG berücksichtigt,
- bis zum 21. Geburtstag, wenn es nicht in einem Beschäftigungsverhältnis steht und bei einer Agentur für Arbeit als arbeitsuchend gemeldet ist (Nr. 1),
- bis zum 25. Geburtstag, wenn es für einen Beruf ausgebildet wird (Nr. 2 Buchst. a),
- bis zum 25. Geburtstag in einer Übergangszeit von höchstens vier Monaten zwischen zwei Ausbildungsabschnitten (Nr. 2 Buchst. b),
- bis zum 25. Geburtstag, wenn es mangels Ausbildungsplatzes keine Berufsausbildung beginnen oder fortsetzen kann (Nr. 2 Buchst. c).
Fällt der Tatbestand weg, endet die Zahlung mit dem Ende dieses Monats (§ 66 Abs. 2). Wer Kindergeld erhält, muss Änderungen unverzüglich der Familienkasse mitteilen (§ 68 Abs. 1 EStG). Sonst wird zu Unrecht gezahltes Kindergeld zurückgefordert. Ein Beispiel: Wird die Mitteilung um drei Monate verspätet, summiert sich die Rückforderung bei 259 € je Monat auf 777 €.
Eltern einbeziehen
Berechtigte für das Kindergeld sind Deine Eltern, die Mitteilung liegt also bei ihnen. Informiere sie früh – schon wegen der Familienversicherung und weil sie wissen müssen, dass die Zahlung endet. Der Unterhalt umfasst nach § 1610 Abs. 2 BGB den gesamten Lebensbedarf einschließlich der Kosten einer angemessenen Vorbildung zu einem Beruf. Ob Deine Eltern nach einem gescheiterten Studium auch eine neue Ausbildung mittragen müssen, hängt vom Einzelfall ab. Wie das Gespräch mit ihnen gelingen kann, steht in Scham, Eltern, Selbstwert.
Vier typische Konstellationen
| Deine Lage | Krankenversicherung | Kindergeld |
|---|---|---|
| unter 23, nicht erwerbstätig, Einkommen unter 565 € im Monat | Familienversicherung möglich (§ 10 Abs. 2 Nr. 2 SGB V) | nur mit Ausbildung, Übergangszeit bis vier Monate, Ausbildungsplatzsuche oder (bis 21) Meldung als arbeitsuchend |
| zwischen 23 und 25, ohne Ausbildung | keine Familienversicherung (Nr. 3 verlangt Ausbildung), die freiwillige Mitgliedschaft läuft weiter | nur in einer Übergangszeit von bis zu vier Monaten oder wenn kein Ausbildungsplatz zu finden ist |
| zwischen 23 und 25, neue Ausbildung begonnen | Familienversicherung bis 25 möglich (§ 10 Abs. 2 Nr. 3) | Anspruch wegen Ausbildung (§ 32 Abs. 4 S. 1 Nr. 2 Buchst. a EStG) |
| über 25 | Familienversicherung grundsätzlich nicht mehr, Ausnahmen für Dienste und Behinderung (§ 10 Abs. 2 Nr. 3 und 4) | Anspruch endet grundsätzlich, Ausnahme bei Behinderung (§ 32 Abs. 4 S. 1 Nr. 3) |
In allen vier Fällen gelten zwei Zusätze – die Familienversicherung setzt die Einkommensgrenze voraus, und die Pflichtmitgliedschaft aus dem Studium läuft bis zum Semesterende weiter.
Checkliste nach dem Bescheid
- Notiere, ab wann die Exmatrikulation wirksam sein soll und welche Frist für Widerspruch oder Klage läuft. Rechne sie mit dem Fristenrechner nach.
- Melde dem BAföG-Amt unverzüglich, dass Du das Studium aufgibst, und kläre vorab, was ein Fachrichtungswechsel für die Förderung bedeutet.
- Frag Deine Krankenkasse, wann die Pflichtmitgliedschaft endet, und lies den Hinweis zur Anschlussversicherung gleich nach Eingang: Die Austrittsfrist beträgt zwei Wochen.
- Prüfe mit Deinen Eltern die Familienversicherung (Alter, Einkommen unter 565 € im Monat).
- Bitte Deine Eltern, die Familienkasse unverzüglich zu informieren.
- Prüfe, was am Studierendenstatus hängt, etwa Wohnheimplatz oder Semesterticket.
- Überlege, wie es weitergeht: Ausbildung statt Studium oder ein duales Studium. Eine Ausbildung kann beim Kindergeld wieder einen Anspruch begründen (§ 32 Abs. 4 S. 1 Nr. 2 Buchst. a EStG).
Häufige Fragen
Endet mein BAföG-Anspruch sofort mit der Exmatrikulation?
Er endet mit der tatsächlichen Aufgabe des Studiums, also nicht erst mit dem Exmatrikulationsdatum. Für den Monat oder Teilmonat einer Unterbrechung, die Du zu vertreten hast, ist die Förderung zurückzuzahlen (§ 20 Abs. 2 BAföG). Teile die Änderung dem Amt unverzüglich mit (§ 60 SGB I).
Bin ich ab dem Tag der Exmatrikulation unversichert?
Nein. Die studentische Pflichtmitgliedschaft endet mit Ablauf des Semesters (§ 190 Abs. 9 SGB V), früher nur bei Aufgabe des Wohnsitzes im Inland. Danach läuft die Versicherung als freiwillige Mitgliedschaft weiter (§ 188 Abs. 4 SGB V), wenn Du nicht binnen zwei Wochen nach dem Hinweis Deiner Kasse austrittst und anderweitigen Schutz nachweist.
Bekommen meine Eltern nach meiner Exmatrikulation noch Kindergeld?
Nur noch, wenn ein Tatbestand des § 32 Abs. 4 EStG vorliegt: eine neue Ausbildung, eine Übergangszeit von höchstens vier Monaten zwischen zwei Ausbildungsabschnitten, kein Ausbildungsplatz trotz Suche oder (bis 21) die Meldung als arbeitsuchend. Sonst endet die Zahlung mit dem Monat, in dem die Voraussetzungen wegfallen. Die Familienkasse muss unverzüglich informiert werden.
Was gilt, wenn ich direkt in ein neues Studium wechsle?
Schreibst Du Dich nach dem Semester der Exmatrikulation innerhalb eines Monats neu ein, endet die Pflichtmitgliedschaft nicht (§ 190 Abs. 9 S. 4 SGB V). Beim Kindergeld kann eine Übergangszeit von bis zu vier Monaten überbrücken. Beim BAföG kommt es auf die Fristen des § 7 Abs. 3 an.
Was kostet die freiwillige Krankenversicherung?
Die Mindestbemessungsgrundlage beträgt 2026 monatlich 1.318,33 €. Darauf werden Beitragssatz, Zusatzbeitrag und Pflegeversicherung berechnet. Eine Krankenkasse nennt dafür für 2026 zusammen rund 278 € im Monat (ohne Krankengeldanspruch, Kinderlose ab 23). Die Familienversicherung kann die Alternative sein.
Quellen
- § 190 SGB V, Ende der Versicherungspflicht und der Mitgliedschaft: Ende der studentischen Pflichtmitgliedschaft zum Semesterende, Ausnahmen in Satz 3 und 4
- § 188 SGB V, Beginn der freiwilligen Mitgliedschaft: Anschlussversicherung und Austritt binnen zwei Wochen
- § 10 SGB V, Familienversicherung: Altersstufen 18, 23 und 25, Einkommensgrenze ein Siebtel der Bezugsgröße
- § 240 SGB V, Beitragspflichtige Einnahmen freiwilliger Mitglieder: Mindestbemessung ein Neunzigstel der Bezugsgröße je Kalendertag
- § 1 SVBezGrV 2026, Bezugsgröße: Bezugsgröße 2026 von 3.955 € im Monat
- HEK, Beiträge für freiwillig versicherte Mitglieder 2026: Mindestbeitrag einer Kasse mit Beispielbeträgen für 2026
- § 7 BAföG, Erstausbildung, weitere Ausbildung: Abbruch, Fachrichtungswechsel, wichtiger und unabweisbarer Grund
- § 18 BAföG, Darlehensbedingungen: Beginn der Rückzahlung, Mindestrate, Rückzahlungsdauer
- § 20 BAföG, Rückzahlungspflicht: Aufhebung und Erstattung, Rückzahlung bei zu vertretender Unterbrechung
- § 60 SGB I, Angabe von Tatsachen: unverzügliche Mitteilung von Änderungen
- § 32 EStG, Kinder, Freibeträge für Kinder: Berücksichtigung volljähriger Kinder, Übergangszeit von vier Monaten
- § 66 EStG, Höhe des Kindergeldes, Zahlungszeitraum: 259 € monatlich, Zahlung bis zum Ende des Monats
- § 68 EStG, Besondere Mitwirkungspflichten: unverzügliche Mitteilung an die Familienkasse
- § 1610 BGB, Maß des Unterhalts: Unterhalt umfasst die Kosten einer angemessenen Vorbildung zu einem Beruf